Maze Runner - Die Auserwählten im Labyrinth

4K UHD. | USA 2014 | 114 Minuten

Regie: Wes Ball

Ein Junge wacht ohne Erinnerungen in einem "Lichtung" genannten Krater auf und will gemeinsam mit anderen Jugendlichen das Geheimnis des hinter gigantischen Steilwänden liegenden Irrgartens ergründen. Erst die Ankunft eines Mädchens weist eine Spur. Erster Teil einer dystopischen Science-Fiction-Fantasy-Trilogie nach dem Roman von James Dashner. Als bittere, endzeitlich-grimmige Gesellschaftsparabel geht der Film in seiner martialischen Gewalt- und Schockdramaturgie bis hart an die Grenze; zudem delegiert er zu viele offene Fragen an die weiteren Folgen. (Erste Fortsetzung: "Maze Runner - Die Auserwählten in der Brandwüste") - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE MAZE RUNNER
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2014
Regie
Wes Ball
Buch
Noah Oppenheim · Grant Pierce Myers · T.S. Nowlin
Kamera
Enrique Chediak
Musik
John Paesano
Schnitt
Dan Zimmerman
Darsteller
Dylan O'Brien (Thomas) · Kaya Scodelario (Teresa) · Thomas Brodie-Sangster (Newt) · Will Poulter (Gally) · Patricia Clarkson (Ava Paige)
Länge
114 Minuten
Kinostart
16.10.2014
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
4K UHD. | Science-Fiction

Heimkino

Die Extras enthalten u.a. einen Audiokommentar des Regisseurs und des Drehbuchautors T.S. Nowlin sowie ein Feature mit neun im Film nicht verwendeten Szenen (19 Min.). Die umfangreichere BD enthält zudem ein ausführliches „Making of“ (42 Min.) und den Kurzfilm "Ruin" (8 Min.). Die BD-Edition ist mit dem Silberling 2015 ausgezeichnet.

Verleih DVD
Fox (16:9, 2.35:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Fox (16:9, 2.35:1, dts-HDMA7.1 engl., dts dt.)
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Diskussion
Ist es der Fahrstuhl, der in die Verdammnis führt? Der Junge, der damit zur Erdoberfläche kommt und von einer Gruppe Gleichaltriger empfangen wird, versucht panisch zu fliehen und kann sich wenig später nur noch an seinen Vornamen erinnern: Thomas. Aber ihn quälen Albträume, die das Dahinvegetieren in der „Lichtung“, einer Art Freiluftgefängnis in Form eines von gigantischen Steilwänden begrenzten Kraters, nicht einfacher machen. Die etwa 60 Jugendlichen unter Führung des weisen, fürsorglichen Alby geben sich Mühe, Thomas zu integrieren, doch der ist seltsam rebellisch. Um jeden Preis will er wissen, was hinter diesen Mauern ist, die tagsüber durch einen Spalt scheinbar durchlässig werden, die Gruppe nachts aber vor den todbringenden Griewer schützen. Denn hinter den Mauern liegt ein Labyrinth, in das nur die Gruppe der athletischen Läufer vordringen darf. Seit drei Jahren erkunden sie den Irrgarten, ohne je einen Ausgang gefunden zu haben. Alby weiß allerdings mehr, als er zugibt; auch Newt, sein Stellvertreter, traut dem seltsam eigenständigen Thomas nicht über den Weg. Als Alby und sein Chefläufer Mino einmal nicht vor dem Schließen des Tores zurückkommen, wagt sich Thomas ins Labyrinth. Er will beweisen, dass er das Rätsel zur Not auf eigene Faust lösen kann. James Dashners Roman-Trilogie (plus ein Prequel) über den „auserwählten“ Maze Runner Thomas erschien zwischen 2009 und 2013 und rangierte auf den Bestsellerlisten der Welt ganz oben. Da Hollywood augenblicklich nichts lieber mag als Fortsetzungsgeschichten, war die Adaption dieser Fantasy-Jugendbücher nur eine Frage der Zeit. Das Sujet ist hip und spielt in einer nicht näher bezeichneten Endzeit, in der die Menschheit nahezu ausgerottet erscheint. Die im Zentrum stehenden jugendlichen Männer erleben ihre Sozialisation auf dem Stand des einstigen Mittelalters und proben in der kraterartigen Lichtung eine gesellschaftliche Frühform zwischen Jäger-, Sammler- und Ackerbaukultur. Doch was und wer stecken hinter diesem überdimensionierten Sozialexperiment? Lange Zeit tappt man ziemlich im Dunkeln. Thomasʼ Träume lassen aber schon erahnen, was das erste Mädchen, das ebenfalls durch den Fahrstuhl an die Oberfläche transportiert wird, konkreter erklärt. Unter der Gruppe der „Auserwählten“ sei Thomas der neue Führer und könne als Einziger ein Experiment zum Erfolg bringen, das durch eine mysteriöse Gruppe von Erwachsenen initiiert wurde. Wie es sich für einen ersten Teil gehört, provoziert „Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth“ mehr Fragen als Antworten. Doch nicht wenige scheinen von den Autoren gar nicht intendiert zu sein, sondern eher einer schlampigen Dramaturgie geschuldet. Warum können sich Kinder, deren Erinnerungen an ein Leben jenseits der Lichtung gelöscht wurde, an Vater und Mutter erinnern? Warum weiß eine „Mikro-Gesellschaft“, die nichts anderes kennt als Männer, von Frauen? Auch drängt sich die Frage auf, ob die zum Showdown durch eine mysteriöse Führerfigur namens Ava Paige kommunizierten, mehr als kruden Erklärungen über das Menschenexperiment nur einer simple Cliffhanger-Idee geschuldet sind oder einer Vorlage entstammen, die sich in martialischen Spielen und unausgegorenen Endzeitphilosophien erschöpft? All das lässt sich über die „Maze-Runner“-Trilogie schwerlich aussagen, da das, was Regisseur Wes Ball dem Zuschauer präsentiert, schlicht zu inkomplett und fragmentarisch bleibt. Es lassen sich jedoch interessante Ansätze entdecken, die an bittere Gesellschaftsparabeln wie „Herr der Fliegen“ erinnern. Auch formal verfügt der dystopische Science-Fiction-Film durchaus über Schauwerte und um Ernsthaftigkeit bemühte Darsteller. Mit all seinen logischen Brüchen, der omnipräsenten Grimmigkeit und Trostlosigkeit, aber auch durch seine Gewalt- und Schockdramaturgie bewegt er sich hart an der Grenze dessen, was für die anvisierte Zielgruppe der Zwölf- bis 15-Jährigen noch zumutbar erscheint. Durch all die offenen Fragen und Handlungsstränge verstört die ärgerliche Rumpfgeschichte mehr, als dass sie unterhält.
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