4K UHD. | USA/Großbritannien 2014 | 169 Minuten

Regie: Christopher Nolan

In einer Zukunft, in der die Menschheit auf der maroden Erde keine weitere Lebensgrundlage mehr hat, beobachtet ein einstiger Pilot und jetziger Farmer mit seiner aufgeweckten Tochter rätselhafte Bewegungen, als ob Geister mit binären Codes oder Morsezeichen Warnungen aussprechen würden. Als ihn die NASA gemeinsam mit einem Team ins All schickt, um einen neuen bewohnbaren Planeten zu suchen, ahnt er nicht, dass ihn seine Reise genau zu dieser Ausgangsituation zurückführen wird. Eine komplexe, virtuos gestaltete Weltraum-Oper um Wurmlöcher, Zeitreise-Paradoxien und die Botschaft, dass es eine Symbiose aus Emotion und Kognition, Glaube und Wissenschaft geben kann. Die audiovisuelle Wucht des Films wird dabei stets durch plausible zwischenmenschliche Dramen geerdet. - Sehenswert ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
INTERSTELLAR
Produktionsland
USA/Großbritannien
Produktionsjahr
2014
Regie
Christopher Nolan
Buch
Jonathan Nolan · Christopher Nolan
Kamera
Hoyte van Hoytema
Musik
Hans Zimmer
Schnitt
Lee Smith
Darsteller
Matthew McConaughey (Cooper) · Anne Hathaway (Brand) · Jessica Chastain (Murph als Erwachsene) · Ellen Burstyn (Murph als alte Frau) · Michael Caine (Prof. Brand)
Länge
169 Minuten
Kinostart
06.11.2014
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Sehenswert ab 16.
Genre
4K UHD. | Drama | Science-Fiction

Heimkino

BD & UHD enthalten eine Audiodeskription für Sehbehinderte, allerdings nur in englischer Sprache. Die Standardausgabe (DVD) enthält keine erwähnenswerten Extras. Die umfangreiche BD/UHD enthält indes u.a. das Feature "Die Wissenschaft von Interstellar" (50 Min.) und das mehrteilige "Making of"-Feature "Inside Interstellar" (122 Min.). Die BD präsentiert den Film in seinen unterschiedlichen Formaten, die aus der Aufnahme sowohl auf 35mm als auch im 70mm-IMAX-Format resultieren. Das heißt, dass das 2.35:1-Bild nun nach oben und unten aufgezogen ist, was einem Bildformat von 2.35:1.32 entspricht, was ein deutliches "Mehr" an Bildinformationen bedeutet. Auch ohne Dolby Atmos (oder ein ähnliches Konkurrenzsystem) als Audiokonzept ist die Tonspur, ähnlich dem Bild (besonders in 4K auf UHD) referenzwürdig. Nur die BD/UHD Edition ist mit dem Silberling 2015/2018 ausgezeichnet.

Verleih DVD
Warner (16:9, 2.35:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Warner (16:9, 2.35:1.32, dts-HDMA engl./dt.)
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Diskussion
Hier stimmt etwas grundsätzlich nicht mit der Welt. Die üppigen Maisfelder, die Farmer-Idylle: alles fault gleich unter der Oberfläche. Mehltau ist dabei, auch die letzten Ernten zu vernichten und den Menschen den Sauerstoff zu rauben. Die Gesellschaft wehrt sich machtlos gegen den Sturz in den Abgrund, indem sie rigoros Prioritäten setzt: »Wir brauchen keine Studenten, wir brauchen Farmer, die den Menschen Nahrung geben«, sagen die Lehrer zu dem einstigen Piloten und jetzigen Farmer Cooper, als sie seinem Sohn den Zugang zur Universität verwehren. Überhaupt solle er aufhören, seiner kleinen Tochter Murph von den Errungenschaften der US-Raumfahrt zu erzählen. Der Traum von der Erforschung des Weltraums erscheint der Lehrerin als Hybris angesichts der irdischen Probleme. Cooper hält dagegen: »Wir waren schon immer Pioniere, Entdecker.« In »Interstellar« befinden wir uns in einer Zukunft, die undenkbar und trotzdem sehr greifbar scheint. Während draußen Endzeitstimmung herrscht, beschäftigen drinnen in der Farm der Coopers seltsame Erscheinungen die aufgeweckte Murph: rätselhafte Bewegungen im Bücherregal im Kinderzimmer, als ob Geister mit binären Codes oder Morsezeichen Warnungen aussprechen würden. Zusammen mit seiner Tochter folgt Cooper einem der geisterhaften Hinweise und stößt auf ein abgeriegeltes Areal und die Überreste der NASA. Dort weihen ihn der leitende Wissenschaftler und sein Team in ein Projekt ein, das es der bedrohten Menschheit ermöglichen soll, die Erde zu verlassen und ein neues Zuhause in den Tiefen des Weltalls zu finden. Für alle? Einer von den Astronauten, die auf diese Mission geschickt werden, wird Cooper sein. Er wird seine Familie verlassen, eine untröstliche Murph zurücklassen und durch ein Wurmloch am Saturn in eine andere Galaxis reisen. Dort könnten möglicherweise bewohnbare Planeten sein, wie die Forscher einer früheren Mission herausgefunden haben. »Interstellar« ist eine »Major Tom«-Elegie um einen Helden, der bei seiner Reise ins All nicht nur räumliche Grenzen ins Unbekannte überschreiten muss, sondern auch an existenzielle Grenzen stößt: zwischen Leben und Tod, zwischen Physik und Metaphysik. »Ground Control« ist dabei kein Hort der Sicherheit. Science-Fiction-Romantik ist in Christopher Nolans grimmiger Endzeit-Dystopie völlig fehl am Platz. Und doch ist »Interstellar« beseelt von ihr: in der Bildgewalt, mit der Nolan die Welten, die Cooper und sein Team erkunden, auf die Leinwand bannt. Oder in den Figurenkonzepten: Es gibt die klassische Mentor-Figur in Form des Leiters des NASA-Programms; es gibt dessen Tochter Brand, die den impulsiven Cooper ins All begleitet und gleichsam erdet; und es gibt Coopers Tochter Murph, die einer Lichtgestalt gleich den Geschicken der Menschheit auf der Erde den entscheidenden Impuls geben wird. Nolan gibt ihnen viel Zeit, um Loyalitäten zu testen, im All oder im irdischen Elend ums Überleben zu kämpfen und am Rand von Schwarzen Löchern die erzählte und erlebte Zeit zu dehnen oder zu verdichten, während die Montage über Zeit und Raum hinweg die Schicksale und Erzählfäden zusammenhält. Man kann »Interstellar« in eine Reihe mit »2001 – Odyssee im Weltraum« stellen. Doch im Gegensatz zu Stanley Kubrick bleibt Nolan nicht andeutungsvoll vage in seinen wissenschaftlichen und philosophischen Konzepten. Angesichts der Thesen, die hier vertreten werden, ist das äußerst mutig. Doch so verwegen, virtuos und auch angreifbar das »schreckliche Märchen« bis zum wahrhaft abenteuerlichen Finale erzählt wird: Nolans Kino macht uns glauben. »Interstellar« lebt von den präzise beobachteten zwischenmenschlichen Kleinigkeiten, die dem Film eine selten empfundene Emotionalität verleihen, gegen die die giganti-schen Weltraum-Tableaus fast verblassen. Sie korrespondiert auf großartige Weise mit der Botschaft des Films, die den Schulterschluss zwischen Emotion und Kognition als Geheimnis wissenschaftlichen Fortschritts postuliert. Wenn wir am Ende alle wissen, dass nie Geister, sondern stets die Menschen ihre eigenen Geschicke leiten, dann ist die große Sternen-Oper plötzlich ganz klein, intim und fassbar.
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