Insidious: The Last Key

Horror | USA/Kanada 2017 | 104 Minuten

Regie: Adam Robitel

Schwaches Horrorfilm-Prequel: Ein neuer Auftrag bringt eine von ihrer traumatischen Kindheit in den Beruf einer Geisterjägerin gezwungene, paranormal begabte Rentnerin zurück in das Haus ihrer Kindheit, wo sie sich mit alten und neuen Geistern konfrontiert sieht. Als zweites Prequel ist der Horrorfilm noch vor den ersten beiden (geglückten) Filmen des Erfolgsfranchises angesiedelt. Er liefert durchaus gute Geisterspukansätze, verwässert diese aber durch eine redundante Dramaturgie und alberne Sidekicks und markiert somit den bisherigen Tiefpunkt der inzwischen vierteiligen Grusel-Reihe. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
INSIDIOUS: THE LAST KEY
Produktionsland
USA/Kanada
Produktionsjahr
2017
Regie
Adam Robitel
Buch
Leigh Whannell
Kamera
Toby Oliver
Musik
Joseph Bishara
Schnitt
Timothy Alverson
Darsteller
Lin Shaye (Elise Rainier) · Angus Sampson (Tucker) · Leigh Whannell (Specs) · Josh Stewart (Gerald Rainier) · Caitlin Gerard (Imogen Rainier)
Länge
104 Minuten
Kinostart
04.01.2018
Fsk
ab 16; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Horror | Mystery

Heimkino

BD und DVD enthalten eine Audiodeskription für Sehbehinderte, allerdings nur in englischer Sprache. Die Extras enthalten u.a. ein Feature mit acht im Film nicht verwendeten Szenen (19 Min) sowie einem alternativen Filmende (3 Min.).

Verleih DVD
Sony (16:9, 2.35:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Sony (16:9, 2.35:1, dts-HDMA engl./dt.)
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Diskussion

Jedes Haus hat seinen Fluch. In Horrorfilmen wie diesem natürlich einen ganz besonders finsteren. Der Zuschauer erfährt dies in Ansätzen gleich mit dem Prolog, der in einer ersten Rückblende von der schrecklichen Kindheit der Geschwister Elise und Christian Rainier erzählt; von der gutherzigen, aber schwachen Mutter, dem drakonischen Vater und den Geistern im Haus, die nur die paranormal begabte Elise hinter den wehenden Vorhängen und im ewigen Halbdunkel der Flure erkennt. Der Prolog endet schrecklich, und die inzwischen greise Elise erwacht aus ihrem immer wiederkehrenden Albtraum. Inzwischen führt sie jene Geisterjäger-Firma „Spectral Sightings“, die der versierte Franchise-Kenner noch aus den vorangegangenen „Insidious“-Teilen kennt. Lange muss sie nicht warten, bis ein neuer Kunde um Hilfe ruft. Es ist ein neuer Bewohner jenes Hauses, das sie mit 16 Jahren fluchtartig verließ, ohne sich weiter um das Schicksal ihres Bruders zu kümmern, der alleine mit dem kaltherzigen Vater zurückblieb. Es ist also nicht nur ein neuer Job, sondern auch eine Reise in die eigene Vergangenheit. Dass beides eng miteinander verknüpft ist und ihre Familie immer noch in dem Vorort im verschlafenen Five Keys, New Mexico lebt, will sie nicht ahnen. Adam Robitel ist sich der grundsätzlichen Qualitäten der von den Regisseuren James Wan und Leigh Whannell gestarteten „Insidious“-Reihe wohl bewusst. Der Plot um ein Etwas, das von Elise als Kind entfesselt wurde und das eine Kreatur mit feingliedrigen Fingern aus Schlüsseln aus der Hölle ins Diesseits entließ, hat durchaus das Potenzial, das Fürchten zu lehren. Doch all das Drumherum mit der immer noch fragmentarisch bleibenden Familiengeschichte Elises, mit Männern, die Frauen für ihre Keller fangen, mit unernsten „Ghostbusters“ und ernsten Todesfällen, wirkt wie aus dem unaufgeräumten Horrorfundus eines Hollywood-Zulieferers zusammengeklaubt. Ärgerlich sind daher weniger die in erster Linie aus Lärm erwachsenden Schockmomente, ebenso beliebig wie vorhersehbar auf ein kreischbereites Publikum losgelassen werden. Ärgerlich ist vielmehr und einmal mehr das Nichtunterscheiden-Können zwischen skurrilen und albernen Sidekicks. Erstere sind ein wichtiges karthatisches Element zur Spannungskompensation. Letztere zerstören die Stimmung und verwandeln den Horror in die eigene Persiflage. Erstere finden sich beispielsweise in Tobe Hoopers „Poltergeist“, letztere in „Insidious - The Final Key“ in Form von Elises „Wissenschafts“-Kollegen Specs und Tucker, die schon seit „Insidious: Chapter 3“ viel zu präsent durch die Szenerie stolpern. So mäandert der Film unbeholfen zwischen Geisterbahn und gespieltem Witz, zwischen Psychothriller, Horror und Klamotte, zwischen „Der Fänger“, „Conjuring“ und „Scary Movie“, ohne dass beim Betrachter mehr hängenbleibt als Schlüssel, die einfach nicht passen wollen. Dafür versteht es Robitel wiederum zu verknüpfen: Schlaglichter zu den vergangenen Teilen manifestieren sich gen Ende, die den aktuellen Teil zwischen dem Prequel „Insidious: Chapter 3 – Jede Geschichte hat einen Anfang“ und den ersten beiden Teilen verorten. Und wenn alle bereits auf den Abspann warten, mahnt der Horror (wie inzwischen leider immer), dass nichts je ganz ausgestanden sein darf in der Welt des Franchise. Das ist der wahre Fluch des zeitgenössischen Kinos.

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