Hellboy - Call of Darkness

Abenteuer | USA 2019 | 121 Minuten

Regie: Neil Marshall

Der zum Freund der Menschheit avancierte Halbdämon Hellboy tritt gegen eine böse Hexe an, die im Mittelalter besiegt wurde, im Großbritannien der Jetztzeit aber zu neuer Macht kommt und auf apokalyptische Rache sinnt. Dabei erweist sich dem schlagkräftigen Weltenretter aber auch, welches seine wahren Verbündeten sind. Mit ausgiebigen Computeranimationen sucht die Comicverfilmung ihr Heil in einer kruden Mischung aus albernen Dialogen und expliziter Gewalt. Die beiden dramaturgischen Konzepte reiben sich jedoch nur unproduktiv aneinander, statt sich zu einem stimmigen Ganzen zu formen.

Filmdaten

Originaltitel
HELLBOY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Neil Marshall
Buch
Andrew Cosby
Kamera
Lorenzo Senatore
Musik
Benjamin Wallfisch
Schnitt
Martin Bernfeld
Darsteller
David Harbour (Hellboy / Anung Un Rama) · Daniel Dae Kim (Ben Daimio) · Milla Jovovich (Nimue the Blood Queen) · Ian McShane (Trevor Bruttenholm) · Sasha Lane (Alice Monaghan)
Länge
121 Minuten
Kinostart
11.04.2019
Fsk
ab 16; f
Genre
Abenteuer | Action | Comicverfilmung | Fantasy | Horror
Diskussion

Neuverfilmung der Comicvorlagen um den schlagkräftigen Halbdämon Hellboy, der auf Seiten der Menschheit gegen eine böse Hexe antritt. Die Adaption sucht ihr Heil in einer wenig überzeugenden Mischung aus albernen Dialogen und expliziter Gewalt.

Das Ende der Welt ist nah! Als in Britannien noch das tiefste Mittelalter herrschte, buhlten Hexen und Zauberer um die Macht und der hehre König Artus konnte mit seinem legendären Schwert Excalibur der mächtigen Weltzerstörerin Nimue den Garaus machen. Damit diese Hexe nie wieder Macht über Leben und Tod erlange, hatte er sie zerstückelt und an den entlegensten Ecken des Königreichs verscharren und unter kirchlicher Obhut lagern lassen. In „Hellboy – Call of Darkness“ sind nun jedoch perfide Helfershelfer wie der Höllen-Keiler Gruagach angetreten, die Einzelteile der Blutkönigin zusammenzutragen, damit die erstarkte Nimue fürchterliche Rache üben und die Herrschaft des Chaos über die Welt einläuten kann.

Zum Glück gehört ein tumb scheinender, rothäutiger Hüne mit abgefeilten Bullenhörnern und der unförmigen rechten Granitfaust zu den Guten. Als schlagkräftiges und schier unzerstörbares „Werkzeug“ der „Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen“ (B.U.A.P.) ist Anung Un Rama (auch Hellboy genannt) immer da, wenn es auf der Erde etwas „aufzuräumen“ gibt. Das war freilich nicht immer so geplant, hatten doch bei seiner Genese einst in den 1940er-Jahren die Nazis, Rasputin und der Teufel höchstpersönlich ihre Finger im Spiel. Damals konnten die Mächte des Bösen gebannt und die da noch knuddelige Ausgeburt der Hölle für den guten Teil der Menschheit gewonnen werden. Sollte das nun alles, Generationen später, obsolet sein, weil es dem absoluten Bösen gerade gelingt, auf die Erde zurückzukehren?

Ganz wehrlos sind die Erdenbürger aber nicht. Abgesehen von B.U.A.P. samt Hellboy und dessen Teamkollegen, dem flippigen Medium Alice Monaghan und dem eleganteren Haudrauf Ben Daimio pflegt nämlich auch der noble britische „Osiris Club“ den Kampf gegen Ausgeburten der Hölle, die gerne mal in Form von Trollen und Riesen durch die Highlands streifen. Lord Adam Glaren und seine „Seherin“ Lady Hatton sind es auch, die Hellboy zunächst zur Riesenjagd akquirieren. Doch das ist nur der Anfang der Höllentour, auf der der Halbdämon erkennen wird, wer seine wirklichen Feinde sind.

Ein neuer Hellboy 16 Jahre nach Guillermo del Toro

16 Jahre ist es jetzt her, dass Guillermo del Toro angetreten ist, aus der kulthaften Comicvorlage um Anung Un Rama ein filmisches Universum zu stricken. Die Visionen des mit überbordender Fantasie gesegneten Mexikaners verschmolzen kongenial mit den gewaltigen (pop)kulturellen Referenzen der von Krieg, Nazis, Hexenwerk und Endzeit beseelten Comicvorlage und fanden mit Hauptdarsteller Ron Perlman stimmig ein charismatisches „Untier“ für die Verkörperung des brachialen Superhelden aus der Hölle.

Zu viel Zeit ist anscheinend auch nach der ersten Fortsetzung Hellboy – Die Goldene Armee (2008) ins Land gezogen, um mit einem Sequel anzudocken. Ohnehin schien den Produzenten offensichtlich zu viel „Auteur“-Handschrift in die ersten filmischen Umsetzungen geflossen, um noch einen zeitgemäßen dritten Teil der Erfolgsgeschichte zu schreiben. Also alles auf Anfang, im Hollywood-Sprech heißt das: Reboot. Das wäre die Chance gewesen, auch einen anderen, jugendlicheren Impetus in die Geschichte bringen; wenn man so will also den Versuch starten, der Comicvorlage noch ein wenig näher zu kommen, als es der Freigeist del Toro gewillt war.

Das Team Neil Marshall (Regie) und David Harbour (Hauptdarsteller) ist nun neu am Start. Während der mit seiner Sheriff-Rolle in der Serie Stranger Things bekannt gewordene Harbour als Hellboy seine Sache nicht signifikant schlechter oder besser gesagt: kaum anders macht als sein Vorgänger Perlman, beschreiten Regisseur Marshall und sein Drehbuchautor Andrew Cosby radikal andere Wege. Offenbar inspiriert von den Erfolgsformaten Guardians of the Galaxy und Deadpool, suchen sie das Seelenheil der Geschichte im coolen Sprüchen und spaßigen Pointen. Was del Toro im Vergleich nur in homöopathischen Dosen und darum effektiv einsetzte, wird nun via Dialogbuch tsunamimäßig in den Kinosaal geschüttet. Das Konzept scheint klar: hier wird gealbert um jeden Preis. Kein Satz ohne eine „witzige“ Bemerkung.

Die Bilder sind reinster Horror

Ganz im Gegensatz zur visuellen Ausgestaltung des Films. Was sich die Armada an Special-Effects-Spezialisten sowie Kameramann Lorenzo Senatore ausgedacht haben, ist von ganz anderem Kaliber – ja scheint fast für einen ganz anderen Film bestimmt. Während die Dialoge auf Klamauk gebürstet sind, brüllen die Bilder reinsten Horror in die Hirne des Publikums. Das geschieht mitunter stimmig und verstörend in Nebenschauplätzen, wie etwa in einer großartigen Sequenz mit Hellboy und seiner albtraumhaften Widersacherin. Im Hauptplot entsteht daraus jedoch eine totale Reizüberflutung. Ganz gemäß aktueller Computerspiel-Blockbuster fliegen hier die menschlichen Fetzen im Stakkato-Takt.

In der Mischung aus infantilen Dialogen und gewalttätiger Optik entsteht hier ein unausgegorenes Etwas, das oberflächlich gesehen vielleicht als krude „FSK 16“-Komödie durchgeht, aber eigentlich einen Gewaltporno für kindliche Gemüter darstellt. Im Gegensatz zu „Guardians of the Galaxy“ fehlt das Timing, und im Gegensatz zu „Deadpool“ fehlt der Mut zur Subversivität. So bleibt das befremdliche Gefühl, das schon die Trailer vermittelten, die den Film einerseits als Komödie und andererseits als Schocker verkaufen wollen. Zwei Label, die im Fall von „Hellboy – Call of Darkness“ kein Ganzes ergeben.

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