Im Netz der Versuchung

Drama | USA 2019 | 107 Minuten

Regie: Steven Knight

Ein eigenbrötlerischer Tuna-Fischer hat sich auf eine tropische Insel zurückgezogen, wo der Trinker Tag für Tag auszieht, um einen Riesenfisch zu jagen. Als seine Ex-Frau ihn aufsucht und ihn zur Ermordung ihres neuen Ehemanns anhält, wird er wieder mit einer Vergangenheit konfrontiert, die er um jeden Preis vergessen wollte. Farbkräftige, bildstarke Variation alter B-Movies, deren talentierte Macher durchaus mit Einsatz bei der Sache sind. Die Wiederbelebung von Film-Noir-Elementen gleicht allerdings eher einer Spurensuche und bleibt in den absurden Windungen der Handlung stecken. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
SERENITY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Steven Knight
Buch
Steven Knight
Kamera
Jess Hall
Musik
Benjamin Wallfisch
Schnitt
Laura Jennings
Darsteller
Matthew McConaughey (Baker Dill) · Anne Hathaway (Karen Zariakas) · Diane Lane (Constance) · Jason Clarke (Frank Zariakas) · Djimon Hounsou (Duke)
Länge
107 Minuten
Kinostart
02.05.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama | Mystery-Film | Science-Fiction
Diskussion

Die Geschichte eines Tuna-Fischers auf einer tropischen Insel, der von seiner Ex-Frau zur Ermordung ihres neuen Ehemanns angehalten wird. Eine bildstarke, wenngleich auch etwas abstruse Variation alter B-Movies.

Nicht jeder Autor, der eine Story über einen Mann und einen großen Fisch, über drohendes Schicksal und hintergründigen Symbolismus schreibt, muss gleich ein Hemingway sein. Und nicht jeder Regisseur, der seine Faszination für klassischen Film noir, Humphrey Bogart und Howard Hawks, aber auch für Lawrence Kasdans „Body Heat“ mit sich herumschleppt, muss in der Lage sein, daraus eine kongeniale Wiedererweckung einstiger Filmgenres zu machen. Doch der Versuch allein ist heutzutage schon bemerkenswert, und das wagen Steven Knight und Matthew McConaughey mit aller Kraft.

Der deutsche Verleihtitel mit seiner unverkennbaren Anmutung von B-Movies, die mit der Anrüchigkeit kokettieren, ohne richtig anrüchig zu sein, ist ausnahmsweise einmal auf der richtigen Spur. Die Story über einen Veteran des Irakkriegs, der im Hafen einer ominösen tropischen Inselstadt sein Leben als Fischer fristet und den Riesenfisch nicht aus seinem Kopf bekommt, erinnert sowohl an „Haben und Nichthaben“ als auch an „Body Heat“, zwei Genrefilme, die historisch zu unterschiedlichen Zeiten das Filmschaffen stilistisch beeinflusst und Trends der einschlägigen Populärliteratur ins Hollywood-Kino ihrer Tage eingebracht haben.

Zehn Millionen für einen Mord

Was aber nicht heißen soll, dass „Im Netz der Versuchung“ ein ähnlicher Erfolg beschieden ist. Dafür ist die Handlung nicht konsequent und überzeugend genug. Aber es ist erfrischend zu sehen, dass die Saat der heißblütigen Noir-Filme gelegentlich noch sprießt, auch wenn sie letztlich nur absurde Blüten hervorbringt.

Eine lange Zeit ist die Geschichte des unrasierten Einzelgängers Baker Dill (Matthew McConaughey) durchaus eine Hommage auf das US-amerikanische B-Movie. Sie hat alles, was dazu gehört: einen harten, grüblerischen Trinker, der Tag für Tag auszieht, den großen Fisch zu fangen; eine verführerische Femme Fatale (Anne Hathaway), die einst seine Frau war und ihm nun zehn Millionen Dollar anbietet, wenn er ihren gewalttätigen Ehemann tötet; einen mysteriösen Abgesandten eines noch geheimnisvolleren Auftraggebers, der dem Fischer lange vergeblich nachstellt; und schließlich den „verlorenen Sohn“, den der Autor ausersehen hat, die Story mit einem unvorhersehbaren Ende zu versorgen.

Zwielichtige Figuren in exotischen Lokalitäten

Man kann das alles als banalen Kitsch abtun, was es auch ist. Oder man kann seinen Spaß daran haben, wie hier ein begabter Regisseur in die Untiefen eines fast in Vergessenheit geratenen und häufig missachteten Genres hinabsteigt.

Die daraus entstandene Meditation über begangene Fehler und den Wunsch, sie korrigieren zu können, mag letztlich vielleicht nur ihn selbst befriedigen. Doch großartige Bilder voller zwielichtiger Figuren in exotischen Lokalitäten können auch das Interesse der Zweifler festhalten.

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