Close - Dem Feind zu nah

Action | USA/Großbritannien 2018 | 91 Minuten

Regie: Vicky Jewson

Eine Leibwächterin soll eine junge Erbin schützen, die nach dem Tod ihres Vaters große Anteile des Familienunternehmens geerbt hat. Als das Anwesen der Familie in Marokko von einem Trupp Bewaffneter gestürmt wird, kann die Frau das Mädchen mit knapper Not retten; damit ist die Gefahr aber noch nicht ausgestanden: Die Erbin ist Ziel einer großangelegten Intrige, und so finden ihre Leibwächterin und sie sich in einer Situation wieder, in der sie niemandem trauen können. Die einzige Hoffnung besteht darin, die Hintergründe der Intrige aufzudecken. Der Film erzählt unter anderem von der etwas klischeehaft angelegten Ersatzmutter-Tochter-Beziehung, die sich gegen den Widerstand der Leibwächterin allmählich zwischen ihr und ihrem Schützling entwickelt. Seine Stärke entfaltet er jedoch als geradliniger Actionthriller mit mitreißend choreografierten Kampfszenen zwischen den Frauen und ihren Jägern. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
CLOSE
Produktionsland
USA/Großbritannien
Produktionsjahr
2018
Regie
Vicky Jewson
Buch
Vicky Jewson · Rupert Whitaker
Kamera
Malte Rosenfeld
Musik
Marc Canham
Schnitt
Richard Smither
Darsteller
Noomi Rapace (Sam Carlson) · Olivia Jewson (Sarah) · Abdellatif Chaouqi (Joe) · Sophie Nélisse (Zoe Tanner) · Huw Parmenter (Adam)
Länge
91 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Action | Thriller

Heimkino

Verleih DVD
EuroVideo
Verleih Blu-ray
EuroVideo
DVD kaufen
Diskussion

Ein Actionthriller mit Noomi Rapace als coole und nervenstarke Leibwächterin, die eine reiche Erbin beschützen soll und mit ihrem Schützling in Marokko in eine großangelegte Intrige gerät.

Sam (Noomi Rapace) ist keine Superheldin. Sie ist zäh und fit, aber nicht außergewöhnlich stark. Was sie in ihrem Job als Bodyguard so gut macht, sind ihre eisernen Nerven. Das sieht man gleich in der Eröffnungssequenz, in der sie mit einem Journalistenteam irgendwo in einer Krisenregion im Nahen oder Mittleren Osten unterwegs ist, als ihr Jeep attackiert und der Fahrer erschossen wird: In den wenigen Sekunden, die ihr bleiben, bis die schwer bewaffneten Angreifer das liegengebliebene Auto erreichen, reagiert sie blitzschnell und stellt geschickt die Weichen dafür, mit einem unerwarteten Gegenschlag das Blatt zu ihren Gunsten zu wenden.

Kurz darauf ist Sam, mit diversen Blessuren im Gesicht, auf dem Weg zu ihrem nächsten Job: Sie soll als Leibwächterin die pubertierende Tochter eines gerade verstorbenen schwerreichen Unternehmers schützen – ein Auftrag, der nicht gerade nach Sams Geschmack ist, aber ausnehmend gut bezahlt wird. Zoe (Sophie Nélisse) scheint jedes Klischee eines materiell verwöhnten, aber emotional bedürftigen High-Society-Prinzesschens zu erfüllen; und dass ihr nach dem Tod ihres Vaters nur noch ihre Stiefmutter Rima (Indira Varma) als Bezugsperson bleibt, macht sie im Umgang nicht gerade leichter: Die beiden haben ein äußerst feindseliges Verhältnis, nicht zuletzt, weil Zoes Vater ihr sehr zu Rimas Ärger große Anteile am Familienunternehmen hinterlassen hat.

Ein Security-Job mit emotionalen Untiefen und tödlichen Risiken

Sam begleitet Zoe nach Marokko, wo ihre Stiefmutter gerade dabei ist, einen wichtigen Deal für die Firma unter Dach und Fach zu bringen. Doch kaum sind sie und das Mädchen in dem festungsartigen Anwesen der Familie nahe Casablanca angekommen, wird aus Sams lästigem, aber harmlosem Job eine tödliche Herausforderung: Bewaffnete Männer hacken sich ins scheinbar perfekte Sicherheitssystem der Villa und schalten die Wachmänner aus; Sam gelingt es nur mit knapper Not, Zoe vor ihrem Zugriff zu retten. Doch damit ist die Gefahr längst nicht ausgestanden: Die beiden merken bald, dass Zoe offensichtlich Opfer einer großangelegten Intrige ist, in die unter anderem auch Polizisten verwickelt sind, im schlimmsten Fall vielleicht sogar Rima. Sams einzige Aussicht, Zoe in Sicherheit zu bringen, scheint darin zu bestehen, die Hintergründe dieser Intrige aufzudecken.

Wie so oft in Filmen um Bodyguards geht es auch in „Close“ unter anderem um die sich anbahnende menschelnde Beziehung von Wächter und Schützling: Wie Sam schon früh fürchtet, beginnt Zoe in ihr als Beschützerin bald eine Art Ersatzmutter zu wittern. Dass Sam durch eine forciert coole, stoische, mitunter ruppige Haltung versucht, sie auf Distanz zu halten, hilft immer weniger, je mehr die beiden Frauen gemeinsam in Gefahr geraten, mit- und füreinander kämpfen und dabei notgedrungen eine Bindung zueinander entwickeln.

Mitreißendes physisches Actionkino

Diese Ebene, die auch mit einer dürftig zusammengeschusterten Vorgeschichte der Heldin küchenpsychologisch vertieft wird, gehört zu den klischeehafteren, schwächeren und zum Glück nicht allzu breit getretenen Aspekten des von Vicky Jewson inszenierten Films. Ganz zu sich findet „Close“ dagegen als geradliniger Actionthriller: Jewson verwickelt ihre Hauptfigur, die lose an die reale Leibwächterin Jacquie Davis angelehnt ist, und zunehmend auch die an ihrer Seite über sich selbst hinauswachsende Zoe in eine Reihe von gut choreografierten Auseinandersetzungen mit diversen Finsterlingen, die im Vergleich zu der effektgestützten Action des aktuellen Blockbusterkinos auf schöne Art „handgreiflich“ sind.

Den Titel „Close“ kann man insofern nicht nur als Verweis auf Sams Probleme mit menschlicher Nähe sehen, sondern auch auf die Nahkämpfe beziehen, bei denen die Frauen die Tatsache, dass sie ihren männlichen Gegnern an Muskelkraft meist unterlegen sind, durch Geschick wettmachen müssen; nicht zuletzt, indem sie die räumlichen Gegebenheiten zu ihrem Vorteil nutzen. Wobei nicht nur die Fähigkeiten der Darsteller beziehungsweise ihrer Stuntdoubles zur Geltung kommen, sondern auch Jewsons Gespür für ein abwechslungsreiches „Staging“ der Kämpfe: So gibt es neben den Scharmützeln in der durchtechnisierten Villa mit ihren Überwachungskameras, ihren kühl-modernistischen Raumfluchten und automatisierten Schutztüren auch ein Gefecht in der Enge eines Autos und eine schöne Unterwassersequenz, in der ein Fischschwarm und ein Haken Sam gute Dienste leisten. Eingebettet in einen Suspense-Plot, der mit der Intrige um Zoe einen relativ schlichten, aber effektiven Aufhänger hat, liefern Jewson und ihr Team somit gediegene Genre-Kost – und eine schöne Bühne für die Amazonen-Qualitäten von Noomi Rapace.

Kommentar verfassen

Kommentieren