Godzilla 2 - King of the Monsters

Action | USA 2019 | 132 Minuten

Regie: Michael Dougherty

Fünf Jahre nach dem ersten Angriff der Urzeitechse Godzilla arbeiten eine US-Wissenschaftlerin und ihr Team erfolgreich an einer Möglichkeit, mit den Monstern zu kommunizieren. Doch dann bemächtigen sich terroristische Kräfte ihrer und ihrer Erfindung, was den Ex-Mann der Paleo-Biologin auf den Plan ruft, der seine Familie und zusammen mit dem Militär auch die Menschheit retten will. Zweiter Teil der bild- und zerstörungsgewaltigen Neuverfilmung der Fantasy-Saga, in dem die Monster-Kämpfe in zeitgenössische Öko-Debatten eingefügt und angesichts der zerstörerischen Folgen der Zivilisation radikale Gegenmaßnahmen diskutiert werden. Der konventionelle Plot um die Rettung einer Kleinfamilie unterminiert allerdings die interessante Fusion von Hollywood-Action und japanischer Anime-Radikalität. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
GODZILLA II: KING OF THE MONSTERS | GODZILLA: KING OF THE MONSTERS
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Michael Dougherty
Buch
Michael Dougherty · Zach Shields
Kamera
Lawrence Sher
Musik
Bear McCreary
Schnitt
Roger Barton · Bob Ducsay · Richard Pearson
Darsteller
Vera Farmiga (Dr. Emma Russell) · Charles Dance (Jonah Alan) · Sally Hawkins (Dr. Vivienne Graham) · Millie Bobby Brown (Madison Russell) · Bradley Whitford (Dr. Stanton)
Länge
132 Minuten
Kinostart
30.05.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Action | Fantasy | Horror | Katastrophenfilm

Heimkino

Die Editionen enthalten eine Audiodeskription für Sehbehinderte. Die Standardausgabe (DVD) enthält keine erwähnenswerten Extras. Die umfangreicheren BD-Editionen enthalten indes u.a. einen brillanten Audiokommentar von Michael Dougherty (Regisseur), Zach Shields (Produzent) und O'Shea Jackson jr. (Darsteller), ein Feature mit vier so im Film nicht verwendeten Szenen (5 Min.), eine Charaterisierung der vier Hauptmonster (6 Min.) und deren Weiterentwicklung für den Film (27 Min.) sowie ein 33-minütiges Dokufeature über die verschiedenen Sets des Films ("MONARCH in Aktion"). Die BD-Editionen sind mit dem Silberling 2019 ausgezeichnet.

Verleih DVD
Warner (16:9, 2.35:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Warner (16:9, 2.35:1, dolby_ATMOS engl./dt.)
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Fortsetzung der US-Neuverfilmung des Urechsen-Stoffes von Ishirō Honda, die den Kampf der Monster in aktuelle Öko-Debatten einbindet und radikale Gedanken anklingen lässt.

Diskussion

Fünf Jahre ist es her, dass der Paleo-Biologin Emma Russell und ihrem Mann Mark mitsamt der ganzen Menschheit der Glauben genommen wurde, die Krönung der Schöpfung zu sein. Denn seitdem die Riesenechse Godzilla aus dem Tiefschlaf gerissen wurde, Teile der Zivilisation zerstört hat und den Russells ihren Sohn nahm, ist die Welt nachhaltig verunsichert – und die Russells sind unheilbar zerstritten.

Godzilla ist wieder verschwunden, doch dafür sind andere Urzeit-Ungeheuer aufgetaucht und stehen unter der Beobachtung von Emma und ihrem „Monarch“-Team. Obwohl ihre Familie zerbrochen ist und Emma nur an ihrer zum selbstbewussten Teenager herangereiften Tochter Madison emotionalen Halt findet, ist es gerade ihre Forschung, die sie vor der Verzweiflung bewahrt. Mit ihrem „ORCA“-Projekt will sie die Monster verstehen lernen und vielleicht ihre Beweggründe begreifen, die jenseits purer Destruktion liegen.

Ein Organ für Riesenechsen

Emmas „Synchronisator“ von tierischen und menschlichen Emotionen ist nahezu vollendet und an der Riesenraupe Mothra schon erfolgreich getestet worden. Doch dann ereignet sich ein Terroranschlag, der Emma und Madison mitsamt Synchronisator in die Hand von vermeintlich Wahnsinnigen fallen lässt.

Das ruft nicht nur Emmas (Ex-)Mann Mark auf den Plan, der den Forschungswahn seiner Frau zwar missbilligt, aber zumindest seine Tochter retten will. Zudem taucht auch Godzilla wieder auf, die von „Monarch“ und „ORCA“ erneut aufgeschreckt wurde und eine ganz eigene Mission verfolgt.

Fünf Jahre, nachdem sich das US-amerikanische Remake des japanischen Monsterklassikers Godzilla (1954) nur auf die titelgebende Urzeitechse und deren Zerstörungswut konzentrierte, rücken mit der (später geschlüpften) Motte Mothra und dem Flugsaurier Rodan zwei andere Ungetüme des Toho-Universums ins Zentrum der Betrachtung. Während das Drehbuch des ersten „Godzilla“-Remakes von Max Borenstein insbesondere auf der Ebene der menschlichen Charaktere eher schlicht blieb, bietet der von Regisseur Michael Dougherty und Zach Shields konzipierte Nachfolger nicht nur quantitativ ein deutliches „Mehr“.

Radikale Fragen & Gedanken

Die Motive von Menschen und Monster tragen diesmal geradezu revolutionäre Züge und wirbeln die herkömmlichen „Gut-Böse“-Schemata der eingeschliffenen Hollywood-Genredramaturgie tüchtig durcheinander. Ein Terrorist mit löblichen Absichten? Eine Forscherin und Mutter mit wahrhaft monströsen Ansichten? Wissenschaft mit Hang zur Selbstzerstörung? Militär mit vernunftbegabten Führern? Monster als Instrumente einer hygienischen Selbstreinigung der Natur? Und ein „König“, der gegen einen außerirdischen Predator kämpfen muss, um die Ordnung der Dinge wiederherzustellen?

Das ist harter Tobak und ein ungewöhnliches Reflexionsniveau für einen Film, der von den Zuschauern eher wegen atemberaubender Kreaturen geliebt wird, die auf möglichst spektakuläre Weise die Schluchten entlang der Skylines als Prügelarena benutzen. Allerdings glänzte schon Ishirō Hondas „Godzilla“ in den 1950er-Jahren durch seine implizite Verarbeitung psychologischer und politischer Traumata der vom Hiroshima-Schock und dem verlorenen Krieg längst nicht genesenen japanischen Gesellschaft. Warum sollte also nicht auch Hollywood einen Monsterfilm produzieren, der mehr als Oberfläche zu bieten hat und es wagt, radikale Thesen zu formulieren?

Etwa die, dass Menschen das Virus sind, das die Erde mit todbringenden Giften bedroht und unweigerlich zerstört? Die archaischen Monster wären dann von der Natur entsandte Titanen, die das globale Gleichgewicht wiederherstellen – auf Kosten eines beträchtlichen Teils der Menschheit. Die Absicht dieser Kreaturen gelte es zu unterstützen – und sei es mit terroristischen Mitteln.

Godzilla versus Ghidorah

Einen solchen Aufruf zum Ökoterrorismus kennt man sonst nur aus Manga und japanischen Animationsfilmen. Soll wirklich ein Teil der Menschheit untergehen, damit das Gesamtsystem überleben kann? Soll man als „Fridays for Future“-Sympathisant das goutieren und mit jenen kokettieren, die das große Ganze im Blick haben? Oder bibbert man eher mit Vater Mark, der auch in diesem Film für jenen eher lahm dramatisierten Plot steht, der sich um die Rettung von Ex-Frau und Tochter dreht, damit wenigstens der „Nukleus“ des Wohlbefindens – die Kleinfamilie – unversehrt bleibt?

Auf Seiten der Titanen geht es neben den Scharmützeln, die Godzilla anfangs mit dem Militär auszutragen hat, um weit Existentielleres. Denn mit dem zu Eis gefrorenen dreiköpfigen Drachen Ghidorah, der von Wissenschaftlern reaktiviert wurde, ist ein Wesen aus dem All auf der Erde am Start, das die gesamte Menschheit vernichten will.

Für genügend Diskussionsstoff dürfte bei „Godzilla 2 – King of the Monsters“ gesorgt sein, auch wenn die Erzählzeit auch im „zweiten“ Teil nicht ausreicht, um die Zukunft der Menschheit final durchzuspielen. Man muss allerdings schon bis nach dem Abspann ausharren, um den Hinweis auf „Teil 3“ nicht zu verpassen.

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