Das Institut - Oase des Scheiterns

Komödie | Deutschand 2017-2019 | 212 (Staffel 1, acht Folgen) Minuten

Regie: Lutz Heineking

Eine deutsche Comedy-Serie um die Mitarbeiter eines Kulturinstituts, die den „Eingeborenen“ des fiktiven Landes Kisbekistan deutsche Sprache und Kultur nahebringen sollen und dabei von einem Fettnäpfchen ins nächste treten und, da die Kisbeken kein allzu großes Interesse für die Arbeit der Einrichtung an den Tag legen, vor allem im eigenen deutschen Saft schmoren. Dabei setzt die Sitcom arg eindimensional auf grobschlächtige Klischees, sowohl was die Darstellung des islamischen Gastlandes als auch die der deutschen Institutsmitarbeiter angeht. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschand
Produktionsjahr
2017-2019
Regie
Lutz Heineking · Markus Sehr
Buch
Robert Löhr
Kamera
Philipp Kirsamer · Philipp Pfeiffer
Musik
Nikolaus Graf
Schnitt
Ole Heller · Benjamin Ikes
Darsteller
Christina Grosse (Dr. Anneliese Eckart) · Swetlana Schönfeld (Margarete Hoffmann) · Rainer Reiners (Johann Gmeiner) · Robert Stadlober (Titus Lohse) · Nadja Bobyleva (Jördis Otto)
Länge
212 (Staffel 1, acht Folgen) Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Komödie | Serie

Heimkino

Verleih DVD
EuroVideo
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Diskussion

Eine deutsche Comedy-Serie um die Mitarbeiter eines Kulturinstituts, die den "Eingeborenen" des fiktiven Landes Kisbekistan deutsche Sprache & Kultur nahebringen sollen und dabei von einem Fettnäpfchen ins nächste treten.

Beim Barte des Propheten! Welchem von der Sonne Kisbekistans verbrannten Gehirn ist nur die Schnapsidee entsprungen, ein solches Kasperletheater auf das nichtsahnende Publikum loszulassen, und welche gläubigen Ungläubigen ehren das Machwerk dazu noch mit einem „Deutschen Comedypreis“ (2018, für die „Beste Innovation“)?!

„Das Institut“ ist eine ursprünglich vom Bayerischen Rundfunk verantwortete, 2017 gestartete Sitcom von Robert Löhr, die dieser Tage die Ausstrahlung ihrer zweiten Staffel erlebt (bei MagentaTV). Ihre Grundidee wäre so übel nicht für ein Comedy- beziehungsweise Satireformat: Irgendwo im islamisch geprägten Zentralasien denke man sich das (fiktive) Land Kisbekistan, in vielerlei Hinsicht Afghanistan benachbart und verwandt, mit seiner Hauptstadt Kallalabad. Dort unterhält Deutschland (noch!) einen kulturpolitischen Außenposten, eben „Das Institut“ (Goethe und so …), mit einer Handvoll fragwürdig qualifizierter Mitarbeiter. Da ist zum Beispiel die zimtzickige Leiterin Dr. Eckart (Christina Große), die stets lieber in Videokonferenzen „mit München“ steckt, als ihre Schäfchen zusammenzuhalten und zu motivieren, oder der verdruckst schwul gegebene Theatermann Titus Lohse (Robert Stadlober) – eigentlich noch einer der interessanteren Charaktere, zu dem der Serie leider nicht viel mehr einfällt als die üblichen affektierten Klischees. Stadlober hat sich hier sichtlich keinen Gefallen getan.

"Einmal Mauerschützin, immer Mauerschützin!"

Allen Angestellten gemeinsam ist, dass sie in Selbstmitleid schwer mit ihrem Schicksal in der Verbannung hadern, während sie doch voller Enthusiasmus deutsche Werte und Kultur unter das Volk der Kisbeken bringen sollten; diese jedoch bleiben dem „Institut“ aus vielfältigen (aber je länger je besser nachvollziehbaren) Gründen fern. Und so schmoren die Mitarbeiter in ihrem eigenen deutschen Saft und treiben dabei allerhand kindische Allotria, die meistens so wenig komisch, ironisch oder auch nur satirisch sind, dass man sich beim Zuschauen eher fremdschämt als amüsiert: Lohse zum Beispiel versucht allen Ernstes, einem langbärtigen Mudschahed mit umgeschnallter Kalaschnikow den in Deutschland opportunen Umgang zwischen Männern und Frauen mithilfe von Kasperl und Seppl anschaulich zu machen; alle miteinander richten beim Blutspenden für humanitäre Zwecke ein solches Massaker an, dass ihnen danach eigentlich nie mehr ein klarer Gedanke kommen könnte.

Eigentlich müsste an dieser Stelle eine (ebenso zutiefst deutsche) Grundsatzdiskussion geführt werden: Was ist komisch? Was ein Klischee? Wie setzt man eine Pointe richtig? Können wir Deutsche wirklich lustig sein – und das auch und gerade im Ausland? Und schließlich, mit Tucholsky: Was darf Satire? Wie man weiß, lautet die Antwort: alles! Auf einige dieser Fragen versucht die Serie selbst eine kreative Antwort zu finden, springt dabei aber in der Regel zu kurz. Wenn sie etwa in einer Folge über den deutschen Humor Kalauer ihres eigenen Kalibers zum Besten gibt und damit bei den Kisbeken grandios scheitert – was ist damit bewiesen? Geschmäcker sind verschieden, doch eine Szene, in welcher die ostalgische Bibliothekarin mit Stasi-Vergangenheit Margarete Hoffmann (Swetlana Schönfeld) einen kisbekischen Eindringling hinterrücks „erschießt“ und dabei triumphierend ruft „Einmal Mauerschützin, immer Mauerschützin!“, ist einfach geschmacklos (auch wenn der „Tote“ sich später wieder erhebt, natürlich).

Hysterische „Pointen“ allerorten

Ebenso fragwürdig: Vizedirektor Gmeiner (Rainer Reiners) hat vergessen, dass der alte Instituts-Lkw ursprünglich von einer thüringischen Metzgerei stammt und an seinen Seiten immer noch gut sichtbar ein fröhliches Schwein prangt. Die „Eingeborenen“ umringen ihn und fordern ihn unter bedrohlichem Gejohle auf, zuerst dem Schwein Teufelshörner aufzusetzen und sodann es mit Dollarzeichen, Davidstern und – das darf nicht fehlen – dem Hakenkreuz zu verzieren. Gmeiner, ganz Deutscher, voll Verständnis für jegliche kulturelle Eigenheit, gehorcht, der Mob zieht befriedigt-amüsiert ab.

Hysterische „Pointen“ allerorten! Einheimische sind und bleiben fremd (die deutschen Darsteller steigen nie aus den Kulissen ihres abgewrackten Gebäudes) und werden „Ali“ oder „Falafel“ gerufen, und „wir“ kommen natürlich auch nicht besser weg, bewahre! Da gibt es doch so viele schöne Klischees, die man sich hier gegenseitig wollüstig an den Kopf werfen darf – jede der Rollen ist eigentlich ein Scherenschnitt eines nationalen deutschen Stereotyps. Aber ätsch: Der Deutsche kann doch Humor und Selbstironie! Es darf nach dem Besuch dieses „Instituts“ zumindest stark bezweifelt werden.

Dass die Macher in Staffel 2 mit Genreerweiterungen experimentieren und mit den ästhetischen Mitteln der „Augsburger Puppenkiste“ einen veritablen Exorzismus nachzustellen versuchen, macht die Misere durchaus nicht besser. Der angerappte Titelsong gibt doch schon zu Beginn preis, was einen hier erwartet: „die Oase des Scheiterns“ – oder sollte es nicht, treffender noch für den Tatort, sogar heißen: „die Oase des Schaitans“?

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