The Wolf's Call - Entscheidung in der Tiefe

Thriller | Frankreich 2019 | 112 Minuten

Regie: Antonin Baudry

Der junge Sonar-Akustiker eines französischen U-Bootes trifft bei einem Militäreinsatz vor der syrischen Küste eine vermeintliche Fehlentscheidung und wird vom Dienst suspendiert. In diesem Moment feuern die Russen scheinbar eine Atom-Rakete auf Frankreich ab. Zwar erkennt der junge Mann aufgrund seiner Hör-Fähigkeiten, dass die Rakete ungefährlich ist, doch ist ein anderes französisches U-Boot bereits auf dem Weg zum Gegenschlag. Fantastisches U-Boot-Abenteuer, das keine Kriegsrealität abbilden will, sondern den Hintergrund eines provozierten Atomschlags zur Spannungserzeugung nutzt. Die Idee, unter Wasser nur über Geräusche ein Gesamtbild einer Gefahrensituation zu erstellen, ist hingegen schlüssig und packend entwickelt. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
LE CHANT DU LOUP
Produktionsland
Frankreich
Produktionsjahr
2019
Regie
Antonin Baudry
Buch
Antonin Baudry
Kamera
Pierre Cottereau
Musik
tomandandy
Schnitt
Nassim Gordji · Tehrani · Saar Klein
Darsteller
François Civil (Chanteraide) · Omar Sy (D'Orsi) · Mathieu Kassovitz (Alfost) · Reda Kateb (Grandchamp) · Paula Beer (Diane)
Länge
112 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Thriller

Heimkino

Das Bonus-Material besteht aus einem 45-minütigen Featurette namens „Immersion“, aus einem zehnminütigen Making-of, aus einem zwölfminütigen Interview mit den Schauspielern Mathieu Kassovitz und Omar Sy sowie zwei Trailern.

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Diskussion

Wenn man bei der Fortbewegung nichts sieht, sollte man gut hören können. Das gilt besonders für U-Boote der Marine, wenn sie sich bei Auslandseinsätzen in Gefahr begeben, also entweder von einem anderen U-Boot verfolgt oder von oben durch Hubschrauber oder Zerstörer bedroht werden. Chanteraide (François Civil) ist Sonar-Akustiker an Bord eines französischen U-Boots. Er hat ein ungemein präzises Gehör, unter Wasser entgeht ihm nichts. Egal ob Walgeheul, Frachtermotor oder die Anzahl der Schraubenblätter von feindlichen U-Booten – der junge, verschlossene Mann liegt stets richtig und ist somit unentbehrlich für die Entscheidungen seiner Vorgesetzten.

Doch diesmal, bei einem Einsatz vor der Küste Syriens, ist er verwirrt. Was er hört, ergibt keinen Sinn. Eigentlich klingt der Verfolger nach einem U-Boot mit vierblättriger Schraube. Doch dieses russische Modell ist schon lange ausrangiert und wird darum nicht mehr in den aktuellen Sonar-Listen, die alle Frequenzen archivieren, geführt. Durch seine Unentschiedenheit bringt Chanteraide die Boots-Crew in Gefahr und wird, trotz glimpflichen Ausgangs, vom Dienst suspendiert. Ausgerechnet jetzt feuern die Russen, so scheint es zumindest, eine Atom-Rakete auf Frankreich ab. Doch Chanteraide, der sich unbefugt in den Kommando-Bunker der Marine geschlichen hat, erkennt beim Abhören der Unterwasserstart-Geräusche die Finte – die Atomrakete ist zu leicht und darum unbestückt. Doch ein anderes französisches U-Boot befindet sich bereits auf dem Weg zum Gegenschlag…

Der Film ist immer dann am besten, wenn er sich auf die Arbeit des Sonar-Akustikers konzentriert


Regisseur und Drehbuchautor Antonin Baudry mutet dem Zuschauer bezüglich Glaubwürdigkeit und Fantastik seiner Geschichte einiges zu. Schon der Beginn des Films, bei dem französische Soldaten nach geglückter Mission in Syrien von dem U-Boot gerettet werden sollen, bewegt sich außerhalb der politischen Situation um Bürgerkrieg, Flüchtlinge oder Beteiligung der Großmächte. Auch das Szenario eines provozierten Atomkriegs, bei dem sich einmal initiierte Protokolle zum Gegenschlag nicht mehr ändern lassen, bildet keine aktuelle Realität ab, sondern dient nur der Spannungserzeugung: Die Zeit wird immer knapper, um die drohende Katastrophe zu verhindern.

„The Wolf’s Call“ ist immer dann am besten, wenn er sich auf sein eigentliches Thema konzentriert: die Arbeit des Sonar-Akustikers in tiefem Gewässer. Chanteraide verlässt sich nur auf seinen Gehörsinn, um ein Gesamtbild einer Situation zu erstellen. Er ist der Fachmann, niemand kann ihm helfen, jeder erwartet klare Aussagen von ihm. Eine ungewöhnliche, nicht alltägliche Situation, deren Zwickmühle sich dem Zuschauer unmittelbar und beklemmend mitteilt: Ein falsche Antwort ist schlicht keine Option; doch angesichts des großen Drucks der Vorgesetzten die Nerven zu behalten und sich nicht irritieren zu lassen, ist ein wahrer Drahtseilakt.

Baudry macht sich gar nicht erst die Mühe, seine Figuren näher zu charakterisieren – sie sind schlicht durch ihre Funktion und ihr Können definiert. Nicht einmal Chanteraide gewinnt Profil, weil seine verschroben wirkende Introvertiertheit und sein beruflicher Ehrgeiz nicht näher begründet werden. Immerhin gesteht ihm Baudry eine Liebesgeschichte zu, die allerdings in diesem von Männern bestimmten Milieu seltsam deplatziert wirkt. Wenn sich Diane (Paula Beer) von hinten an Chanteraide anschleicht, hat er sie schon längst gehört – das ist immerhin eine nette Unterstreichung seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten. Was bleibt, ist die spannende Jagd zweier U-Boote, die sich nicht sehen, aber hören, die miteinander kommunizieren können, es aber nicht dürfen, die aufeinander schießen, aber nicht treffen. Unter Wasser gibt es keine Gewissheiten mehr.

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