Psycho-Pass: Sinners of the System

Action | Japan 2019 | 188 (auch drei Teile) Minuten

Regie: Naoyoshi Shiotani

In einer totalüberwachten Zukunft werden potenzielle Gewalttäter durch die Kontrolle ihres Seelenzustands erkannt und eingesperrt oder ohne Umschweife von Spezialeinheiten getötet. Mehrere Beteiligte an dem System beginnen jedoch unabhängig voneinander, die Entscheidungen des zuständigen Amtes zu hinterfragen. Dreigeteilte Kinofortsetzung einer Anime-Fernsehserie, die mit einer bewussten gröberen Animationsweise die Zerrissenheit ihrer Charaktere widerspiegelt. Der dystopische Krimi warnt eindrücklich vor den Gefahren einer durchtechnisierten Welt. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
PSYCHO-PASS: SINNERS OF THE SYSTEM
Produktionsland
Japan
Produktionsjahr
2019
Regie
Naoyoshi Shiotani
Buch
Ryō Yoshigami · Makoto Fukami
Kamera
Eiji Arai
Musik
Yūgo Kanno
Länge
188 (auch drei Teile) Minuten
Kinostart
31.03.2020
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Action | Animation | Science-Fiction

Dystopischer Anime-Science-Fiction-Krimi über eine durchtechnisierte Zukunftswelt, in der mehrere Personen gegen die vorbeugende Verbrechensbekämpfung des Systems aufbegehren.

Diskussion

Die Welt in einer nahen, gar nicht so unvorstellbaren Zukunft. Eigentlich geht es den Menschen in dieser technologisch überwachten Zivilisation ganz gut, denn das Unrecht scheint global unter Kontrolle. Nicht nur in Japan wird der Seelenzustand bei jedem individuell gemessen und in einem virtuellen Psycho-Pass festgehalten. Je nach Farbeintrübung gilt ein Träger als potenziell gewalttätig und kann bestraft und im Zweifel von Spezialeinheiten des Amtes für öffentliche Sicherheit (AÖS) sogar ohne Prozess liquidiert werden.

In dieser durchstrukturierten Welt des Jahres 2117 arbeiten Mika Shimotsuki und ihr Kollege Nobuchika Ginoza. Es kommt nicht häufig vor, dass ein so seltsamer Fall wie der von Isomi Yasaka sie zum Einsatz zwingt. Die Frau wird nach einer berserkerhaften Irrfahrt aufgegriffen und auf Befehl von ganz oben nicht interniert oder liquidiert, sondern zurück zu „Sanctuary“ eskortiert. Dort fungiert sie als psychologische Beraterin in der Isolationsanstalt für latente Verbrecher, in der die Insassen, denen eine kriminelle Zukunft prognostiziert wurde, mit Arbeit diszipliniert werden sollen. Menschen, wie Nobuchika Ginoza früher auch einer war; er hat es auf die andere Seite geschafft und steht nun als AÖS-Vollstrecker i seiner ehrgeizigen Kollegin bei, die nicht glaubt, dass es in „Sanctuary“ mit moralisch rechten Dingen zugeht.

Rebellen gegen den Staat

„Sinners of the System“, so der Originaltitel, ist ein Ableger der „Psycho Pass“-Trickfilmserie, die von 2012 bis 2018 in drei Staffeln im japanischen Fernsehen lief und neben einer Manga-Reihe mit „Psycho-Pass – The Movie“ (2015) zudem ein zusammenfassendes Anime ins Kino brachte. Nun folgt mit „Psycho-Pass: Sinners oft he System“ ein weiteres Triptychon für die große Leinwand. Drei einstündige Filme, die sich mit jenen beschäftigen, die das System infrage stellen. Rebellen wie Mika und Nobuchika, die im ersten Teil „Schuld und Sühne“ die unerhörten Machenschaften einer semi-staatlichen Einrichtung aufdecken. Wo die Machthaber Leben nach „wert“ und „weniger wert“ unterteilen und mit letzteren „verschwenderisch“ umgehen, bedarf es Menschen, die gegen die Macht aufbegehren: „Sinners of the System“.

Naoyoshi Shiotani, der „Psycho Pass“ seit den Anfängen als Regisseur begleitet, sieht sein Anime in der Tradition der Klassiker des Genres – formal wie inhaltlich. Mamoru Oshiis Patlabor revolutionierte Ende der 1980er-Jahre zu einer Zeit den dystopischen Science-Fiction-Krimi, in der CGI und 3D-Animation noch kein Thema im (japanischen) Animationsfilm waren. Shiotani orientiert sich in seinem Animationsstil bewusst an dieser Zeit, in der der „gröbere Strich“ ein Element künstlerischen Ausdrucks und nicht handwerklicher Ungenauigkeit darstellte. Auch „Psycho-Pass: Sinners of the System“ offenbart die Seele seiner Charaktere nicht nur in ihrer inneren Zerrissenheit inmitten einer dekadenten Welt, sondern auch in einer holzschnittartigeren Animation. Zwar gelingt ihm das nicht so virtuos wie Oshii, und zudem fehlt ihm ein musikalisches Alter Ego (bei Oshii war es Kenji Kawai), der die Bilder in suggestive Klänge zu übersetzen verstände. Dennoch ist auch „Psycho-Pass“ ein eindrücklich mahnender audiovisueller Fingerzeig gegen alle Apologeten einer „schönen neuen“ durchtechnisierten Gesellschaft.

Jeder Teil mit neuen Zweiflern

Die drei Teile von „Sinners of the System“ hängen allenfalls lose miteinander zusammen, stellen sie doch jeweils andere Zweifler ins Zentrum der Handlung. Der zweite Teil „First Guardian“ spielt ein Jahr vor der Handlung von „Schuld und Sühne“, aber ebenfalls in Tokio. Hier leidet Teppei Sugo, ein Pilot der Nationalen Streitkräfte und ebenfalls ein AÖS-Vollstrecker, unter den Folgen seines Einsatzes während der „Operation Footstamp“, bei der er seinen Freund Itsuki Otomo im Kampf zurücklassen musste. Als der Totgeglaubte jedoch für terroristische Anschläge verantwortlich gemacht wird, ermittelt er auf eigene Faust und erfährt die groteske Wahrheit hinter „Operation Footstamp“.

Der dritte Teil „Jenseits von Liebe und Hass“ führt den Protagonisten und Ex-Vollstrecker Shinya Kogami als japanischen Söldner nach Tibet, wo er im Einsatz ein junges Mädchen unter seine Fittiche nimmt, dessen Eltern von Guerillakämpfern getötet wurden. Während die Friedensverhandlungen im Himalaya von ausländischen Kräften sabotiert werden sollen, will Kogami dem Mädchen Tenzing dennoch beibringen, dass blinde Rache der falsche Weg ist.

Machtmissbrauch im Kleinen wie auf staatlicher und geopolitischer Ebene stehen im Zentrum dieses eindrücklichen, auch unabhängig von Manga und Serie schlüssigen Dreiteilers. Nicht immer gewinnen hier die Richtigen, aber die Botschaft ist eindeutig. Jedem obliegt es, die Strukturen zu hinterfragen und das eigene Handeln nicht an simplen Schuldzuweisungen auszurichten. Denn im Zweifel gewänne dann am Ende niemand.

Der Film feiert im Rahmen der Kazé Anime Nights am 31.3.2020 Premiere - aufgrund der Coronakrise nicht im Kino, sondern als On-Demand-Angebot vom 31.3.-2.4. auf www.anime-on-demand.de für einen Ticketpreis zu 9.95 EUR inklusive 14 Tage Gratis-Zugang auf andere Filme/Serien der Plattform.

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