Science-Fiction | USA/Großbritannien 2020 | Minuten

Regie: Alex Garland

Eine junge Frau und ihr Freund arbeiten beide für einen großen Technologie-Konzern. Als der Mann in eine ominöse Entwicklungsabteilung versetzt wird und kurz darauf unter mysteriösen Umständen spurlos verschwindet, will seine Freundin nicht an einen Selbstmord glauben. Bei ihren Nachforschungen stößt sie auf Forschungen an einem leistungsfähigen Quantencomputer, mit dem die Zukunft vorausberechnet werden soll. Die von einem soliden Thriller-Plot getragene Science-Fiction-Serie kreist um die Rolle des Individuums im Zeitalter des „informationellen Kapitalismus“, für den Daten die zentralen Rohstoffe sind. Dabei wird der Konflikt zwischen einem deterministischen Menschenbild und dem freien Willen aktualisiert. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
DEVS
Produktionsland
USA/Großbritannien
Produktionsjahr
2020
Regie
Alex Garland
Buch
Alex Garland
Kamera
Rob Hardy
Musik
Geoff Barrow · The Insects · Ben Salisbury
Schnitt
Jake Roberts
Darsteller
Sonoya Mizuno (Lily Chan) · Karl Glusman (Sergei Pavlov) · Nick Offerman (Forest) · Jin Ha (Jamie) · Cailee Spaeny (Lyndon)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Science-Fiction | Serie | Thriller

Eine junge Frau wird durch das Verschwinden ihres Partners auf die fragwürdigen Forschungen ihres Arbeitgebers, eines Technologie-Riesen, aufmerksam.

Diskussion

Lily und Sergej bilden ein echtes Erfolgsgespann. Recht bescheiden lebt das Pärchen im inzwischen hochtechnisierten San Francisco. Die blutjungen Superhirne arbeiten für dasselbe Unternehmen, den Technologie-Giganten Amaya – seine Ähnlichkeit mit Google ist vermutlich nicht zufällig gewählt. Amayas Zentrale liegt inmitten eines meditativen Nadelwaldes, am Fuße der gigantischen Statue eines kleinen Mädchens. Mit seinen aufgerissenen Augen verströmt es eine derart gespenstische Aura, als nehme es an einem Schüleraustausch mit dem Dorf der Verdammten teil – schon zu Beginn erscheint klar, dass hier noch ein Geheimnis schlummert.

Die burschikose Lily (Sonoya Mizuno) ist in der Verschlüsselung tätig und duelliert sich mit ihrer Kollegin gern darüber, wer von ihnen die vertracktesten Zahlenreihen bilden kann. Der russischstämmige Sergej (Karl Glusman) ist mehr ein Tüftler. Bei einer animierten Präsentation beeindruckt er den CEO von Amaya und dessen Kollegin (Alison Pill) mit einer DNA-Modulation dermaßen, dass sie Sergej in ihr sagenumwobenes „Devs“-Team versetzen.

Es geht um nichts weniger als die vollständige Voraussage der Zukunft

Die „Devs“-Abteilung (kurz für „Developers“) ist untergebracht in einem gläsernen Technologie-Tempel, anders lässt es sich kaum bezeichnen. Ein würfelartiges Gebilde, das in seiner Hermetik an vorchristliche Kultstätten aus einer Zeit erinnert, als man Göttern noch Menschenopfer brachte. Das Zentrum seines Inneren ist eine goldene Maschine mit unbeschreiblicher Rechenkraft. Für Sergej das schönste, was er jemals gesehen hat. Der meist klandestin in seinen Bart nuschelnde CEO heißt Forest, und so sieht er auch aus. Nick Offerman, aus der Comedy-Serie „Parks and Recreation“ bekannt, spielt ihn als hipsterigen Computerschrat im Geiste früher Internet-Pioniere. Kategorien wie Nation bedeuten ihm nichts. Bekannt ist von ihm, dass er seine Tochter verloren hat und immer noch darunter leidet.

Doch ansonsten gibt Forest Rätsel auf. Woran Devs genau arbeitet, darüber äußert er sich besonders kryptisch. Dabei geht es um nichts weniger als die vollständige Voraussage der Zukunft. Gegenüber der Senatorin, die ihn besucht und seinem monopolistischen Unternehmen mit gesetzgeberischem Ärger droht, spielt Forest das natürlich herunter.

Ein Hybrid aus Science-Fiction und Thriller

Da Sergej bald auf mysteriöse Weise verschwindet, kreist die von Alex Garland („Ex Machina“, „Auslöschung“) in Personalunion geschriebene und inszenierte Serie „Devs“ im Folgenden um Lilys Bemühungen, dieses Verschwinden aufzuklären. In ihr wachsen immer mehr Zweifel, ob Forest und sein misstrauischer Sicherheitschef Kenton (Zach Grenier) wirklich so hilfsbereit sind, wie sie sich nach außen geben. Die junge Frau kann derweil auf die Unterstützung ihres Ex-Freundes Jamie (Jin Ha) zählen, auch er selbstredend ein Programmierungsprofi und Spezialist für Cyber Security. Er ist zwar immer noch sauer, dass sie ihn einst sitzengelassen hat – doch die verzwickte Aufgabe scheint auch seinen Ehrgeiz zu wecken. Was hat es zu bedeuten, dass das von Sergej nicht sonderlich geschätzte Sudoku als App auf seinem Smartphone passwortgeschützt ist?

„Devs“, vom inzwischen zu Disney gehörenden FX produziert, lief in den USA auf Hulu und ist hierzulande über den deutschen Ableger von Fox bei Sky und Magenta TV verfügbar – ein Hybrid aus Science-Fiction und Thriller. Garland entwickelt die Handlung mit viel Gespür für Atmosphäre und Spannung. Sonoya Mizuno, schon in Garlands SciFi-Thrillern „Ex Machina“ und "Auslöschung" vor der Kamera, verkörpert Lily als ebenso scheue wie hartnäckige junge Frau, die bei Bedarf ungeahnte Verstellungskünste einsetzt. „Das Universum ist deterministisch“, sagt Forest zu Beginn einmal. Freien Willen gibt es nicht. Die Art und Weise, in der Devs diesen philosophischen Dauerbrenner der letzten Jahre umkreist, ist gleichermaßen faszinierend wie beunruhigend.

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