The Outpost - Überleben ist alles

Kriegsfilm | USA 2020 | 123 Minuten

Regie: Rod Lurie

Filmische Rekonstruktion der Schlacht von Kamdesh, bei der im Oktober 2009 mehrere Hundert Taliban den US-Außenposten Keating in Afghanistan angriffen. In mehreren Episoden macht der Film über einen Zeitraum von drei Jahren mit dem Schauplatz und einer Vielzahl von Protagonisten vertraut, ehe in der zweiten Hälfte das mehrtätige Gefecht dominiert. Ein packend und aufregend inszenierter Kriegsfilm, der den Horror und das Chaos körperlich spürbar macht. Allerdings lernt man die vielen Charaktere kaum kennen, weshalb eine Identifikation mit ihnen kaum möglich ist. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE OUTPOST
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Rod Lurie
Buch
Eric Johnson · Paul Tamasy
Kamera
Lorenzo Senatore
Musik
Larry Groupé
Schnitt
Michael J. Duthie
Darsteller
Scott Eastwood (Clint Romesha) · Caleb Landry Jones (Ty Carter) · Orlando Bloom (Benjamin Keating) · Jack Kesy (Josh Kirk) · Taylor John Smith (Andrew Bundermann)
Länge
123 Minuten
Kinostart
17.09.2020
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Kriegsfilm

Packender Kriegsfilm über die Schlacht von Kamdesh, bei der im Oktober 2009 mehrere Hundert Taliban den US-Außenposten Keating in Afghanistan angriffen.

Diskussion

Eine „wahre“ Geschichte. Regisseur Rod Lurie stellt in „The Outpost“ nach einem Buch von Jake Tapper die Schlacht von Kamdesh nach. Dort griffen im Oktober 2009 mehrere Hundert Taliban einen US-Combat-Außenposten namens Keating an, der in einem Tal des Hindukusch in Afghanistan unweit der Grenze zu Pakistan liegt. Diese Schlacht nimmt die gesamte zweite Hälfte des Films ein. Doch bevor es so weit ist, machen Lurie und seine Drehbuchautoren Paul Tamasy und Eric Johnson mit dem Schauplatz, den militärischen und strategischen Hintergründen sowie den wichtigsten Protagonisten vertraut.

„Willkommen auf der dunklen Seite des Mondes“, werden die neuen Soldaten empfangen, als sie drei Jahre zuvor in Kamdesh ankommen. „Es wird nicht besser“, steht an der Decke eines Schlafsaals geschrieben. Einige nennen den Außenposten auch General Custer, nach dem glücklosen Befehlshaber der Indianerkriege: „Keiner wird überleben.“ Kameramann Lorenzo Senatore zeigt gleich eingangs mit einer Kamerafahrt, wie unklug das Lager gelegen ist: in der Mitte eines tiefen, engen Tales, weshalb die Taliban nicht nur alles überblicken, sondern von oben herab auch gezielt schießen und angreifen können.

Der Ort, die Zeit und viele Soldaten

Die Erzählung wird episodisch aufgefächert, Untertitel benennen eilig jene Soldaten, die gerade im Bild zu sehen sind. Die zeitlich komprimierten Sequenzen sind mit den Namen der Kommandierenden überschrieben, die hier in den nächsten drei Jahren befehlen. Das ist zunächst Lieutenant Benjamin D. Keating, dargestellt von einem kaum zu erkennenden Orlando Bloom, der zunächst noch mit den Dorfältesten spricht, um die Taliban von Angriffen abzuhalten. Nach seinem tragischen Unfalltod befehligt sein Nachfolger Captain Robert Yllescas (Milo Gibson) den Außenposten. Von den vielen Gesichtern kristallisieren sich Staff Sergeant Clint Romesha (Scott Eastwood) und Specialist Ty Michael Carter (Caleb Landry Jones) heraus. Die Inszenierung zeigt ihren Alltag und die Langeweile sowie die Gefahr bei gelegentlichen Scharmützeln; einmal ist eine Abfolge von privaten Telefonaten nach Hause zu sehen. Ein wirkliches Profil gewinnen die Soldaten so aber nicht; eine Identifikation mit ihnen ist kaum möglich. Sie sind austauschbar.

Nach etwas einer Stunde wirft Lurie den Zuschauer mitten in die zweitägige Schlacht, ähnlich wie Stanley Kubrick in „Full Metal Jacket“ oder Steven Spielberg in „Der Soldat James Ryan“. In mehreren Wellen laufen Hunderte von Taliban gegen den Außenposten an; Scharfschützen schießen aus dem Hinterhalt, werfen Granaten und feuern Panzerfäuste ab. Dem Zuschauer fliegen die Kugeln förmlich um die Ohren; gebrüllte Befehle sind kaum zu verstehen, Dialoge überlappen sich. Für die US-Soldaten geht es vor allem darum, ein Munitionsdepot zu erreichen und verletzte oder vielleicht sogar getötete Kameraden zu retten oder zu bergen. Doch: „Dead bodys attract more dead bodys!“

Der Horror der Schlacht

Die Inszenierung verliert in diesem albtraumhaften Chaos nie den Überblick. Trotz der Überwältigungsstrategie mit lauter Action, eruptiver Gewalt, dem vielen Blut und dem plötzlichen Tod gelingt es der Regie, den Horror der Schlacht körperlich spürbar zu machen. In dieser Hölle kämpfen Menschen buchstäblich um ihr Leben.

Dass Soldaten aufgrund der Dummheit und der Sturheit von Politikern und Generälen sterben müssen, ist ein beständiges Thema des Kriegsfilms, von „Wege zum Ruhm“ bis „Hamburger Hill“. Zur Ironie von „The Outpost“ gehört deshalb, dass die Irrtümer der militärischen Befehlshaber das Heldentum der Soldaten erst bedingen. Am Ende wurden die Überlebenden – das zeigen im Abspann Bilder der authentischen Soldaten – mit Ehrenmedaillen ausgezeichnet.

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