Liebesfilm | USA 2018 | 82 Minuten

Regie: D.C. Hamilton

Ein Taxifahrer holt ein ums andere Mal eine geheimnisvolle Frau auf einer verlassenen Landstraße ab, ohne an ein Ziel zu gelangen. In einem Mix aus Film Noir, psychologischem Thriller und mythologischen Anleihen entspinnt sich ein mysteriöses Kammerspiel, bei dem die Hinweise auf die Lösung etwas zu offensichtlich versteckt sind. Die Reverenzen an die filmischen Vorbilder sind jedoch wohlwollend und liebenswürdig. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE FARE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
D.C. Hamilton
Buch
Brinna Kelly
Kamera
Josh Harrison
Musik
Torin Borrowdale
Schnitt
D.C. Hamilton
Darsteller
Gino Anthony Pesi (Harris) · Brinna Kelly (Penny) · Jason Stuart (Der Zuteiler) · Jon Jacobs (Der Gebrechliche) · Matt Fontana (Dewey)
Länge
82 Minuten
Kinostart
27.08.2020
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Liebesfilm | Thriller

Mystery-Kammerspiel um einen Taxifahrer und eine geheimnisvolle Frau, die sich auf einer verlassenen Landstraße ein ums andere Mal begegnen.

Diskussion

Eine verlassene Landstraße bei Nacht. Ein gelbes Taxi stoppt und wartet. Schnitt ins Innere, nun in Schwarz-weiß. Der Taxifahrer versucht sich mit Radiosendungen über Zeitreisen und Beziehungsprobleme wachzuhalten. Hier im Nirgendwo soll er einen Fahrgast abholen. Die Zentrale funkt kurz durch, um zu hören, ob es ihm gut geht. Wie aus der Zeit gefallen wirkt diese Szene; sie könnte auch aus einem Film noir sein. Tatsächlich steigt bald darauf eine geheimnisvolle Frau ein. Sie stellt sich als Penny vor – „ja, wie die Münze,“ sagt sie und lächelt. Die Blicke der beiden treffen sich im Rückspiegel. Nun lächeln beide.

Der Anfang von „The Fare“ beschwört mit einfachen Mitteln die Atmosphäre alter Hollywoodfilme herauf – und lenkt sowohl den Taxifahrer Harris als auch das Publikum auf eine falsche Fährte. Die vermeintliche femme fatale, so stellt sich bald heraus, saß schon öfters hier bei ihm im Taxi. Harris braucht mehrere Fahrten, um sich langsam zu erinnern, dass er Penny schon kennt, und um zu verstehen, dass er mit ihr in einer Zeitschleife festsitzt.

Alles wieder auf Anfang

Mit seiner Erinnerung kehrt auch die Farbe zurück in diese auf den Innenraum des Taxis beschränkte Welt. Während der Fahrt braut sich dann jedes Mal draußen ein Unwetter zusammen, und als der erste Donnerschlag ertönt, ist Penny plötzlich wie vom Erdboden verschluckt – mitten im Satz, mitten im Versuch, herauszufinden, was hier los ist und mitten drin, sich gerade in Harris zu verlieben.

Harris ruft zu Beginn dieser mysteriösen Ereignisse immer noch in der Zentrale an und wird zurück in die Stadt beordert; er solle jedoch nicht vergessen, das Taxameter wieder auf Null zu stellen. Der nächste Mitfahrer müsse schließlich auch sein Fahrgeld bezahlen. Doch sobald er den Schalter umgelegt hat, wird er zu jenem Punkt auf der verlassenen Landstraße zurückkatapultiert, an dem Penny zuvor schon zugestiegen ist. Alles wieder auf Anfang.

Aus dem Film noir ist so plötzlich ein Mystery-Kammerspiel geworden, an dem sowohl die Insassen des Taxis als auch das Publikum mitknobeln sollen. Könnte sie eine übernatürliche Macht in diese Situation gebracht haben? Und wie könnten sie diese überlisten, um aus der Zeitschleife zu entkommen?

In seinem sehr überschaubaren Setting erinnert der Film an alte Science-Fiction-Serien wie „Twilight Zone“, die ihre schlichte Inszenierung mit klugen Plot-Twists ausglichen. Ähnlich legt auch „The Fare“ immer weiter neue Fährten aus, die auf der Suche nach einer Lösung helfen sollen und stets tiefer in die Vergangenheit von Penny und Harris führen.

Bis der Groschen fällt

Die Hinweise sind dabei ein bisschen zu offensichtlich versteckt. Für einen Film, dessen Titel auf das Taxigeld anspielt, stellt Harris schlicht zu oft fest, dass der Name seines Fahrgastes auch ein Geldstück meinen kann; zu diabolisch klingt die Stimme aus der Zentrale, und auch die filmischen Vorbilder liegen offen zu Tage. Die Verknüpfung von Harris‘ Erinnerungsvermögen an die Farbgebung des Films ist ein klarer Wink Richtung „Memento“ von Christopher Nolan, der ein ähnliches Verfahren anwendete, um Erinnerung und Vergessen zu markieren. Wo Nolan allerdings auch auf formaler Ebene auf eine Puzzlestruktur setzte, um den Erinnerungsverlust für das Publikum nachzuahmen, arbeitet „The Fare“ mit schlichten Rückblenden, die den geradlinigen Plot inklusive Twist nicht ausreichend verschleiern. Der Farbwechsel verkommt dabei zu einem ästhetischen Taschenspielertrick.

Bei Harris fällt dann sogar wortwörtlich der Groschen, denn zu Beginn einer jeden neuen Zeitschleife scheint er eine Münze zu verlieren, die ihm einer seiner vorherigen Fahrgäste als Obolus zugeworfen hat. Als er endlich merkt, dass dies kein Zufall sein kann, ist längst klar, was hier vor sich geht. Das ist ein wenig betrüblich, denn es wäre alles da, was einen gelungenen Mystery-Thriller auch im Kammerspielformat ausmacht, und die Reverenzen an Genres und Vorbilder sind wohlwollend und herzlich. Doch die Elemente greifen ein wenig zu glatt ineinander, weshalb sich die gewünschte Spannung nicht so recht einstellen will.

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