Jingle-Jangle Journey: Abenteuerliche Weihnachten!

Familienfilm | USA 2020 | 122 Minuten

Regie: David E. Talbert

Ein ehemals erfolgreicher, vom Leben aber enttäuschter Erfinder muss bis zum Weihnachtstag ein neues Spielzeug ersinnen, um sein Geschäft vom Ruin zu retten. Als er zu resignieren droht, kommt ihm seine gewitzte Enkelin zu Hilfe, die ihm Mut macht und dafür sorgt, dass ihm Gerechtigkeit widerfährt. Inhaltlich orientiert sich der Weihnachtsfilm an den bekannten Erzählmustern des Genres, gewinnt aber durch eine grandiose Ausstattung und stimmig inszenierte Musicalszenen und überzeugt insbesondere durch seine fast durchgängig afroamerikanische Besetzung. - Ab 6.

Filmdaten

Originaltitel
JINGLE JANGLE: A CHRISTMAS JOURNEY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
David E. Talbert
Buch
David E. Talbert
Kamera
Remi Adefarasin
Musik
John Debney
Schnitt
Michael Tronick
Darsteller
Madalen Mills (Journey) · Forest Whitaker (Jeronicus Jangle) · Keegan-Michael Key (Gustafson) · Phylicia Rashad (Großmutter Journey) · Hugh Bonneville (Mr. Delacroix)
Länge
122 Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 6.
Genre
Familienfilm | Komödie

Ein Weihnachts-Musical über einen verbitterten, vom Leben enttäuschten Erfinder, dem seine gewitzte Enkeltochter zum Fest neuen Mut und Energie beschert.

Diskussion

Nach dem etwas holprigen Prolog, ersten Aufnahmen einer sehr künstlich wirkenden idyllischen Kleinstadt und einem allzu lieblichen Geplänkel folgt ein Paukenschlag. Keine schmalzige Musical-Nummer, wie man sie aus einem Weihnachtsfilm erwartet. Sondern eine Song-and-Dance-Szene mit markanten Beats, Rhythmus, ausgelassener Choreografie in Innen- und Außenräumen und Sängern mit starken Stimmen. Wird die Weihnachtsgeschichte mit Forest Whitaker in der Rolle eines alten Erfinders, der kurz vor dem Ruin steht, vielleicht doch noch ganz anders als üblich in diesem Genre?

Ein kleines Mädchen mischt den Laden auf

In einem beschaulich-fiktiven Kleinstädtchen, das durchs viktorianische Ambiente nostalgisch aufgehübscht wird und irgendwo zwischen Dickens-Märchen und Steampunk changiert, lebt der Erfinder Jeronicus Jangle und betreibt einen großen Kuriositätenladen voller kunterbuntem mechanischem Spielzeug.

Eines Tages aber wendet sich eine seiner Erfindungen gegen ihn: Eine kleine Puppe, durch einen besonders genialischen Kniff zum Leben erwacht, ist höchst erbost, als sie mitbekommt, dass ihr Schöpfer sie in Serie produzieren und ihr so ihre Einmaligkeit nehmen will. Sie hetzt den Assistenten Gustafson gegen seinen Chef auf, der seinerseits endlich zeigen will, was in ihm steckt. Das sorgt dafür, dass aus dem begnadeten Erfinder im Laufe der Jahre ein gebrochener Mann wird.

Während Gustafson sich nach und nach alle Ideen seines einstigen Mentors zu eigen macht und damit zum renommierten Spielzeughersteller wird, verliert Jeronicus alles, was er hat. Aus seinem Geschäft wird ein Pfandhaus – und das soll bald verkauft werden, sollte Jeronicus nicht bis zum Weihnachtsabend eine bemerkenswerte neue Erfindung vorweisen können. Just in dieser misslichen Lage steht dann plötzlich Jeronicus’ Enkelin Journey vor seiner Tür, die ein paar Tage bei ihm wohnen soll. Das neugierige Mädchen glaubt an seinen Großvater und macht einige aufregende Entdeckungen.

Der Augen- und Ohrenschmaus dominiert

„Jingle Jangle Journey“ hangelt sich brav an den Genrekonventionen des Weihnachtsfilms entlang, vom Setting über die Frist bis zum Weihnachtstag, vom (sanftem) Familienzwist bis hin zur Wiederentdeckung der rettenden Magie, die Flügel verleiht und den Bogen zu Mary Poppins spannt. Das alles ist überaus nett anzusehen und grundsympathisch, vor allem aufgrund des detaillierten Szenen- und Kostümbilds, das die Geschichte mit Leben füllt und ihr einen besonderen Look verleiht.

Dass die Magie nicht immer zündet, liegt vor allem am Timing. Der für Netflix produzierte Film ist einfach zu lang, kommt nicht auf den Punkt und entwickelt kaum richtige Spannungsmomente. So bietet „Jingle Jangle Journey“ mehr für die Augen und Ohren, als dass er zu erzählen weiß, etwa durch eingestreute kurze Animationssequenzen, die die Brücke zwischen einer Rahmenhandlung und der Binnenhandlung markieren. Hingegen zählen die Musicalszenen mit ihren Gospel- und R’n’B-Einflüssen oder den Songs des ghanaischen Sängers und Produzenten Bisa Kdei zu den großen Highlights und verweisen darauf, dass der Regisseur David E. Talbert tatsächlich erst ein Broadway-Musical im Sinn hatte.

Zudem erwähnenswert: „Jingle Jangle Journey“ ist ein „schwarzer“ Weihnachtsfilm, fast ausschließlich mit afroamerikanischen Schauspielern besetzt. Inhaltlich tut all dies kaum etwas zur Sache – aber Talbert schafft inmitten der nach wie vor meistens „weißen“ Weihnachtsfilme einen bemerkenswerten Gegenpol, der eigene Akzente setzt und visuell wie akustisch andere Bezüge herstellt.

„Yes, you can“, ermutigt Journey einmal in einer Szene ihren Großvater und erinnert damit nicht zufällig an den optimistischen Wahlslogan von Barack Obama. Vielleicht ist es vor dem Hintergrund der gegenwärtigen gesellschaftlichen Konflikte in den USA nicht zu unterschätzen, dass ein großer Streamingdienst zur Plattform wird, um so ein wenig mehr Vielfalt ins Weihnachtsfilm-Genre zu bringen.

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