Literaturverfilmung | USA 2021 | Minuten

Regie: Rupert Sanders

Eine Science-Fiction-Serie nach der „Foundation“-Trilogie des russisch-amerikanischen Autors Isaac Asimov um den Untergang eines mächtigen galaktischen Imperiums und das Streben nach dem Neuaufbau einer interstellaren menschlichen Zivilisation. Treibende Kräfte dabei sind eine junge Mathematikerin und ein genialer Wissenschaftler-Kollege, die sich der Sippe des rückständigen Imperators entgegenstellen. Die bildgewaltige Serie bietet zwar auch viel Spektakel, setzt sich aber ebenso vielschichtig mit den utopischen Aspekten des Stoffs auseinander. Die Vorlage erfährt dabei dezente Aktualisierungen, die das eher optimistische Fazit der Umsetzung unterstreichen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
FOUNDATION
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2021
Regie
Rupert Sanders · Alex Graves · Roxann Dawson · Jennifer Phang · Andrew Bernstein
Buch
David S. Goyer · Josh Friedman · Olivia Purnell · Lauren Bello · Leigh Dana Jackson
Kamera
Tico Poulakakis · Owen McPolin · Danny Ruhlmann · Cathal Watters · Steve Annis
Musik
Bear McCreary
Schnitt
Skip Macdonald · Paul Trejo · Claudia Castello · Emily Greene
Darsteller
Jared Harris (Hari Seldon) · Lee Pace (Brother Day) · Lou Llobell (Gaal Dornick) · Leah Harvey (Salvor Hardin) · Laura Birn (Demerzel)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Literaturverfilmung | Science-Fiction | Serie

Eine Science-Fiction-Serie nach Isaac Asimov um den Untergang eines mächtigen galaktischen Imperiums und das Streben nach dem Neuaufbau einer Zivilisation.

Diskussion

Wenn du es hier schaffst, schaffst du es überall in der Galaxis. So könnte die Losung der jungen Mathematikerin Gaal Dornick lauten, die es aus der galaktischen Provinz auf den schillernden Planeten Trentor verschlagen hat. Trentor ist der wichtigste Ort eines sterneumfassenden Imperiums, seine Hauptstadt eine wahrhafte Metropolis. Die Stadtlandschaft ist so allumfassend, dass sie die gesamte Oberfläche des sie beheimatenden Himmelskörpers bedeckt. Ihre Bauten reichen bis in den Himmel und teilweise bis über ihn hinaus.

Gaal befindet sich hier auf Einladung des berühmten Wissenschaftlers Hari Seldon. Ein uraltes, für nicht lösbar gehaltenes mathematisches Rätsel hat sie geknackt. Dabei entstammt die junge Begabte aus einem Umfeld, das wissensfeindlicher nicht sein könnte. Auf ihrem hochreligiösen Heimatplaneten werden Menschen wie Gaal als Häretiker verfolgt und getötet. Und auch hier, im Zentrum der galaktischen Macht droht Ungemach, in Form eines antiwissenschaftlichen Gegenwinds. Mithilfe der ausgefeilten und von Hari Seldon entwickelten Methodik der „Psychohistory“, einer Mischung aus Gesellschaftstheorie, Geschichte und mathematischer Statistik, prognostiziert er dem Imperium den nahen Untergang sowie eine darauffolgende 30.000 Jahre währende Barbarei.

Verbannt ins Exil

Hari (Jared Harris) und seine Mitstreiter, darunter Gaal (Lou Llobell) und Seldons Ziehsohn Raych (Alfred Enoch) trifft der Bannstrahl der Macht. Der galaktische Herrscher Cleon, ein Fiesling wahrhaft galaktischen Ausmaßes, eindrücklich gespielt von Lee Pace, verbannt sie ins Exil. Dort wird sich schließlich Seldons Idee der „Foundation“ verwirklichen, ein Projekt, das sich in historischer Mission dem Erhalt der Zivilisation verschrieben hat.

Der Roman-Zyklus „Foundation“ des Schriftstellers Isaac Asimov erzählt als vielbändiges Science-Fiction-Epos eine Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Imperiums, tausende Jahre nach unserer Zeitrechnung. Bis zur Adaption durch die Serienschöpfer David S. Goyer und Josh Friedman galt das Mammutwerk als nicht verfilmbar. Eine schier aberwitzige Anzahl von Charakteren jagt in der Romanvorlage Asimovs von Planet zu Planet, über Zeitebenen hinweg, der Plot und seine ausufernden Subplots vermitteln sich weitestgehend in Dialogform. Asimovs schriftstellerisches Geschick zeigt sich weniger im Schöpfen komplexer Charaktere und der Handlungsvisualisierung, sondern vielmehr in seinem Vermögen zum großen Weltentwurf. Umso schwieriger die Herausforderung der Filmemacher, Asimovs Schriften in Bilder zu fassen.

Hari Seldons Vorhersagen werden in der imposanten Serienadaption für den Streamingdienst AppleTV+ schneller Realität, als selbst überzeugte Psychohistoriker es vermuten würden. Ein schwerer Terroranschlag erschüttert den Planeten Trentor. Mehrere Selbstmordattentate durch Separatisten aus der Milchstraßenprovinz bringen die Weltraumstation Starbridge, eine Verbindungslinie zwischen der Oberfläche Trentors und der Umlaufbahn, zu Fall. Es folgen Verheerungen ungeahnten Ausmaßes. Auf dem Planeten verlieren in Folge des Absturzes viele Millionen Bewohnerinnen und Bewohner ihr Leben. Das für unbezwingbar gehaltene Imperium um die genetische Vererbungslinie des Herrschergeschlechts Cleon sieht sich zum ersten Mal mit der Tatsache konfrontiert, verletzbar zu sein. Es ist der Anfang eines von nun an einsetzenden, steten politischen Zerfallprozesses.

Handfestes Spektakelfernsehen

Die Serie setzt Asimovs Intellektuellenstück als handfestes Spektakelfernsehen um, bei dem sich die Filmemacher im Vergleich zur literarischen Vorlage reichlich gestalterische Freiheiten herausnehmen. Sie schaffen dabei aber nicht nur spezialeffektreichen Bombast, sondern verpassen Asimovs in die Jahre gekommener Erzählung ein zeitgemäßes Update, ohne dabei respektlos mit der epischen Reihe umzugehen, die erstmals in den 1940er-Jahren erschien. Das Verfahren ihrer Verfilmung besteht in einem lustvollen und beständigen sich Annähern und Fortbewegen vom Urtext, ist selbst mehr Interpretation als werkgetreue Adaption. Dazu gehört auch der Einbezug weiblicher Charaktere wie etwa der kämpferischen Beschützerin der Foundation-Kolonie, Salvor Hardin (Leah Harvey), an zentralen Stellen der Serie, an der in Asimovs Original nahezu ausschließlich Männer wirken.

Die Eingriffe der Serienschöpfer erfolgen resolut und dennoch behutsam. Sie stehen ganz im Zeichen der – bei allen Motiven des historisch-zyklischen Niedergangs – doch fortschrittlich ausgerichteten Literaturvorlage und verstärken diesen Aspekt. Die progressive Koalition der „Foundation“ verschreibt sich nicht etwa der Bewahrung des zweifelhaften Imperiums, sondern dem kritischen Festhalten an der Idee der Aufklärung sowie am Zivilisationsbegriff als solchem, der auch in unserer Gegenwart längst aus ganz verschiedenen Richtungen unter Beschuss geraten ist.

Vom Insistieren des Aberglaubens und dem potenziellen Rückfall in dunkle Weltalter erzählte kurz vor „Foundation“ auch die bilderstarke Serie Raised by Wolves des Senders HBO. Was dort in einem durchweg dystopischen Grauen in fernen Welten mündet, erscheint in „Foundation“ in einem optimistischeren Licht. Hari Seldons psychohistorische Rechenschritte mögen in der Lage sein, das Verhalten von Gesellschaften präzise zu kalkulieren, an den Eigentümlichkeiten und Vorahnungen des Individuums jedoch scheitert seine Methode. Vielleicht aber nur scheinbar. Die Freiheitsfrage taucht ganz am Schluss der zehn fulminanten Episoden auf. Sie ist hoffentlich nur der Ausgangspunkt eines noch viel größeren Abenteuers.

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