Drama | USA 2022 | 439 (8 Folgen) Minuten

Regie: Tinge Krishnan

In den 2010er-Jahren begann das US-amerikanische Start-Up-Unternehmen WeWork sogenannte „Coworking Spaces“ - geteilte Büroflächen - an andere Firmen zu vermieten. Die satirische Dramaserie um deren Mitgründer Adam Neumann zeichnet in acht Folgen den kometenhaften Aufstieg der Firma, die für eine neue, digitalisierte und flexibilisierte Arbeitskultur stand, und deren Crash im Jahr 2019 nach, als sich der Erfolg als gigantische Blase entpuppte. Im Zentrum stehen Neumann und seine Frau, wobei der Unternehmer als egomanische Mischung aus Rockstar und Guru porträtiert wird, der Angestellte wie Investoren in die Irre führt. Eine beißende, sehr unterhaltsame Abrechnung mit den Auswüchsen des digitalen Kapitalismus. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
WECRASHED
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2022
Regie
Tinge Krishnan
Buch
Drew Crevello · Lee Eisenberg
Kamera
Xavier Grobet · Corey Walter
Musik
Christopher Nicholas Bangs
Schnitt
Justin Krohn · Debra Beth Weinfeld · Tamara Meem
Darsteller
Jared Leto (Adam Neumann) · Anne Hathaway (Rebekah Neumann) · O-T Fagbenle (Cameron Lautner) · Kyle Marvin (Miguel McKelvey) · Cricket Brown (Chloe Morgan)
Länge
439 (8 Folgen) Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Drama | Satire | Serie

Dramaserie über Aufstieg und Fall des US-Unternehmens WeWork und seines Gründers Adam Neumann, der mit seinem Charisma Angestellte wie Investoren hinters Licht führte.

Diskussion

Als „Einhorn“ wird in der Tech-Industrie ein Start-Up-Unternehmen bezeichnet, dessen Wert auf mehr als eine Milliarde US-Dollar geschätzt wird. Der Unternehmer Adam Neumann und seine Firma WeWork sind ein solches Erfolgs-Start-Up, zumindest am Anfang der Serie „WeCrashed“. Wie viele momentan erfolgreiche Serien basiert die Verfilmung der Showrunner Drew Crevello und Lee Eisenberg auf einer wahren Begebenheit, einer vermeintlichen Supererfolgsgeschichte, die sich als riesige Blase entpuppte, viele Investoren an der Wall Street um ihr Geld brachte und noch viel mehr Angestellte der Firma um ihren gerechten Lohn.

Das zeitgenössische Wirtschaftsgeschehen als Gegenstand von Film und Serien liegt gerade voll im Trend. Die zuletzt mit „Emmys“ überhäufte Fernsehserie „Succession“ mit Brian Cox in der Hauptrolle ist das prominenteste Beispiel dafür. Doch auch Serien wie „Billions“ oder die Tech-Komödie „Silicon Valley“ widmen sich dem Thema des ökonomischen Erfolgsstrebens. Die Herausforderung für die Filmemacher besteht darin, höchst abstrakte und wenig spannende Vorgänge der Wirtschaftswelt erzählerisch und visuell anschaulich zu machen. Während die Macher von „Succession“ auf das Modell eines Wirtschaftsthrillers setzen, dreht sich in der Welt von „WeCrashed“ im Grunde alles um eine unternehmerische Wundertüte.

Eine Mischung aus Rockstar und Guru

Verkörpert wird sie durch deren Gründer Adam Neumann (Jared Leto). Er gibt den ambitionierten Jungunternehmer mit breitem israelischem Akzent als eine Mischung aus verkapptem Rockstar und Guru. Früh schon ist sich Adam sicher, dass er zu Höherem berufen ist. Er will nicht nur eine Firma gründen, sondern eine Weltanschauung prägen. Sein künftiges Unternehmen soll nicht nur Milliarden umsetzen, sondern obendrein die Welt verbessern.

Die ersten Schritte als angehender Firmengründer verlaufen allerdings suboptimal; seine Idee, geteilten Wohnraum für eine Zielgruppe jenseits jugendlicher WGs anzubieten, fällt beim Pitch vor Investoren durch. Doch im Laufe der Zeit wandelt Adam seine Idee ab und entdeckt in sich ein ungeahntes Talent, Menschen davon zu überzeugen, dass er ein Genie sei. Bald schon kann er erste Geldgeber von seiner Idee eines „shared workspace“ überzeugen, und das nicht, weil das Projekt so einzigartig wäre, sondern schlicht deshalb, weil er als schillernde Persönlichkeit hinter ihr steht. Adam ist einer, dem Menschen bedingungslos ihr Geld und ihre Liebe hinterherwerfen; lauter Eigenschaften, die ihn tatsächlich zu einer Art Rockstar machen.

Adam fliegt auch die Liebe einer Frau zu, die seinem narzisstischen Wesen gar nicht so unähnlich ist. Rebekah (Anne Hathaway), die aus einer wohlsituierten Familie stammt, hat den Sprung zur Schauspielerei nicht geschafft. Inzwischen schlägt sie sich als Yoga-Lehrerin durch und besitzt einen Hang zur Schwurbelei. Durch Rebekah kommt Adam erst so richtig auf den Weltverbesserungs-Trip. Sein Unternehmen soll eine wirkliche Gemeinschaft sein, die zum Wohlfühlen einlädt, ein Ort, der seinen Mitarbeitenden dazu verhilft, „Teil von etwas Größerem“ zu werden.

Der Größte ist natürlich er selbst. Davon ist Adam felsenfest überzeugt. Hingerissen von seinen eigenen Worten, peitscht und predigt er auf die Angestellten seiner New Yorker-Stammfiliale ein, während seine Firma in die ganze Welt expandiert. „We!“, skandiert er, und seine Angestellten rufen voller Enthusiasmus zurück: „Work!“, immer und immer wieder, bis die Parole zum Schlachtruf wird.

Jede Menge heißer Luft

Es ist tatsächlich eine wahre Schlacht, auf deren Weg sich Adam im Laufe der Serie begibt. Das Wachstum seiner Firma basiert auf immer mehr Wachstum und dem zusätzlichen Geld der Investoren, die Adam auf Dauer aber nicht mehr bezirzen kann. Als es darum geht, die fiktiven Milliarden des Unternehmens zu versilbern, bevor der Schwindel auffliegt, wird der Finanzwelt allmählich klar, dass hinter dem aufgeblähten Start-Up nicht als jede Menge heißer Luft steckt.

Drew Crevello und Lee Eisenberg erzählen „WeCrashed“ als ein warnendes Beispiel für eine wildgewordene Unternehmenskultur, die ihre Ausbeuterei mühsam hinter einer freundlichen Maske und jeder Menge Wortgeklingel zu verbergen weiß. Jared Leto und Anne Hathaway verkörpern mit ihrem exaltierten Spiel nahezu perfekt den hinter dem PR-Sprech kaschierten Typus des angeblich im Sinne des Gemeinwohls handelnden Hyper-Egos. Der titelgebende Crash und die Pleite der Firma folgt bald. Wobei das „We“ in „WeCrashed“ etwa fehl am Platz wirkt. Denn die Zeche der großen Sause zahlen am Ende vor allem die Angestellten, die während der Gründungsphase des Unternehmens auf ihren Lohn verzichteten.

Als Zuschauer begreift man das just in dem Moment, in dem sich eine gewisse Schadenfreude über das Elend des Egomanen Adam und seiner Freundin Rebekah einzustellen beginnt. Auf eine schlichte Kapitalismuskritik läuft „WeCrashed“ aber nicht hinaus, vielmehr auf die Einsicht, dass eine Gesellschaft, die aufgeblasene Start-Up-Typen als Rockstars verehrt, wohl so ziemlich jedes Elend verdient hat.

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