The Terminal List

Serie | USA 2022 | Minuten

Regie: Antoine Fuqua

Bei einem Einsatz in Syrien wird die gesamte Einheit eines Navy-SEAL-Commanders getötet. Der überlebende Offizier vermutet eine Verschwörung, die sich kurz darauf mit einem Anschlag auf ihn und seine Familie bestätigt. Sein Rachefeldzug führt über Behörden und Rüstungsunternehmen bis in das Verteidigungsministerium. Als Action-Thriller solide inszeniert, bringt die Serie weder Potenzial für Ambivalenz noch Interesse für den angedeuteten Themenkomplex der Kriegstraumata auf. Stattdessen bleibt sie immer dem Pathos des Elitesoldaten und der dazugehörigen reaktionären Weltanschauung treu, die ein ums andere Mal das Misstrauen gegenüber der zivilen Welt und deren Institutionen bestätigt. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE TERMINAL LIST
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2022
Regie
Antoine Fuqua · Frederick E.O. Toye · Sylvain White · M.J. Bassett · Tucker Gates
Buch
David DiGilio · Olumide Odebunmi · Hennah Sekandary
Kamera
Evans Brown · Armando Salas
Musik
Ruth Barrett
Schnitt
Scott Turner · Sara Mineo · Jim Page
Darsteller
Chris Pratt (James Reece) · Constance Wu (Katie Buranek) · Taylor Kitsch (Ben Edwards) · Riley Keough (Lauren Reece) · Jeanne Tripplehorn (Hartley)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Serie | Thriller

Thriller-Serie nach einem Roman von Jack Carr: Ein Navy Seal wird Opfer einer Verschwörung und sinnt, nachdem seine Familie ermordet wird, auf Rache.

Diskussion

„Never out of the fight.“, ist das Mantra der Navy-SEALs. Für James Reece (Chris Pratt), der als Commander der weltberühmten Spezialeinheit der Navy dient, scheint der Kampf nach seinem dritten Einsatz in Syrien trotzdem endgültig beendet. Die geheime Mission, die die Festnahme eines der Drahtzieher der Chemiewaffen-Angriffe des Assad-Regimes zum Ziel hatte, scheitert katastrophal. Fast alle Soldaten der Einheit lassen ihr Leben. Reece, der mit schwerem Hirntrauma in die Vereinigten Staaten zurückkehrt, berichtet von einem Hinterhalt. Die Beweislage präsentiert indes ein anderes Bild. Ein Mann aus der eigenen Einheit habe die Kontrolle verloren, eine Sprengfalle ausgelöst und damit fast ein Dutzend Kameraden getötet. Reece wittert eine Verschwörung. Als sich der neben ihm einzige überlebende Soldat das Leben nimmt, bestehen für den SEAL-Offizier keine Zweifel mehr: das SEAL-Team soll beseitigt werden. Seine Intuition steht den Beweisen der Navy-Ermittler entgegen: einer Tonaufnahme vom gescheiterten Einsatz und den forensischen Spuren aus der Wohnung des angeblichen Selbstmörders. Reece bleibt dem Motto der Spezialeinheit treu und gibt weder seinen Verdacht noch den Kampf gegen die unsichtbaren Verschwörer auf.

Reece behält recht. Der nächste Anschlag zielt jedoch nicht nur auf ihn, sondern auch auf seine Familie ab. Er selbst entkommt knapp, findet zuhause aber nur noch die Leichen seiner Frau Lauren (Riley Keough) und seiner Tochter Lucy (Arlo Mertz). Mit dem privaten Waffenarsenal und einer Zeichnung seiner Tochter verlässt der Elitesoldat den Tatort und kurz darauf das zivile Leben. Auf der Rückseite des Familienporträts beginnt er eine Todesliste, die mit Hilfe seines Trainings und seines mit Sturm- und Scharfschützengewehren gefüllten Waffenschranks gnadenlos abarbeitet.

Die Kriegsparanoia behält recht

Nicht nur die Mörder seiner Familie stehen auf der Liste. Die sich Stück für Stück bestätigende Verschwörung führt bis in die Führungsetagen von Navy, Strafverfolgungsbehörden, Rüstungsunternehmen und das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten. Neben dem ehemaligen Kameraden Ben (Taylor Kitsch) und Pilotin Liz (Tyner Rushing) ist die investigative Journalistin Katie (Constance Wu) die einzige Verbündete aus der zivilen Welt. Das erste Treffen der beiden ist emblematisch für das Verhältnis, das die Serie zu dieser immer misstrauisch beäugten Welt und ihren Institutionen pflegt. Bevor Katie ein Wort sagen kann, wird sie direkt von ihrem Platz verscheucht, damit der Soldat die Wand im Rücken und einen Blick auf den Eingangsbereichs des Cafés haben kann. Der dort vorbeischlendernde Fremde ist in den Augen der Journalistin ein Jedermann mit Cap und Sonnenbrille, für Reece eindeutig ein Auftragsmörder, der kurz darauf, während die Journalistin noch Argumente für seine Harmlosigkeit sammelt, bereits das Feuer eröffnet. Die Kriegsparanoia behält recht. Wieder und wieder entlarvt Reeces scheinbar überzogenes Misstrauen die zivile Welt als naiv und unvorbereitet. Kein Zweifel am SEAL-Veteranen hat seine Berechtigung. Zu präzise ist sein Instinkt, zu gut seine Ausbildung, zu ausgeprägt seine Fähigkeit, Schmerz, Verlust und Trauma zu bewältigen.

Held oder Terrorist?

Ist Reece nun der Held, der als einziger eine Verschwörung aufzudecken vermag, die der Staat, wo er sie nicht mitträgt, zumindest mit unter den Teppich kehrt? Oder ist er ein Superterrorist, der entführend und mordend durch das Land zieht und nicht davor zurückschreckt, mit Hilfe selbstgebastelter Sprengsätze Anschläge auf die Drahtzieher der angeblichen Verschwörung zu verüben? Eine Frage, die sich, wenig überraschend für eine Serie, die auf der Roman-Reihe eines SEAL-Veteranen basiert, zwar auf dem Papier stellt, in der Realität von "The Terminal List" – und Realität bedeutet hier Krieg – aber immer schon beantwortet ist. Der Feldzug des abtrünnigen Veteranen bringt schlichtweg kein Potential für Ambivalenz oder Subversion auf. Die Geschichte, die sich grob zwischen Ted Kotecheffs „Rambo - First Blood“ und Clint Eastwoods „American Sniper“ verordnet, wird jederzeit auf das Frontlinien-Mantra „Never out of the fight“ abgestumpft. Reeces Kampfgeist ist nicht zu brechen, seine Integrität nicht angreifbar. „The Terminal List“ interessiert sich nicht für die in Ted Kotcheffs Vietnam-Klassiker verhandelten Kriegstraumata, interessiert sich nicht die Einsamkeit derer, die von der Front zurückkehren, und noch weniger für die in Clint Eastwoods ebenfalls wenig ambivalentem SEAL-Porträt geführten Aushandlungsprozess zwischen dem Veteranen und den Institutionen der Zivilgesellschaft. James Reece hat schlichtweg nichts mehr zu verhandeln. Die auf die Rückseite einer Kinderzeichnung gekrakelte Todesliste wird abgehandelt, ohne nach links, rechts oder in Richtung realgesellschaftlicher Probleme zu schauen. Was bleibt, ist eine so reaktionäre wie solide inszenierte Vigilante-Rachefantasie, deren Action-Setpieces die Staatsgewalt an ihr absolutes Limit führen.

 

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