The Greatest Beer Run Ever

Abenteuer | USA 2022 | 126 Minuten

Regie: Peter Farrelly

Ein junger Matrose und ehemaliger US-Marine lässt sich zur Zeit des Vietnamkriegs dazu anstacheln, den kämpfenden Truppen seine Unterstützung zu beweisen, indem er ihnen Bierdosen aus New York bis an die Front bringt. Mit Gutmütigkeit und Chuzpe gelingt es ihm tatsächlich, die absurde Idee umzusetzen, doch stößt er mit seinem naiven Patriotismus im Dschungel auf die harte Kriegsrealität. Auf eine skurrile wahre Geschichte zurückgreifendes Drama, das eindrücklich vorführt, wie weit man mit Unbekümmertheit kommen kann, und auch leisere Momente aufweist. Allerdings bleibt es standhaft leichtgewichtig und stemmt sich dagegen, die bittere Lage in vollem Umfang zu erfassen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE GREATEST BEER RUN EVER
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2022
Regie
Peter Farrelly
Buch
Brian Hayes Currie · Peter Farrelly · Pete Jones
Kamera
Sean Porter
Musik
Dave Palmer
Schnitt
Patrick J. Don Vito
Darsteller
Zac Efron (Chickie Donohue) · Russell Crowe (Coates) · Bill Murray (Der Colonel) · Kyle Allen (Bobby Pappas) · Jake Picking (Rick Duggan)
Länge
126 Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Abenteuer | Drama | Komödie | Kriegsfilm

Auf einer skurrilen wahren Geschichte beruhendes Drama um einen jungen Matrosen, der den US-Truppen im Vietnamkrieg Bierdosen aus New York an die Front bringt.

Diskussion

Der Vietnamkrieg ist weit weg von Doc Fiddler's Bar im New Yorker Stadtteil Inwood. Politiker hört man allenfalls mit halbem Ohr im Fernseher hinter der Bar, während man eine neue Runde Pitcher bestellt. Der Ex-Marine John „Chickie“ Donohue (Zac Efron) kennt sich mit Politik nicht aus. Doch wenn „unsere Jungs“ irgendwo kämpfen, dann zu Recht. Da kann seine jüngere Schwester Christine (Ruby Ashbourne Serkis) noch so viel gegen den Krieg demonstrieren. Für Chickie ist die Unterstützung der US-Army Ehrensache. Und sei es auch nur mit einer kleinen Geste. Etwa einem kalten New Yorker Bier.

Im leicht angetrunkenen Zustand macht man schon mal den einen oder anderen Scherz, an den man sich am nächsten verkaterten Morgen nicht mehr unbedingt erinnert. Doch nicht so bei Chickie. Wenn er etwas ausbrütet, dann setzt er es auch um. Nachdenken kann man ja immer noch später. So ist seine Sporttasche schnell gepackt und mit etlichen Dosen Pabst Blue Ribbon Beer derart angefüllt, dass auch er, ein kräftiger 26-jähriger Kerl, damit beim Tragen fast Probleme hat. Aber was tut man nicht alles für seine Kumpels, die freiwillig oder nicht im Dschungel auf der anderen Seite der Welt die Freiheit verteidigen?

Socken und Rosenkränze als Mitbringsel

Wie aber kommt man dort hin, quasi als Tourist, der er nun mal ist? Einfach fragen hilft meistens. Als Seemann kennt sich Chickie auf Booten aus, und im Maschinenraum eines Transportschiffes gibt es immer einen Job. Von den besorgten Müttern seiner Freunde mit Socken und Rosenkränzen als Mitbringsel versehen, landet er Wochen später in Saigon. Er will seinen in den Kriegswirren vermissten Kumpel Tommy (Will Hochman) finden und nach ein paar Bieren am liebsten zurück nach Inwood nehmen, so wie er es Tommys Mutter (Kristin Carey) versprochen hat.

Damit beginnt die lange Odyssee des John „Chickie“ Donohue durch die feindlichen Linien eines zerbombten Landes. Seine Geschichte, die Regisseur Peter Farrelly fürs Kino aufbereitet hat, ist so absurd, dass sie nur wahr sein kann. Zusammen mit einem Ghostwriter hat Donohue seine Erlebnisse in Vietnam in einem autobiografischen Buch festgehalten, das jetzt als „The Greatest Beer Run Ever“ auf der Leinwand erscheint.

Keiner scheint dafür besser geeignet zu sein als Peter Farrelly. Der 65-jährige Filmemacher, der in seiner Sturm-und-Drang-Zeit in den 1990er-Jahren „Dumm und Dümmer“ erdachte und den naiven Amish-Bowler-Champion Ishmael Boorg in „Kingpin“ zum Leben erweckte, hätte Donohue nicht besser erfinden können. Chickie ist ein naiver Macher, wie ihn die US-Amerikaner lieben, weil der liebe Gott immer ein Auge auf ihn hat. Eine Mischung aus Forrest Gump und Superman, unbekümmert, reinen Herzens und irgendwie unsterblich.

Offenherzig durchs Feindesland

Mit dieser Attitüde kommt der Held des Films auch im Feindesland durch, wo US-amerikanische Zivilisten eigentlich auf der Abschussliste stehen. Doch der offenherzige Urlauber gewinnt nicht nur einheimische Polizisten wie Hieu alias „Oklahoma“ (Kevin K. Tran) für sich, sondern auch Entscheidungsträger des US-Militärs, die in der doppeldeutigen Offenherzigkeit des Sonnyboys die sarkastische Verschlagenheit eines CIA-Mannes vermuten. Dem „Tourist“ wird so der Hof bereitet, bis er nach vielen Zwischenfällen tatsächlich seinen Nachbarn auftut, um ihm ein inzwischen gar nicht mehr kühles Bier anzubieten.

„The Greatest Beer Run Ever“ kommt mit großer, gekonnter Skurrilität daher. Auf Dauer aber glaubt man, dass er in eine Dramödie oder Satire oder sogar in eine bitterböse Anklage schwenkt, zumal Peter Farrelly 2018 mit „Green Book“ drei „Oscars“ (inklusive dem für den „besten Film“) gewonnen hat und damit auch nachdenkliche Dramen inszenieren kann. Doch mit der Gratwanderung zwischen Situationskomik und bitterem Kriegsrealismus hat Farrelly erstaunlicherweise Probleme. Das Drama bleibt standhaft auf der leichtgewichtigen Seite und ist in manchen Szenen eher befremdlich als skurril und mehr nonchalant als doppelbödig oder gar tiefgründig.

Mit Chickies Freunden wundert man sich, dass nach dem Bier an der Front nicht mehr wirklich etwas kommt. Und ärgert sich mit denen, die im Bombenhagel um ihr Leben kämpfen, dass da wirklich nur einer mit Bier kommt. Was für ein Aufwand für ein Bier! „Immerhin, es ist ein gutes Bier aus New York!“ Allerdings verfängt Chickies Rechtfertigung nicht wirklich und ist mit der Zeit auch nicht mehr komisch.

Besonderes Auftreten mit erstaunlichen Resultaten

Dass eine gewisse Chuzpe, gepaart mit besonderem Auftreten, zu erstaunlichen Resultaten führt, konnte man schon bei Zuckmayers „Der Hauptmann von Köpenick“ nachlesen. Hal Ashby hat über die zwingende Macht der Oberflächlichkeit mit „Willkommen Mr. Chance“ einen kongenialen Film gemacht, in dem ein einfältiger Butler mit Binsenweisheiten zur Leitfigur des politischen US-Establishments avancierte. Und dem Komiker Peter Sellers gelang in der Rolle des Mister Chance die eindrücklichste Leistung seiner Karriere.

Auch „The Greatest Beer Run Ever“ zeigt eindrücklich, wie weit man mit Chuzpe gelangen kann. Der Hauptdarsteller Zac Efron, bislang eher in der leichten Unterhaltung à la „Baywatch“ zuhause, überzeugt in der Rolle des Zampano; und zwar nicht nur in den prahlerischen Momenten, sondern auch in den leiseren, emotionaleren Augenblicken, die es durchaus auch gibt.

Doch das Lachen bleibt einem nie im Halse stecken, es lässt mit der Zeit einfach nur nach. Am Ende kommt Chickie, geläutert und sensibilisiert, wieder nach New York zurück, um seine Geschichte erzählen zu können. Er steht nun ein bisschen mehr auf der Seite seiner Schwester und bekennt am Ende: „less drinking, more thinking“. Ja, möchte man sagen. Trinken schadet nicht, Denken aber auch nicht. Das ist die versöhnliche Erkenntnis eines versöhnlichen Films. Mehr nicht.

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