Drama | USA 1995 | 103 Minuten

Regie: Chris Gerolmo

1982 werden in der russischen Stadt Rostow acht verstümmelte Leichen gefunden. Der neu eingesetzte Kommissar glaubt, daß ein Serienkiller am Werk ist, doch seine Hypothese wird von Partei und KGB verworfen und totgeschwiegen. Erst 1990, nach der Entmachtung der KPdSU, kann der Mörder nach 52 Morden dingfest gemacht werden. Spannender (Polit-)Thriller nach einem authentischen Fall, der den Zynismus einer (Partei-)Diktatur überzeugend behandelt und Menschenliebe und Willenskraft als Motor einer jeden positiven gesellschaftlichen Veränderung aufzeigt. Ein ebenso lehrreiches wie ergreifendes Drama, getragen von guten Darstellern. - Sehenswert ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
CITIZEN X
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
1995
Regie
Chris Gerolmo
Buch
Chris Gerolmo
Kamera
Robert Fraisse
Musik
Randy Edelman
Schnitt
William Goldenberg
Darsteller
Stephen Rea (Kommissar Burakow) · Donald Sutherland (Oberst Fetisor) · Max von Sydow (Psychiater Bukhanowsky) · Jeffrey DeMunn (Andrej Chikalito) · Joss Ackland (Bondartschuk)
Länge
103 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogische Empfehlung
- Sehenswert ab 16.
Genre
Drama | Politthriller

Diskussion
Sowjetunion, Rostow am Don 1982: Acht verstümmelte Leichen werden in der Nähe einer ländlichen Bahnstation gefunden. Mangels Personal ernennt der Oberst der Miliz Fetisor den neuen Gerichtsmediziner Burakow zum Leiter der Mordkommission. Dessen erste Analyse ergibt, daß der Täter ein Serienmörder sein muß. Doch im Sowjetstaat kann nicht sein, was nicht sein darf. Das von Partei und KGB beherrschte Bezirksgremiun lehnt die Hypothese ab, schweigt den Fall tot und verweigert dem rechenschaftspflichtigem Kommissar jegliche kriminologisch sinnvolle Unterstützung. Und so mordet Andrej Chikalito, ein unscheinbarer Fabrikangestellter, unbehelligt weiter. Erst 1990, nach der Entmachtung der KPDSU, können der Oberst und der Kommissar alle personellen, technischen und wissenschaftlichen Ressourcen nutzen und den kranken Triebtäter verhaften - nach 52 Morden! Ein Politkrimi über die UdSSR mit westlichen Stars, das kann eigentlich nicht gut gehen. Doch die hervorragenden schauspielerischen Leistungen in den gut angelegten Hauptrollen widerlegen eindrucksvoll das vorschnelle Urteil. Die Inszenierung dieses Teleplay ist sparsam und solide, sie mißbraucht nicht die zahlreichen grausamen Taten für unnötige Effekte, sie legt Wert auf eine seriöse Beschreibung des Mörders. Und so gerinnt der düstere Politkrimi mehr und mehr zu einem ergreifenden und lehrreichen Drama, dessen zentrale Figur der Kommissar ist. Mit ihr schiebt sich die Frage in den Mittelpunkt, wie eine Sinnvolle Existenz in einer (Partei-)Diktatur möglich ist, wie Freiräume, Aus- und Umwege gefunden werden können in einer Umgebung voller Angst, Ohnmacht, Gleichgültigkeit und ansteckendem Zynismus. Tragik entsteht, da in dieser Situation Menschenliebe, Mut und Willenskraft, die Stephen Rea so glaubwürdig in der Figur des Kommissars verkörpern kann, nur wenig ausrichten. Gleichwohl werden sie als Grundvoraussetzungen positiver sozialer Veränderung beschrieben, wobei der Zuschauer sich die Frage stellen kann, woher der Kommissar seine Kraft schöpft. - Sehenswert ab 16.
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