Film statt Fußball: "Kubo - Der tapfere Samurai"

Die Alternative zum Dauergekicke auf dem Bildschirm

Diskussion

24 Tage Fußball sind für alle, die der Weltmeisterschaft in Russland nichts abgewinnen können, 24 echte Probleme: Was tun, wenn alle Kneipen in der Gegend von Public-Viewing-Horden belagert werden, wenn die Fernsehsender ihre Highlights bis nach dem Finale aufsparen und im schlimmsten Fall sogar das lokale Kino seine Leinwand für die Liveübertragung der Spiele opfert? Hier kommt die Alternative. Unter dem Motto „Film statt Fußball“ präsentieren wir an jedem Tag des Turniers einen Film oder eine Serie, die man längst gesehen haben wollte.


Sonntag, 15. Juli

Finale! Nicht nur in Moskau, sondern auch für die Alternative zum „Dauergekicke“ auf dem Bildschirm. Zum krönenden Abschluss heute ein mitreißender Animationsfilm, „Kubo - Der tapfere Samurai“ (auf Amazon Prime). Darin geht es um einen aufgeweckten Jungen, dem ein Auge fehlt, das ihm sein Großvater, der Mondkönig, gestohlen hat. Nach Einbruch der Dunkelheit darf Kubo nicht nach draußen. Als er dann doch einmal die Zeit vergisst, ist das Unheil nicht mehr aufzuhalten; unheilvolle Mächte jagen hinter ihm her; nur die magische Samurai-Uniform seines Vaters könnte jetzt noch helfen, doch die ist in alle Winde zerstreut.

Der atemberaubende Fantasyfilm verneigt sich visuell wie akustisch vor der japanischen Kultur und erweist Künstlern wie Hokusai oder Filmemachern wie Akira Kurosawa und Hayao Miyazaki die Ehre. Dabei fließen traditionelle Stop-Motion-Tricktechnik und CGI-Animation perfekt ineinander. Die Figuren indes sind kantig und ungeschliffen. Die Gesichtszüge von Kubos Mutter erinnern an eine Kabuki-Maske, ein sprechender Affe, kämpfende Riesenskelette und dunklen Unterweltwesen verlangen jungen Zuschauern einiges ab. Doch das epische Abenteuer wird auf die Liebe eines Kindes zu seinen Eltern zurückgeführt und die Möglichkeit der Vergebung. Bei der das Sehen und die Wahrhaftigkeit eng miteinander verbunden sind. Nur wer blind ist, verschließt sich vor dem Mitgefühl und der Schönheit des Lebens. „Wenn du blinzeln musst, tu es jetzt“, heißt es deshalb programmatisch, noch bevor der ebenso phänomenal animierte wie berührende Film die Tür zu seiner fantastischen Welt öffnet.

Hier geht es zur Filmkritik „Kubo – Der tapfere Samurai“

Und hier gelangt man zum Streamingportal von Amazon Prime.

"Kubo - Der tapfere Samurai"
"Kubo - Der tapfere Samurai"


Samstag, 14. Juli

Heute vor 100 Jahre ist Ingmar Bergman geboren, einer der größten Regisseure aller Zeiten. Der Filmdienst hat sich seinen kompromisslosen Werken immer wieder gewidmet und viele Aspekte im Detail beleuchtet; eine kleine Zusammenstellung findet sich hier. Der Sender 3sat widmet dem manischen Filmemacher, der wohl auch deshalb wie ein Besessener arbeitete, um seiner Dämonen Herr zu werden, ein interessantes Porträt. Um 20.15 läuft heute „Ingmar Bergman – Herr der Dämonen“ von Henrike Sandner, in dem viele Weggefährten und Freunde zu Wort kommen.

Mit einer filmkundlichen Dokumentation und mageren Ausschnitten aus Bergmans voluminösem Werk wollte es 3sat dann aber doch nicht bewenden lassen, deshalb zeigt der Sender im Anschluss um 21.15 Uhr Bergmans bewegendes Meisterwerk Szenen einer Ehe mit Liv Ullmann und Erland Josephson in den Hauptrollen. Das Beziehungsdrama zeichnet weitgehend dialogisch Stationen im Leben eines Paares nach, das sich nach schmerzhafter Aufarbeitung verdrängter Konflikte aus der gemeinsamen Ehe befreit und nach Erfahrungen mit anderen Partnern zu einer neuen Form von Gemeinsamkeit findet. Der Film wurde zu einem weltweiten Erfolg und 1974 mit einem Golden Globe als „bester nichtamerikanischer Film“ ausgezeichnet.

Hier geht es zur Filmkritik Szenen einer Ehe“.

Auf 3sat läuft „Ingmar Bergman – Herr der Dämonen“ um 20.15; „Szenen einer Ehe“ folgt im Anschluss um 21.15 Uhr

"Szenen einer Ehe"
"Szenen einer Ehe"


Mittwoch, 11. Juli

Eben erst hat die FAZ mit ihrer „Target“-Recherche für helle Aufregung gesorgt, dass Deutschland angeblich auf einer finanziellen Bombe sitze. Bei der Riesensumme von einer Billion Euro, die die Bundesbank ins Auffangnetz der Europäischen Zentralbank gepumpt hat, kann einem leicht schwindelig werden. Dieses Gefühlt passt zur knallharten Banker-Serie „Bad Banks“ von Christian Schwochow, in der sich eine junge Investmentbankerin (Paula Baer) nach oben kämpft.

Die Serie, die bis Ende August in der ZDF-Mediathek frei zugänglich ist, übersetzt die Hochspannung und den Druck, unter denen Banker stehen, in eine fesselnde Thriller-Dramaturgie. Der nervenzehrende Krimi handelt von der Unbelehrbarkeit und Arroganz der Finanzbranche, wobei auch weibliche Figuren eine zentrale Rolle spielen. Die durchweg gut besetzten Darsteller beeindrucken ebenso wie die atmosphärische Kamera, die aus den urbanen Settings ein Maximum an Kälte und Unbehaustheit herausholt. – Sehenswert ab 16.

Hier geht es zur Filmkritik von „Bad Banks“.

Die sechsteilige Serie ist bis noch Ende August in der ZDF-Mediathek zu sehen. Hier geht es zum Streaming-Angebot.



Dienstag, 10. Juli


Endlos reihen sich die schmucken Einfamilienhäuser aneinander, getrennt durch fein getrimmte Vorgärten, eine sauber, sichere und vor allem: weiße Suburb-Siedlung wie aus dem Verkaufsprospekt. Doch die Verheißungen eines paradiesisch-unbeschwerten Lebens stehen in der schwarzhumorigen Dramödie „Suburbicon“ (seit 9.7. verfügbar bei Amazon Prime) auf tönernen Füßen. In seiner sechsten verbindet George Clooney eine Familienkrimi aus Kindersicht mit einer schneidenden Gesellschaftssatire, dessen Drehbuch ursprünglich von den Coens stammt, weshalb auch blutig-groteske Elemente nicht fehlen.

Die Handlung kreist um zwei Aufmerksamkeitszentren: In der Nachbarschaft zieht einer afroamerikanische Familie ein, was die weiße Anwohnerschaft so in Rage bringt, dass sich bald eine Bürgerwehr vor dem Haus der Meyers zusammenrottet. Nebenan findet im Haus einer weißen Bilderbuch-Familie die eigentliche Unterminierung von Recht und Ordnung statt, als Finanzdirektor Gardner Logde (Matt Damon) seine an den Rollstuhl gefesselte Ehefrau durch ihre Zwillingsschwester (tolle Doppelrolle für Julianne Moore) ersetzen will.

Die familiäre Gewaltspirale wird dabei konsequent aus der Sicht des kleines Sohnes (Noah Jupe) erzählt, in dessen Sicht die Verkehrung der Angst vor dem Fremden besonders eklatant wird: während sich die Gesellschaft vor Änderungen in der Außenwelt fürchtet, ist der moralische Kern des Zusammenlebens längst erodiert.

Hier findet sich eine Filmkritik zu "Suburbicon".

Und hier geht es zum Film auf Amazon Prime.


Filmplakat zu "Suburbicon"
Filmplakat zu "Suburbicon"

Samstag., 7. Juli

Viele stöhnen derzeit über die Datenschutz-Grundverordnung (DSVGO), weil das grenzenlose Web2.0 plötzlich in geordnetere Verhältnisse überführt wird. Gleichwohl ahnen die meisten, dass die Europäische Union mit der juristischen Ausgestaltung des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung einen ersten Pflock gegen die Datenkraken der Großkonzerne eingeschlagen hat.

Wie es dazu überhaupt kommen konnte, enthüllt der Politthriller „Democracy“ von David Benet, der allerdings keine Fiction, sondern ein lupenreiner Dokumentarfilm ist.

Auf verblüffende packende Weise schafft es Regisseur Benet, das jahrlange Ringen im Europäischen Parlament in einen nervenaufreibenden Film zu verwandeln. Dafür hat „Democracy“ schon viele Preise einkassiert. Die Bundeszentrale für politische Bildung würdigt das, indem sie „Democracy - Im Rausch der Daten“ in ihren kostenlosen Streamingservice aufgenommen hat. Der Film über die Entstehung des europäischen Datenschutzgesetzes steht damit rund um die Uhr zu Sichtung bereit. Ein Service für clevere Bürger, die sich im Widerstreit zwischen dem Schutz der Privatsphäre und ökonomischen Zukunftsperspektiven nicht die Butter vom Brot nehmen lassen wollen.

Hier findet sich eine Filmkritik zu „Democracy - Im Rausch der Daten“.

Und hier geht es zum Film auf dem Streamingportal<

Filmdienst Plus

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