Film statt Fußball: "Kubo - Der tapfere Samurai"

Die Alternative zum Dauergekicke auf dem Bildschirm

Diskussion

24 Tage Fußball sind für alle, die der Weltmeisterschaft in Russland nichts abgewinnen können, 24 echte Probleme: Was tun, wenn alle Kneipen in der Gegend von Public-Viewing-Horden belagert werden, wenn die Fernsehsender ihre Highlights bis nach dem Finale aufsparen und im schlimmsten Fall sogar das lokale Kino seine Leinwand für die Liveübertragung der Spiele opfert? Hier kommt die Alternative. Unter dem Motto „Film statt Fußball“ präsentieren wir an jedem Tag des Turniers einen Film oder eine Serie, die man längst gesehen haben wollte.


Sonntag, 15. Juli

Finale! Nicht nur in Moskau, sondern auch für die Alternative zum „Dauergekicke“ auf dem Bildschirm. Zum krönenden Abschluss heute ein mitreißender Animationsfilm, „Kubo - Der tapfere Samurai“ (auf Amazon Prime). Darin geht es um einen aufgeweckten Jungen, dem ein Auge fehlt, das ihm sein Großvater, der Mondkönig, gestohlen hat. Nach Einbruch der Dunkelheit darf Kubo nicht nach draußen. Als er dann doch einmal die Zeit vergisst, ist das Unheil nicht mehr aufzuhalten; unheilvolle Mächte jagen hinter ihm her; nur die magische Samurai-Uniform seines Vaters könnte jetzt noch helfen, doch die ist in alle Winde zerstreut.

Der atemberaubende Fantasyfilm verneigt sich visuell wie akustisch vor der japanischen Kultur und erweist Künstlern wie Hokusai oder Filmemachern wie Akira Kurosawa und Hayao Miyazaki die Ehre. Dabei fließen traditionelle Stop-Motion-Tricktechnik und CGI-Animation perfekt ineinander. Die Figuren indes sind kantig und ungeschliffen. Die Gesichtszüge von Kubos Mutter erinnern an eine Kabuki-Maske, ein sprechender Affe, kämpfende Riesenskelette und dunklen Unterweltwesen verlangen jungen Zuschauern einiges ab. Doch das epische Abenteuer wird auf die Liebe eines Kindes zu seinen Eltern zurückgeführt und die Möglichkeit der Vergebung. Bei der das Sehen und die Wahrhaftigkeit eng miteinander verbunden sind. Nur wer blind ist, verschließt sich vor dem Mitgefühl und der Schönheit des Lebens. „Wenn du blinzeln musst, tu es jetzt“, heißt es deshalb programmatisch, noch bevor der ebenso phänomenal animierte wie berührende Film die Tür zu seiner fantastischen Welt öffnet.

Hier geht es zur Filmkritik „Kubo – Der tapfere Samurai“

Und hier gelangt man zum Streamingportal von Amazon Prime.

"Kubo - Der tapfere Samurai"
"Kubo - Der tapfere Samurai"


Samstag, 14. Juli

Heute vor 100 Jahre ist Ingmar Bergman geboren, einer der größten Regisseure aller Zeiten. Der Filmdienst hat sich seinen kompromisslosen Werken immer wieder gewidmet und viele Aspekte im Detail beleuchtet; eine kleine Zusammenstellung findet sich hier. Der Sender 3sat widmet dem manischen Filmemacher, der wohl auch deshalb wie ein Besessener arbeitete, um seiner Dämonen Herr zu werden, ein interessantes Porträt. Um 20.15 läuft heute „Ingmar Bergman – Herr der Dämonen“ von Henrike Sandner, in dem viele Weggefährten und Freunde zu Wort kommen.

Mit einer filmkundlichen Dokumentation und mageren Ausschnitten aus Bergmans voluminösem Werk wollte es 3sat dann aber doch nicht bewenden lassen, deshalb zeigt der Sender im Anschluss um 21.15 Uhr Bergmans bewegendes Meisterwerk Szenen einer Ehe mit Liv Ullmann und Erland Josephson in den Hauptrollen. Das Beziehungsdrama zeichnet weitgehend dialogisch Stationen im Leben eines Paares nach, das sich nach schmerzhafter Aufarbeitung verdrängter Konflikte aus der gemeinsamen Ehe befreit und nach Erfahrungen mit anderen Partnern zu einer neuen Form von Gemeinsamkeit findet. Der Film wurde zu einem weltweiten Erfolg und 1974 mit einem Golden Globe als „bester nichtamerikanischer Film“ ausgezeichnet.

Hier geht es zur Filmkritik Szenen einer Ehe“.

Auf 3sat läuft „Ingmar Bergman – Herr der Dämonen“ um 20.15; „Szenen einer Ehe“ folgt im Anschluss um 21.15 Uhr

"Szenen einer Ehe"
"Szenen einer Ehe"


Mittwoch, 11. Juli

Eben erst hat die FAZ mit ihrer „Target“-Recherche für helle Aufregung gesorgt, dass Deutschland angeblich auf einer finanziellen Bombe sitze. Bei der Riesensumme von einer Billion Euro, die die Bundesbank ins Auffangnetz der Europäischen Zentralbank gepumpt hat, kann einem leicht schwindelig werden. Dieses Gefühlt passt zur knallharten Banker-Serie „Bad Banks“ von Christian Schwochow, in der sich eine junge Investmentbankerin (Paula Baer) nach oben kämpft.

Die Serie, die bis Ende August in der ZDF-Mediathek frei zugänglich ist, übersetzt die Hochspannung und den Druck, unter denen Banker stehen, in eine fesselnde Thriller-Dramaturgie. Der nervenzehrende Krimi handelt von der Unbelehrbarkeit und Arroganz der Finanzbranche, wobei auch weibliche Figuren eine zentrale Rolle spielen. Die durchweg gut besetzten Darsteller beeindrucken ebenso wie die atmosphärische Kamera, die aus den urbanen Settings ein Maximum an Kälte und Unbehaustheit herausholt. – Sehenswert ab 16.

Hier geht es zur Filmkritik von „Bad Banks“.

Die sechsteilige Serie ist bis noch Ende August in der ZDF-Mediathek zu sehen. Hier geht es zum Streaming-Angebot.



Dienstag, 10. Juli


Endlos reihen sich die schmucken Einfamilienhäuser aneinander, getrennt durch fein getrimmte Vorgärten, eine sauber, sichere und vor allem: weiße Suburb-Siedlung wie aus dem Verkaufsprospekt. Doch die Verheißungen eines paradiesisch-unbeschwerten Lebens stehen in der schwarzhumorigen Dramödie „Suburbicon“ (seit 9.7. verfügbar bei Amazon Prime) auf tönernen Füßen. In seiner sechsten verbindet George Clooney eine Familienkrimi aus Kindersicht mit einer schneidenden Gesellschaftssatire, dessen Drehbuch ursprünglich von den Coens stammt, weshalb auch blutig-groteske Elemente nicht fehlen.

Die Handlung kreist um zwei Aufmerksamkeitszentren: In der Nachbarschaft zieht einer afroamerikanische Familie ein, was die weiße Anwohnerschaft so in Rage bringt, dass sich bald eine Bürgerwehr vor dem Haus der Meyers zusammenrottet. Nebenan findet im Haus einer weißen Bilderbuch-Familie die eigentliche Unterminierung von Recht und Ordnung statt, als Finanzdirektor Gardner Logde (Matt Damon) seine an den Rollstuhl gefesselte Ehefrau durch ihre Zwillingsschwester (tolle Doppelrolle für Julianne Moore) ersetzen will.

Die familiäre Gewaltspirale wird dabei konsequent aus der Sicht des kleines Sohnes (Noah Jupe) erzählt, in dessen Sicht die Verkehrung der Angst vor dem Fremden besonders eklatant wird: während sich die Gesellschaft vor Änderungen in der Außenwelt fürchtet, ist der moralische Kern des Zusammenlebens längst erodiert.

Hier findet sich eine Filmkritik zu "Suburbicon".

Und hier geht es zum Film auf Amazon Prime.


Filmplakat zu "Suburbicon"
Filmplakat zu "Suburbicon"

Samstag., 7. Juli

Viele stöhnen derzeit über die Datenschutz-Grundverordnung (DSVGO), weil das grenzenlose Web2.0 plötzlich in geordnetere Verhältnisse überführt wird. Gleichwohl ahnen die meisten, dass die Europäische Union mit der juristischen Ausgestaltung des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung einen ersten Pflock gegen die Datenkraken der Großkonzerne eingeschlagen hat.

Wie es dazu überhaupt kommen konnte, enthüllt der Politthriller „Democracy“ von David Benet, der allerdings keine Fiction, sondern ein lupenreiner Dokumentarfilm ist.

Auf verblüffende packende Weise schafft es Regisseur Benet, das jahrlange Ringen im Europäischen Parlament in einen nervenaufreibenden Film zu verwandeln. Dafür hat „Democracy“ schon viele Preise einkassiert. Die Bundeszentrale für politische Bildung würdigt das, indem sie „Democracy - Im Rausch der Daten“ in ihren kostenlosen Streamingservice aufgenommen hat. Der Film über die Entstehung des europäischen Datenschutzgesetzes steht damit rund um die Uhr zu Sichtung bereit. Ein Service für clevere Bürger, die sich im Widerstreit zwischen dem Schutz der Privatsphäre und ökonomischen Zukunftsperspektiven nicht die Butter vom Brot nehmen lassen wollen.

Hier findet sich eine Filmkritik zu „Democracy - Im Rausch der Daten“.

Und hier geht es zum Film auf dem Streamingportal der Bundeszentrale für politische Bildung.


"Democracy"
"Democracy"


Freitag, 6. Juli

Heute startet bei Netflix die Abenteuerkomödie „The Legacy of a Whitetail Deer Hunter“ von Jody Hill mit Josh Brolin und Danny McBride über einen Mann, der durch seine Jagdvideos im Internet einen gewissen Kultstatus erreicht hat. Für seinen nächsten Film hat der füllige Jäger sich was Besonderes einfallen lassen: Sein kleiner Sohn Jaden soll erstmals mit auf die Pirsch gehen und einen Weißwedelhirsch erlegen. Mit von der Partie ist auch der Kameramann, der den Jagdausflug für die Internet-Community dokumentieren will.

Doch der Wochenendtrip steht unter keinem guten Stern, was schon damit beginnt, dass der Sohn vom neuen Lover seiner Mutter ein hypermodernes Jagdgewehr bekommt. Statt sich mit zwei angegrauten Jägern in Tarnklamotten durchs Dickicht zu schlagen, würde der Sprössling viel lieber mit seinen Freunden chaten. Auch entwickelt sich die Jagd nach einem kapitalen Tier als unerwartet strapaziöse Herausforderung, die durch wachsende Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Trios zusätzlich belastet werden. Das geplante Jagdhelden-Epos gerät so wachsend zum Desaster-Movie.

Hier geht es zum Streaming von "The Legacy of a Whitetail Deer Hunter".


"The Legacy of a Whitetail Deer Hunter"
"The Legacy of a Whitetail Deer Hunter"

Dienstag, 3. Juli

Zum letzten Mal ist heute in der arte Mediathek der Stummfilm „The Lost World von Harry O. Hoyt aus dem Jahr 1925 zu sehen, der sich wie ein Blaupause für alle nachfolgenden Urzeit-Dramen ausnimmt. Ein britischer Naturkundler postuliert darin die Fortexistenz einer „verlorenen Welt“, in der heute noch Dinosaurier leben sollen. Um seine Thesen zu belegen, bricht er mit einer kleinen Truppe zu einer Expedition nach Südamerika auf; dort will er im tiefsten Dschungel ein Hochplateau erkunden, das ein verstorbener Kollege in seinen Tagebüchern erwähnt hat. Dort stößt der Professor tatsächlich auf eine urgeschichtliche Population ziemlich lebendiger Dinosaurier; es gelingt ihm sogar, einen Brontosaurus einzufangen und nach London zu transportieren. Dort kann sich das riesige Urtier aber befreien und richtet Verwüstungen in der Stadt an.

Filmgeschichtlich berühmt wurde „The Lost World“, der nach einer Romanvorlage von Arthur Conan Doyle vor allem wegen der Spezialeffekte von Willis O’Brien, der acht Jahre vor seiner Arbeit an „King Kong und die weiße Frau“ (1933) hier die Stop-Motion-Technik erprobte, mit von Hand bewegten Einzelaufnahmen den Eindruck lebender Dinosaurier zu erzeugen. Aufgrund seiner Einzigartigkeit galt der Film als Welt-Sensation, deren aufwändige Tricksequenzen eine 14-monatige Herstellungszeit erforderten.

Auch die Überlieferungsgeschichte von „The Lost World“ ist reich an kuriosen Geschehnissen; beim Aufkommen des Tonfilms wurde die ursprüngliche 104-minütige Fassung auf 55 Minuten gekürzt und das originale Master vernichtet; damit sollte wohl verhindert werden, dass die Stummfilmfassung einer geplanten Neuverfilmung als Tonfilm im Weg stand. Erst in den 1990er-Jahren konnte die Originalfassung des Films wiederhergestellt werden, nachdem im Filmmuseum Prag eine fast vollständige Kopie entdeckt wurde und eine Recherche in anderen Archiven weiteres Material zu Tage gefördert hatte. Die arte-Sendefassung entspricht weitgehend der Originalversion. Die 2016 abgeschlossene Restaurierung erfolgt digital; ihr liegen Elemente aus elf Kopien zugrunde; als Zwischentitel wurden die Faksimiles der originalen Typografie verwendet.

Hier geht es zum Film.

Filmplakat zu "The Lost World" (1925)
Filmplakat zu "The Lost World" (1925)


Montag, 2. Juli

Als konsequent rebellischer Geist, der sich seit seinen Anfängen in den 1960er-Jahren nie Mainstream-Anforderungen unterworfen hat und die staatliche Filmförderung mit tiefempfundenem Hass ablehnt, hat sich der Filmemacher Klaus Lemke einen einzigartigen Stand erarbeitet. Seine unterfinanzierten, teils improvisierten, aber in schöner Regelmäßigkeit produzierten Filme richten sich ausdrücklich an ein Nischenpublikum, das dem Querkopf entschlossen die Treue hält.

TELE 5 zeigt heute vier Filme aus Lemkes umfassendem Oeuvre: „Negresco – Eine tödliche Affäre“ (1967) gehört zu Lemkes ersten Langfilmen überhaupt und handelt mit vielen Anleihen beim US-Genrekino davon, wie ein erfolgloser Fotograf über die Beziehung zu einer mondänen, aber zwielichtigen Frau in die Jet-Set-Welt eindringen will. Das schlägt einen direkten Bogen zu „Making Judith!“ (22.00-23.50), der letztes Jahr beim Filmfest München Weltpremiere feierte, einer Metakomödie, in der Lemke sich als fiktionalisierte Version seiner selbst den Andien-Versuchen von Möchtegern-Schauspielerinnen, insbesondere seiner Sekretärin, ausgesetzt sieht. Abgerundet wird der Abend durch die skurrile Beziehungskomödie „Das Flittchen und der Totengräber“ (1995), die das „Traumpaar“ Cleo Kretschmer und Wolfgang Fierek aus „Amore“ (1978) wiedervereinte, sowie „Die Ratte“ (1992), mit dem Lemke seine Vorliebe für Kiezgeschichten anhand eines Bruderdramas variierte.

20.15-22.00: Das Flittchen und der Totengräber

22.00-23.50: Making Judith!

23.50-01.35: Die Ratte

01.35-02.00: Negresco – Eine tödliche Affäre



Sonntag, 1. Juli

Was sind schon vier Wochen Fußball-WM? Arte kontert das locker mit sieben Woche Spielfilmen, Dokumentationen und Konzerten rund um das unerschöpfliche Thema Liebe. Zu den Stars, die im Juli und August an Sonn- und Freitagen Liebesbeziehungen zum Zuschauer aufbauen sollen, zählen u.a. Marilyn Monroe, Elvis Presley, John Travolta, Barbra Streisand, Prince, Freddie Mercury, Debbie Harry, Ryan Gosling und George Clooney. Den stilvollen Auftakt zum Summer of Lovers gestalten heute zwei ikonische Schauspieler, die sich durch ihre Auftritte den Status von „Publikumslieblingen“ verdient haben: Der früh verstorbene James Dean, zu sehen in seiner letzten Rolle im Epos „Giganten“ (20.15-23.25) neben illustren Mitspielern wie Rock Hudson und Elizabeth Taylor, und Cary Grant, mit dessen wechselhaftem Leben sich der aufschlussreiche Dokumentarfilm „Cary Grant – Der smarte Gentleman aus Hollywood“ (23.25-00.20) beschäftigt.


Hier geht es zu dem Trailer von "Giganten" auf arte.

"Cary Grant – Der smarte Gentleman aus Hollywood", ist auch in voller Länge in der arte mediathek verfügbar.



Samstag, 30. Juni

Ein französisches Animationsfilm-Highlight aus der arte-Mediathek: „Tod eines Genossen“ von Olivier Cossu. Der Film richtet sich an ein erwachsenes Publikum und greift ein politisches Thema auf. Anfang der 1950er-Jahre kommt es in der französischen Stadt Brest zu sozialen Unruhen und einem Streik. Während einer Großdemonstration eröffnet die Polizei plötzlich das Feuer; im Kugelhagel stirbt ein junger Mann auf dem Vorplatz einer Fabrik. Ein Dokumentarfilmer will daraufhin einen Film im Gedenken an den Getöteten verwirklichen, stößt bei den Freunden des Toten aber zunächst auf Skepsis.

Der Film beruht auf einer Graphic Novel von Étienne Davodeau, die ihrerseits von einem realen Dokumentarfilmregisseur inspiriert wurde: Réne Vautier drehte seit den 1940er-Jahren Filme, die sich sozialkritisch mit den Lebensbedingungen in Frankreich (und seinen Kolonien) befassten. Die atmosphärische, mit äußerlichen Effekten zurückhaltende Animation lässt eine sorgfältige Charakterzeichnung zu und zeichnet ein Bild der Arbeiterklasse voller Sympathie, aber ohne Verklärung. – Ab 16.

Hier geht es zum Film in der arte-Mediathek.

Und hier ein Tipp zum Weiterlesen: „Französische Fantasmagorien – Ein Überblick über Frankreichs florierende Trickfilmwelt“. 

"Tod eines Genossen"
"Tod eines Genossen"


Donnerstag, 28. Juni


Zum Auftakt der WM schockte die Schweiz Brasilien, seit gestern steht fest, dass die Eidgenossen, während die deutsche Mannschaft die Koffer packen musste, die Vorrunde überstanden haben und demnächst im Achtelfinale gegen Schweden antreten. Passend dazu würdigen wir heute das Filmland Schweiz. Unumstritten ist die Kennerschaft der Schweizer im Bankenbereich, wovon der heute auf arte ausgestrahlte Zweiteiler „Private Banking“ (20.15-23.25) handelt. Die Regisseurin Bettina Oberli („Die Herbstzeitlosen“) geht dabei von dem Schock aus, den die Aufhebung des Bankgeheimnisses und die an die Öffentlichkeit gedrungenen Nachrichten von unsauberen Geschäften bei traditionsreichen schweizerischen Banken ausgelöst haben. Die Hauptfigur Caroline muss nach einem Herzinfarkt ihres Vaters überraschend dessen Vorstandposition in seiner Bank übernehmen und sieht sich mit einem undurchschaubaren Metier, unwilligen männlichen Partnern und bitteren Wahrheiten auch über ihren Vater konfrontiert. Meriten erwirbt sich der Zweiteiler vor allem durch die komplexen weiblichen Figuren, die sich in einer von patriarchalischen Grundsätzen ausgehenden Welt zu behaupten lernen.

Hier geht es zu Teil 1 in der arte Mediathek

Hier geht es zu Teil 2 in der arte Mediathek



Mittwoch, 27. Juni


Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) stellt seit Kurzem Filme auch als kostenlosen Stream zur Verfügung. Dabei handelt es sich meist um gesellschaftspolitische Dokumentarfilme wie beispielsweise die „Stau“-Trilogie von Thomas Heise, der 1992 fünf rechtsradikale Jugendliche aus Halle vor die Kamera holte und sie ungefiltert über ihr Leben und ihre Einstellungen sprechen ließ. "Stau - Jetzt geht's los" (1992) sorgt seinerzeit für viel Wirbel, weil der Film auf jede Distanzierung oder Einordnung verzichtete. Mit seinem insistierenden Konzept entpuppte sich Heise neben Andreas Voigt allerdings als der Chronist der Wende.

Acht Jahre später kehrte er erneut nach Halle zurück und besuchte die Protagonisten und ihren Familien mit der Kamera. Die Verunsicherung der unmittelbaren Nachwendezeit ist jetzt einer wachsenden Perspektivlosigkeit gewichen: Keine Arbeit, keine Zukunft. Stilistisch blieb sich der Dokumentarist in „Neustadt. Stau – Der Stand der Dinge“ (2000) treu; erneut lässt der Film Bilder und Menschen für sich sprechen.

Noch einmal sieben Jahre später widmete Heise den längst erwachsenen Männern und Frauen aus dem Hochhausviertel von Halle eine weitere lakonische Studie: „Kinder. Wie die Zeit vergeht“ (2007). Darin verknüpft er aktuelle Gespräche und Aufnahmen auch mit Material aus den ersten zwei „Stau“-Filmen. Die Gegenwartsszenen drehte Heise programmatisch in Schwarz-weiß, was den Industrie- und Hochhauslandschaften etwas zeitlos Monumentales verleiht. Die Protagonisten wirken in ihrer erschreckenden Sprachlosigkeit hingegen wie aus der Zeit gefallen.

Szene aus "Neustadt. Stau - Stand der Dinge"
Szene aus "Neustadt. Stau - Stand der Dinge"

Hier geht es zu den Filmen auf dem Portal der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): „Stau – Jetzt geht’s los“ (1992), „Neustadt. Stau – Stand der Dinge“ (2000), „Kinder. Wie die Zeit vergeht“ (2007).

Ausführliche Kritiken zu den Filmen finden sich hier: "Stau - Jetzt geht's los", "Neustadt. Stau - Stand der Dinge" und "Kinder. Wie die Zeit vergeht".

Ein Porträt der frühen Filme von Thomas Heise („Radikale Ambivalenz“) von Claus Löser findet sich hier.


Plakatmotiv zu "Kinder. Wie die Zeit vergeht"
Plakatmotiv zu "Kinder. Wie die Zeit vergeht"


Dienstag, 26. Juni

Seit 15. Juni ist bei Amazon Prime die zweite Staffel der US-Serie „Goliath“ zu sehen. Die Geschichte um den zum Alkoholiker herabgesunkenen früheren Star-Anwalt Billy McBride (Billy Bob Thornton) war nach 2016 erschienenen acht Folgen in sich abgeschlossen, doch der Erfolg bewog Amazon dazu, eine Fortsetzung in Auftrag zu geben. McBride muss sich diesmal um den Fall eines jungen Latinos bemühen, dem Doppelmord vorgeworfen wird, was sich zur politischen Affäre hochschaukelt, als sich sein Mandant als Geldwäscher eines mexikanischen Drogenkartells herausstellt, dessen Einfluss bis in die Administration von Los Angeles reicht. Dreh- und Angelpunkt der Serie ist weiter ihr fulminanter Hauptdarsteller, der seine Vorstellungen von der Gestaltung seiner Figur in der zweiten Staffel noch stärker mit einbrachte – so sehr, dass Show-Runner David E. Kelley und sein zwischenzeitlicher Ersatz Clyde Phillips („Dexter“) das Handtuch warfen. Fans dürfen sich also auf eine Extraportion Billy Bob Thornton freuen!

Hier geht es zur 2. Staffel der Serie bei Amazon Prime

Billy Bob Thornton in "Goliath"
Billy Bob Thornton in "Goliath"


Montag, 25. Juni

Einen langen Abend mit starken Frauen kann man sich heute auf arte gönnen: Zuerst rollt der Sender der US-amerikanischen Schauspielerin Ava Gardner (1922-1990) einen roten Teppich aus. Anfang der 1950er-Jahre gehörte Gardner zu den glamourösesten Stars in Hollywood, die im schauprächtigen Technicolor besonders zur Geltung kam und durch ihre (dritte) Ehe mit Frank Sinatra auch der Regenbogenpresse reichlich Nahrung bot. Aus dieser Zeit stammt der reizvolle Liebesfilm „Pandora und der Fliegende Holländer“ (20.15-22.15), wo Gardner als exzentrische Amerikanerin in einer Variante der Legende um das Geisterschiff den zur Unrast verdammten Kapitän (James Mason) erlöst.

Nach der Dokumentation „Ava Gardner, die Flamenco-Diva Hollywoods“ (22.15-23.10) folgt Joseph Loseys „Eva“ (23.10-00.55), in der ein zu unverdientem Ruhm gelangter Schriftsteller (Stanley Baker) einer anspruchsvollen Dirne (Jeanne Moreau) verfällt und ihr trotz aller Demütigungen hörig bleibt. Wer braucht noch Männer in Trikots, wenn er Ava und Eva hat?

"Ava Gardner - Die Flamenco-Diva Hollywoods" und "Pandora und der Fliegende Holländer" sind aktuell auch in der arte mediathek zu sehen:

Ava Gardner – Die Flamenco-Diva Hollywoods

Pandora und der Fliegende Holländer

"Eva" ist nur als TV-Ausstrahlung heute um 23.10 Uhr zu sehen. Hier geht es zum Trailer von  Eva


Jeanne Moreau in "Eva"
Jeanne Moreau in "Eva"

Sonntag, 24. Juni

Wer sich nicht der allgemeinen Hektik unterwerfen will, ist bei „Der Tod von Ludwig XIV.“ von Albert Serra bestens aufgehoben. Der Film des Slow-Cinema-Spezialisten ist noch bis einschließlich 26. Juni beim Streamingportal Mubi zu sehen. Im Zentrum stehen die letzten Wochen im Leben des französischen „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. (1638-1715), die der von Wundbrand gepeinigte Monarch im Bett zubringt, umgeben von Höflingen, Ärzten und Kurtisanen. Sein unter einem strengen Protokoll der Beobachtung stehendes Sterben verwandelt das Kammerspiel in eine groteske Vivisektion des Zerfalls absolutistischer Macht. Das hoch stilisierte, filmästhetisch kunstvoll gedehnte Requiem, halb Totentanz, halb Karikatur, entlarvt die Mediziner als aufgeblasene Scharlatane, während der Hauptdarsteller Jean-Pierre Léaud in einer grandiosen Altersrolle dem tödlichen Ernst mitunter einen grotesken Humor abgewinnt.

Mehr Informationen zum Film "Der Tod von Ludwig XIV." und seinem Regisseur Albert Serra gibt es hier.

Hier gebt es zum Film auf dem Streamingportral Mubi

"Der Tod von König Ludwig XIV"

"Der Tod von Ludwig XIV."


Samstag, 23. Juni


"Get out" von Jordan Peele. Der Horrorfilm war einer der Überraschungserfolge im Kino 2017. Für den jungen Afroamerikaner Chris (Daniel Kaluuya) verwandelt sich der Antrittsbesuch bei den Eltern seiner weißen Freundin in einen Albtraum, der immer makabrere Züge annimmt. Erst sind es nur die seltsamen Verhaltensweisen des dunkelhäutigen Personals, die Chris auffallen, doch dann eröffnen sich ihm mit einem Mal die Abgründe hinter der freundlichen Fassade seiner Gastgeber. Mit „Get Out“ präsentiert der US-Komiker Jordan Peele eine hintergründige Gesellschaftssatire mit kritischen Aussagen zum Rassismus im Gewand eines Horrorfilms. Der ambitionierte Thriller ist aber heute, Samstag, 23. Juni, bei Sky abrufbar.

Hier geht es zur Filmkritik von "Get Out"

Und hier ist der Film bei Sky zu sehen. 

Kino-Überraschung im Jahr 2017: "Get out" von Jordan Peele
Kino-Überraschung im Jahr 2017: "Get out" von Jordan Peele


Freitag,  22. Juni

steht bei Netflix neben der ersten auch die zweite Staffel der Marvel-Serie „Luke Cage“ bereit – deren Hauptfigur noch vor dem „Black Panther“ der erste schwarze Titelheld im „Marvel Cinematic Universe“ war. Bereits in der Marvel-Serie „Jessica Jones“ (2015) hatte der muskulöse schwarze Hüne eine tragende Rolle: Luke Cage führte eine Bar im New Yorker Viertel Hell’s Kitchen, wo er sich vor seiner Vergangenheit, besonders dem Verlust seiner geliebten Frau, verschanzte, als er der zynischen Detektivin Jessica begegnete – und ihr offenbarte, dass auch er über besondere Kräfte verfüge: Luke Cage ist unverwundbar, keine Kugel kann seinen Körper durchdringen, keine Explosion ihm etwas anhaben.

In ihrer eigenen Serie spielt allerdings nicht nur diese Figur eine Hauptrolle, sondern auch ihr „Biotop“: der New Yorker Stadtteil Harlem ist ein ganz besonderer Kosmos, in dem alles miteinander verbunden ist, Politik und Kriminalität, Familie und Musik, schwarze Wurzeln und weiße Ressentiments, (Banden-)Krieg und (trügerischer) Frieden, Integrität und Identität. Und Luke muss in diesem Spannungsfeld seine eigene Position finden. Eine ungewöhnliche Serie mit vertrackten Stimmungs- und Tempowechseln, vielen narrativen Haken und Umwegen, langen Dialogpassagen – und viel, viel cooler Stimmung, die sich über Farben und Räume, besonders aber über Klänge und Musik in faszinierender Koloratur ausbreitet - ein schier unerschöpfliches Füllhorn als Monument einer „Black Identity“, was die Serie zum schillernden (kultur-)politischen Statement macht.

Hier mehr über die Serie.

Und hier ist sie bei Netflix zu sehen.



Donnerstag, 21. Juni

empfehlen wir eine interessante Ergänzung und einen Realitäts-Abgleich zum Kinoprogramm. Auf den Leinwänden zieht ab heute in "Ocean's 8" eine furiose Damen-Clique (u.a. Cate Blanchett, Sandra Bullock, Rihanna und Helena Bonham-Carter) das ganz große Ding durch: Einen Juwelendiebstahl im Rahmen einer prachtvollen Gala des New Yorker Metropolitan Museum of Art. Fußball-desinteressierten Zuschauerinnen (und auch Zuschauern), die sich auf das elegante, glamouröse Heist-Movie freuen, können sich mit der Doku „The First Monday in May“ vorbereiten, die als VoD von Wild Bunch angeboten wird und zum Beispiel bei Amazon Prime, Maxdome und Videobuster verfügbar ist. Sie blickt hinter die Kulissen der realen MET-Gala, die den Aufhänger zu „Ocean’s 8“ liefert und zu den Top-Gesellschafts-Events der Stadt gehört, das Jahr für Jahr ein Who’s Who der High Society, der Kunst-, Mode- und Filmwelt anlockt. Der Regisseur Andrew Rossi bekam die Gelegenheit, vor und während der Gala 2015 das Spektakel zu begleiten. Dabei geht es auch um die Frage, ob, ob Mode als Kunst betrachtet werden kann – festgemacht an der Ausstellungseröffnung, die bei der Gala 2015gefeiert wurde: Dabei ging es um eine Modeausstellung um „China: Through the Looking Glass“. Ein Augenschmaus!



Mittwoch, 20. Juni

Uruguay mal nicht von der sportlichen Seite, wie man es derzeit bei der WM erlebt, sondern gespiegelt im Werk eines Architekten: Seit 19. Juni ist bei Mubi mit dem vierten Teil von Heinz Emigholz’ experimenteller Filmreihe „Streetscapes“ das komplette Quartett verfügbar. In „Streetscapes: „Dieste [Uruguay]“ geht es um die Industriebauten und Einkaufshallen des uruguayischen Baumeisters Eladio Dieste (1917-2000), einen der prägenden Baumeister des Landes, der in Uruguay viele öffentliche, industrielle, kommerzielle und religiöse Gebäude entwarf, z.B. die 1958 erbaute „Cristo Obrero“-Kirche in Atlántida. Auch die anderen drei Teile von „Streetscapes“ sind noch bis Juli bei Mubi verfügbar:

„2+2=22 [Alphabet]“ bis 10.7., „Bickels [Socialism]“ bis 11.7. und „Streetscapes [Dialogue]“ bis 17.7.

Insgesamt ergänzen sich die Filme zu einem faszinierenden, facettenreichen Gesamtkunstwerk, das durch die Mitteilsamkeit des Regisseurs über seine konkreten Gegenstände existenzielle Fragen anklingen lässt.

Mehr zu den Filmen

Zu „Dieste [Uruguay]“ bei Mubi

"Streetscapes: Dieste [Uruguay]"
"Streetscapes: Dieste [Uruguay]"


Dienstag, 19. Juni

… stammt unser Tipp vom Streamingportral realeyz, das jenseits des Blockbuster-Kinos kleineren Indie-Produktionen eine Verbreitungsplattform bietet. Seit 6. Juni ist dort der bemerkenswerte Experimentalfilm „Shirley – Visionen der Realität“von Gustav Deutsch zu sehen, eine außergewöhnliche Hommage ans Werk des Künstlers Edward Hopper (1882-1967): Der Film besteht ausschließlich aus so genannten „Tableaux vivants“, also „Lebenden Bildern“, in denen 13 Gemälde des amerikanischen Realisten nachgestellt und auf Film gebannt werden.

In diese Bilder projiziert der Filmemacher gleichsam eine fiktive Geschichte um eine Amerikanerin namens Shirley hinein: Hoppers Gemälde, für die oft seine Ehefrau Josephine Modell stand, werden zu Stationen eines Frauenschicksals zwischen Anpassung und Emanzipation. Shirley ist eine politisch links stehende Schauspielerin, die Hollywood verabscheut, offenbar Mitglied der anarcho-pazifistischen Gruppe „The Living Theatre“ ist und sich zeitweilig in bühnenfernen Jobs wie einer Platzanweiserin im Kino oder einer Sekretärin verdingen muss. So wechselhaft wie ihr Berufsleben ist auch ihr Verhältnis zu ihrem Partner Stephen, einem Fotojournalisten der New York Post.

Mehr über den Film

Zum Film bei realeyz

Shirley
Shirley


Montag, 18. Juni


präsentieren wir einen spannenden Politthriller, der seit dem 15. Juni bei Netflix zu sehen ist. Er stammt aus der Feder von Tony Gilroy, der spätestens seit der „Bourne“-Reihe und Filmen wie „Michael Clayton“ (bei dem er auch Regie geführt hat) und „State of Play“ zu den Top-Drehbuchautoren Hollywoods gehört, wenn es um Politthriller geht.

Nach seinem Weltraum-Ausflug mit „Star Wars: Rogue One“ startet in diesem Jahr ein Projekt von Tony Gilroy, das er schon in den frühen 1990er-Jahren geschrieben hatte, dann aber, vielleicht auch wegen seiner politischen Brisanz lange auf Eis lag. „Beirut“ erzählt von den Spannungen im Nahen Osten der 1970er- und 1980e- Jahre, die längst noch nicht Geschichte sind, sondern immer noch nachwirken; dabei geht Gilroy auch mit der Politik der USA ins Gericht.

Die Hauptrolle spielt „Mad Men“-Star Jon Hamm. Er verkörpert einen Diplomaten, der in den 1970er-Jahren in Beirut jene Zeit miterlebt, in der die libanesische Hauptstadt eine florierende, kosmopolitische Metropole war, bis der libanesische Bürgerkrieg (1975-1990) alles zerstörte. Zehn Jahre später kehrt der Gesandte im Auftrag des CIA nach Beirut zurück, um bei den Verhandlungen um eine Geiselnahme als Unterhändler zu fungieren. Ein Zeitbild, das die Auseinandersetzung lohnt!

Hiergeht es zum Film bei Netflix.

Und hier geht es zu unserer Langkritik von "Beirut".



Sonntag, 17. Juni

geht bei Netflix Yeon Sang-hos außergewöhnlicher Zombie-Film „Train to Busan“ aus dem Jahr 2016 an den Start, der außerdem noch bei diversen anderen Streamingdiensten, z.B. Maxdome, zu haben ist. Ein gestresster Manager und seine Tochter geraten auf einer Zugfahrt in einen Albtraum: Eine Zombie-Plage ist ausgebrochen, die auch den Schnellzug bedroht. Um der Gefahr Herr zu werden, müssen die Passagiere ihre Klassenvorurteile überwinden. Ein furioser Actionfilm mit kritischem Impetus, in dem sich angesichts der Zombie-Heimsuchung die Vorurteile und menschenverachtenden Züge innerhalb der südkoreanischen Gesellschaft erweisen. Auch sehenswert: der thematisch damit verbundene Animationsfilm „Seoul Station“ vom selben Regisseur – beide Filme variieren das Zombie-Motiv weit über dem Standard des Genres.

Hier findet sich die ausführliche Kritik zu dem Film.



Samstag, 16. Juni

feierte auf arte eines der kontroversesten britischen Fernsehereignisse Premiere: die dreiteilige True-Crime-Serie „Three Girls“aus der Feder von Nicole Taylor, inszeniert von Philippa Lowthorpe (in der arte Mediathek überdies noch bis zum 21. .Juni verfügbar). Die Serie greift den Missbrauchsskandal von Rochdale auf. Eine Gruppe pakistanischer Immigranten missbrauchte dort viele Jahre lang Dutzende minderjährige Mädchen aus dem sogenannten „Prekariat“. Ein Verbrechen, das sich auch deshalb so lange hinzog, weil die Behörden die Missbrauchsfälle trotz offenkundiger Beweislage unter den Teppich kehrten. Ein Skandal, der überdies geeignet ist, rassistische Ressentiments zu befeuern: Mutmaßlich angestachelt von der BBC-Miniserie, raste im Juni 2017 ein vierfacher Familienvater im Londoner Finsbury-Park mit einem Van in eine Gruppe von Menschen, die eine Moschee besuchten. „Three Girls“ sticht damit ins Wespennest. Die Auseinandersetzung mit der Serie lohnt!

Hier die ausführliche Kritik zur Serie.

Zur arte Mediathek

Three Girls
Three Girls

Freitag, 15. Juni

empfehlen wir ein Thriller-Highlight. „Wind River“ von Taylor Sheridan spielt in winterlicher Kälte und erzählt von einem Verbrechen, das zusätzlich Gänsehaut verursacht: Ein Fährtensucher (Jeremy Renner) stößt auf die Leiche einer jungen Frau, die vergewaltigt wurde und offensichtlich auf der Flucht vor ihrem Peiniger in der lebensfeindlichen Landschaft erfroren ist. Zusammen mit einer jungen FBI-Agentin (Elizabeth Olsen) sucht er nach dem Mörder – und arbeitet dabei auch an einem eigenen Trauma, das ihm keine Ruhe lässt.

Der fesselnde Film spielt in den tief verschneiten Bergen Wyomings inmitten eines trostlosen Indianerreservats und verbindet seine Kriminalgeschichte mit der sensiblen Beschreibung des schwierigen Zusammenlebens von Weißen und Indianern in der Einsamkeit von Schnee und Schweigen zurück. Der Film ist kürzlich auf DVD erschienen; er ist aber auch schon als VoD über zahlreiche Plattformen, z.B. Amazon Prime, Maxdomeund iTunes, direkt abrufbar.


Eine ausführliche Filmkritik zu "Wind River" findet sich hier:


Wind River
"Wind River"


Donnerstag, 14. Juni

eine der besten deutschen Serien der letzten Jahre: „ 4 Blocks“ von Marvin Kren – eine deftige Gangster-Ballade aus Neukölln (zu sehen z.B. bei Amazon Prime).




Im Zentrum steht das Oberhaupt eines libanesisch-stämmigen Clans (Kida Khodr Ramadan), der sich gerne aus den illegalen Geschäften zurückziehen und mit Frau und Kindern ein bürgerliches Leben führen will. Als sein Schwager, der die Geschicke künftig lenken soll, aber ins Gefängnis kommt, sieht der Mann sich genötigt, das Familienunternehmen doch weiterzuführen, da auch schon der Druck rivalisierender Banden spürbar zunimmt. Hilfe erhofft sich der Boss von einem alten Freund (Frederick Lau), der allerdings seine eigene Agenda verfolgt.

„4 Blocks“ ist eine kraftvolle, mitreißend inszenierte Mischung aus Genre-Hommage und Milieustudie. Da müssten sich die Teams des Eröffnungsspiels Russland gegen Saudi-Arabien um 17 Uhr schon mächtig ins Zeug legen, wenn sie einen ähnlichen Energie-Level erreichen wollen.

Mehr zu „4 Blocks“ geht es hier.

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