Konfetti 10: Bilder über Bilder

Dienstag, 10.07.2018

Im „Konfetti“-Blog versammelt der Siegfried-Kracauer-Stipendiat Lukas Foerster Beobachtungen rund ums Kino. In John M. Stahls „Todsünde“ (1945) spürt er der Doppelcodierung von innerem und kinematografischem Bild nach.

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Eine Lieblingsszene aus einem Lieblingsfilm: „Leave Her to Heaven („Todsünde", 1945, Regie John M. Stahl, Musik Alfred Newman), nach einer guten Stunde. Ellen Berent (Gene Tierney) blickt auf Richard Harland (Cornel Wilde), ihren Mann. Gerade hat sie, das weiß sie und das Publikum, den Tod von Richards Bruder verursacht. Ihr Mann, der noch nichts weiß, aber bereits einiges ahnt, sitzt traurig und verloren auf den Klippen am Meer. Ellen blickt zunächst aus dem Fenster des gemeinsamen Hauses, hoch aufgerichtet, mit unbewegter Miene. Dann tritt sie, während die zunächst stürmisch aufbrausende Musik langsam abklingt, vor die Tür, gekleidet in einem im Stil einer Uniform designten Morgenmantel. Es folgt ein weiterer Schnitt auf Richard, aus Ellens Perspektive, und dann eine Großaufnahme der Frau. Sie hebt die Hand an den Mund und möchte ihm etwas zurufen. Doch anstatt ihrer Stimme hört man zwei gedämpfte Töne eines Blasinstruments (vermutlich ein Horn).

Die Musik ersetzt die Stimme. Paradoxerweise fungiert der Klang des Instruments gleichzeitig als ein Surrogat der sprachlichen Artikulation und als eine Bezeichnung für die Unfähigkeit der Frau, ihren Gatten anzusprechen.

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