Serie: The Eccentric Family

Menschen, Waschbären, und alles dazwischen: Staffel 1, Vol. 1 & 2 einer schrägen Anime-Serie

Diskussion

Der allzu frühe Tod des Oberhaupts jenes Familien-Clans, um den es in dieser schrägen Anime-Serie geht, provoziert die Frage nach einem würdigen Nachfolger. Vor allem Yasaburou Shimogamo, der dritte Sohn des Tanukis, sieht sich damit konfrontiert, in die Fußstapfen des Toten zu treten und damit seinem bisherigen „Einfach-nur-Dahinleben“ einen tieferen Sinn zu geben. Als Grundkonzeption ist das keine sonderlich originelle Plotline für einen Filmstoff, geschweige denn für eine epische Ausformulierung in einer zweibändigen Romanvorlage, den daraus entstandenen Mangas (vier Bände) sowie der animierten TV-Serie, deren erste Staffel nun in zwei Teilen auch in Deutschland vorliegt. Doch trotz des schlichten Plots hat der Stoff seine Reize – hat die hier im Zentrum stehende „exzentrische“ Familie ihr Adjektiv doch mehr als verdient!

Dazu muss man wissen, dass ein „Tanuki“ eigentlich von der Art her ein japanischer Waschbär ist. Doch in Tomihiko Morimis Geschichte und in Masayuki Yoshiharas Serie sind es Gestaltwandler, die in Eintracht mit den Menschen leben, indem sie zumeist – aber nicht immer (!) – deren Äußeres simulieren. Mal Mensch, mal Waschbär, aber auch mal Frosch und mal Feuerleiter – ganz nach Belieben und nach Talent. Denn wie auch der Mensch, braucht ein Tanuki einen versierten Lehrer. Den hat Yasaburou in Form von Prof. Akadama, der als Meister sämtliche Mitglieder der Shimogamo-Familie ausgebildet hat, sodass sie sich munter verwandeln, aber auch fliegen können.

Dass Yasaburous Vater von Menschen – genauer gesagt: den Mitgliedern des ominösen „Friday Clubs“ – genüsslich als Waschbäreintopf verspeist wurde, gehört nur zu den Randnotizen dieser von Minute zu Minute absurder werdenden Geschichte einer bemerkenswert symbiotischen Co-Existenz verschiedener Lebensformen. Zu der gehören im Übrigen auch die Tengus, ihres Zeichens gerne als Vögel auftretende Götterwesen. Yasaburou hat zu allen einen gleichermaßen unbeschwerten Kontakt. Allen voran zu Benten, eine Art Wanderer zwischen den Arten. Ihres Zeichens Mensch, hat sie ebenfalls von Prof. Akadama eine „Ausbildung“ erhalten und gehört nun zu den Talentiertesten. Gleichzeitig ist die beste Freundin Yasaburous, aber auch Mitglied des „Friday Clubs“, gewillt, einmal im Jahr Tanuki zu verspeisen.

Bevor in der zweiten Hälfte der ersten Staffel die Intrigen zwischen Tanuki und Menschen eine bedrohliche Ausprägung erfahren, ist die Animationsserie eine eher leichtfüßige und fast schon absurd-skurrile Anime-Spielart. Während sie inhaltlich von pointenreichen Begegnungen, aber auch erdenschweren Dialogen und ungewohnter Ernsthaftigkeit beseelt ist, gehört sie visuell eher zu den Vertretern des naiven Anime. Infantil, mitunter expressionistisch anmutende Zeichnung und betonte Simplifizierung der (menschlichen) Physiognomie machen es mitunter schwer, der Tragödie mit aller gebotenen Ernsthaftigkeit zu folgen.

So man sich mit dieser bewusst installierten, wenn auch wohl eher in der westlichen Zuschauer-Hemisphäre für Irritierung sorgenden Eigenheit arrangiert hat, muss man sich nur noch mit den eigentümlichen dramaturgischen Gegebenheiten dieser mit „exzentrisch“ nur unzureichend charakterisierten Welt versöhnen. Das fällt mitunter schwerer, wenn es etwa beiläufig heißt, dass Benten als Kind von Prof. Akadama einfach mal entführt wurde, damit er sie als Tochter aufziehen und trainieren konnte. Aus der Nähe betrachtet sind so einige narrative „Beiläufigkeiten“ ungeheuerlich. Manche sind auch nach Ende der ersten Staffel (die den ersten Roman als Vorlage hat) noch nicht ausdiskutiert. Bleibt abzuwarten, was die außerhalb von Deutschland bereits erschienene zweite Staffel der Serie noch zu bieten hat.

Leider ist die hiesige Veröffentlichung mit zwei völlig überteuerten Teilstaffeln äußerst unbefriedigend, sodass man schon viel Gleichmut und Geld benötigt, um abwarten zu können, welche Wendungen diese fantastische Geschichte im beschaulich-geschäftigen Kyoto unsere Tage weiter bereithalten wird.

Anbieter/Fotos: Universum

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