Hans Helmut Prinzler zum 80.

Eine Würdigung des umtriebigen Publizisten

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Am Sonntag, 23. September 2018, feiert Hans Helmut Prinzler seinen 80. Geburtstag. Auch im Ruhestand ist der umtriebige Publizist ein leidenschaftlicher Filmvermittler geblieben, der insbesondere auf seiner Website www.hhprinzler.de ständig höchst Lesens- und Sehenswertes zusammenträgt.


Die erste Begegnung, das erste Gespräch fand vor rund 40 Jahren in der Pommernallee in Berlin statt; Hans Helmut Prinzler war Studienleiter der dffb; ich bereitete für die Kinemathek das erste Buch über Marlene Dietrich vor. Wir sprachen über Filmliteratur und waren uns fast einig, dass es viel zu wenig Filmbuch-Rezensionen gibt. Fast, denn Prinzler nannte als rühmliche Ausnahme Volker Baer und seine Filmseite im „Tagesspiegel“. Erst als Baer den „Tagesspiegel“ verlassen hatte und es dort dann bald keine Filmbuch-Rezensionen mehr gab, wurde mir meine Fehleinschätzung klar.

Heinz Rathsack, damals in Personalunion Leiter der dffb und der Kinemathek, holte Prinzler an die Kinemathek. Die Leidenschaft für Bücher und Filme war beiden eigen; daraus war schon die „Reihe Film“ im Hanser Verlag entstanden, für deren Herausgeber und Autoren die Kinemathek die Filme besorgte und im kleinen Kino der dffb zeigte. Prinzler steuerte den Datenteil bei; später übernahmen Wolfgang Jacobsen und Frank Arnold diese Aufgabe. Man darf das ruhig Goldene Zeiten nennen, denn heute würde so eine dauerhafte Kooperation unweigerlich an Verwaltungsvorschriften scheitern.

In der Kinemathek leitete Prinzler die jährlichen Retrospektiven zur „Berlinale“ und gab die Begleitpublikationen heraus. Nach Rathsacks Tod wurde Prinzler 1990 alleiniger Vorstand der Kinemathek; die Institution vergrößerte sich und zog im Jahr 2000 in das neu errichtete Filmhaus am Potsdamer Platz. Das Projekt eines eigenen Hauses für Kinemathek, Arsenal und dffb hatte schon Rathsack verfolgt und unter den in Berlin nicht unüblichen zahlreichen Rückschlägen gelitten. Nach einem dieser Rückschläge wurde Prinzler im Radio gefragt: „Sind Sie jetzt enttäuscht oder frustriert?“ – „Eher erschöpft“, lautete die diplomatische Antwort. Diplomatie und Geduld, Beharrlichkeit und Mut für das scheinbar Unmögliche waren nur einige Merkmale seiner Leitungstätigkeit.

1991 rief Prinzler die Zeitschrift „FilmGeschichte“ ins Leben – ein Forum und bald ein unentbehrliches Vademecum für alle Cinephile. Prinzler übernahm neben der Herausgabe die Filmbuch-Rezensionen. Das hatte auch einen ganz praktischen Zweck; er folgte – auf seine eigene Art – dem Beispiel von Eberhard Spieß, der schon für die Zeitschrift des Deutschen Instituts für Filmkunde Bücher besprochen hatte, die er anschließend der unter Finanznöten leidenden hauseigenen Bibliothek überließ. Ebenso machte es Prinzler.

Hans Helmut Prinzler (r.) mit Michael Athen (l.) und Wim Wenders (M.) bei der Präsentation von "Auge in Auge - Ein deutsche Filmgeschichte"
Michael Athen, Wim Wenders und Hans Helmut Prinzler (v.r.)

Nachdem er im März 2006 die Kinemathek aus Altersgründen verlassen hatte, folgten Ehrungen und Ehrenämter und vor allem die mit Michael Althen realisierte dreiteilige Filmdokumentation „Auge in Auge“ zur deutschen Filmgeschichte – ein Klassiker auf ihrem Gebiet. Die Zeitschrift „FilmGeschichte“ erlitt nach seinem Abschied aus der Kinemathek dasselbe Schicksal wie Jahre zuvor die ebenfalls von Prinzler gegründete hausinterne Publikation „dffb Info“. Es erschienen noch einige Hefte, dann wurde sie eingestellt. Es fehlten hier wie dort die unbedingte Leidenschaft und Zuwendung.

Ehrenämter, mal ein Artikel hier, ein Vortrag dort, das alles reichte Prinzler nicht im Ruhestand. Seit 2011 hat er seine eigene Webseite www.hhprinzler.de, die er täglich, ja wirklich täglich, mit Filmbuch-Rezensionen, DVD-Besprechungen und Aktuellem zur Filmgeschichte aktualisiert. Wer die Seite 14 Tage lang nicht aufruft, sieht mit Verblüffung, was er oder sie alles verpasst hat, was unbedingt gelesen werden muss, welche alten Filme neu auf DVD erschienen sind. So viele „Portale“ ersticken an ungefilterten Informationen; bei Prinzler ist man aufgehoben wie bei einem erfahrenen Sommelier. Auf seiner Seite und vor allem im Porträt von Frederick Lang auf dffb-archiv.de lässt sich zur Biografie von Hans Helmut Prinzler nachlesen, was ich hier ausgelassen habe. Seine erstaunliche Bibliografie mag einschüchternd wirken; das legt sich aber für den, der sich unweigerlich in der Vielzahl seiner Vorträge – ebenfalls auf www.hhprinzler.de – verliert. Prinzler doziert nicht mit der professoralen Attitüde des Fachgelehrten, sondern lädt die Leser auf Entdeckungsreise in seine Erlebnisse mit Filmen und ihren Geschichten ein.

Gibt es einen verborgenen Grundton seiner Rezensionen? „Ich verreiße die Bücher nie oder fast nie.“ Was er nicht mag, das bespricht er nicht. Das muss dann aber wirklich schon ziemlich unterm Strich sein. Ich bin gespannt, was am 23. September, seinem 80.Geburtstag, erscheinen wird. Vielleicht die Besprechung eines fiktiven Wunschbuches, eines, das noch nicht geschrieben wurde und schon so lange vermisst wird. Ein ultimativer John-Ford-Bildband etwa oder die Gesamtedition der Filme von Yasujiro Ozu. Er wird uns überraschen, an diesem wie an jedem anderen Tag.

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