Rufmord

Diskussion

Die junge Grundschullehrerin Luisa Jobst (Rosalie Thomass) hat sich mit ihrer erfrischenden Art und ihrem geschickten Umgang mit den Kindern rasch an einer Schule in der bayerischen Provinz eingelebt. Eines Tages jedoch wird ein Nacktfoto von ihr auf die Schul-Website gestellt und an die Eltern verschickt – der Beginn einer diffamierenden Kampagne, von Belästigungen und Drohungen gegen die Lehrerin. Diese verdächtigt einen Vater (Johann von Bülow), dessen Sohn sie keine Empfehlung fürs Gymnasium gegeben hat; das Dorf steht jedoch hinter dem erfolgreichen Unternehmer, Luisas Anzeige wird nicht ernst genommen. Schließlich willigt die völlig Verzweifelte ein, sich beurlauben zu lassen; kurze Zeit danach verschwindet sie, in ihrem Haus finden sich Spuren, die auf eine Vergewaltigung und einen Mord hindeuten.

Das Fernsehdrama von Viviane Andereggen verbindet die Darstellung der Wunden, die sich durch die Weiterverbreitung von Gerüchten bei den Betroffenen bestehen, mit der Schilderung einer bigotten Dorfgesellschaft: Ähnlich wie in Arthur Millers Drama „Hexenjagd“ und Thomas Vinterbergs „Die Jagd“ stoßen die Gerüchte auf fruchtbaren Boden und werden hier durch die Schwarm-Dummheit im Internet, die Lügen ungeprüft weiterverbreitet, noch zusätzlich befeuert. Die Selbstgerechtigkeit der Verächter und das Leid der Betroffenen werden dabei mit hoher Intensivität getroffen. Ein wenig konstruiert wirkt lediglich die Entwicklung zum Krimi, mit der die Urheber des Rufmords selbst öffentlich ins Zwielicht gezerrt werden. – Ab 16.

Link zum Film in der arte-Mediathek


Foto: ZDF/Hendrik Heiden

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