Laudatio auf Werner Ruzicka

Freitag, 02.11.2018

Pepe Danquart über einen Advokaten des Dokumentarischen, der als langjähriger Leiter den Duisburger Filmtagen ein unverwechselbares Profil gegeben hat

Diskussion

Eine Ära geht zu Ende: Nach den 42. Duisburger Filmtagen (5.-11.11.) verabschiedet sich deren langjähriger Leiter Werner Ruzicka, der wie kein anderer in Deutschland für die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Dokumentarfilm steht. Eine Würdigung des unbeirrbaren Festivalleiters, der mit geschliffenen Bonmots und geistiger Präzision das Sprechen über Film geadelt hat.


Die im Verband der deutschen Filmkritik versammelten Filmkritiker haben in diesem Jahr ihren Ehrenpreis an einen Menschen verliehen, der zwar auch vier Filme in seiner Biografie vermerkt hat, aber dessen Tätigkeit eher eine performative ist: seine über vier Jahrzehnte währende Anstrengung, dem Dokumentarischen einen Ort zu verschaffen, der das Sprechen über Film ebenso ernst nimmt wie das Bewegbild selbst.

Inmitten des Ruhrgebiets, bei der Duisburger Filmwoche, der Herbstsonate gegen das Verblöden, dem Novemberlied der Vielfalt, fand er seine Berufung. Seit 1985 leitet Werner Ruzicka dieses Festival für den deutschsprachigen Dokumentarfilm und prägte es maßgebend. So ist eine Würdigung seiner Person zugleich auch eine Würdigung seines Festivals. Natürlich sind es viele, die es möglich machten, dass dieses Festival seit 42 Jahren jährlich stattfindet, finanziell, durch aktive Mitarbeit, durch die Partizipation der Filmemacher, Autoren und Referenten – aber es gibt eben nur eine Konstante: Werner Ruzicka.



„Berlin kann jeder, aber Duisburg muss man wollen“, lautet eine Überschrift in dem vom Festival 2017 herausgegebenen Buch „Aussichten. Öffentliches Reden über Dokumentarfilm“. Denn die Beibehaltung des Anspruches, Raum für reflektiertes Sprechen (über den Dokumentarfilm) zu schaffen, keine Parallelvorführungen zuzulassen, die sorgfältig kuratierte Auswahl jenseits des „Mainstreams“ oder vordergründig populären Dokumentarfilms macht das Festival sperriger, weniger leicht konsumierbar, anstrengend im Sinne der eingeforderten aktiven Partizipation der Teilnehmenden. Für Ruzicka, als wichtigster Entscheidungsträger der Festivalstruktur, war dies stets mehr Ansporn als Abschreckung.

Seine Weigerung, mit der Duisburger Filmwoche die zunehmende Verflachung von Festivals mit Parallelveranstaltungen und Markteinführungen mitzumachen, nur um durch bloße Akkumulation von Programreihen dessen Wichtigkeit zu unterstreichen, war bald schon eine Geste des Widerstands. Es war das hartnäckige Festhalten am Grundsatz, dass das Sprechen über Film einen mindestens so großen Stellenwert besitzt wie das Schauen der Filme.

Diese Widerstandsgeste, mit dieser oberflächlich gesehen konservativen Haltung, den oberflächlichen Trend des im Pasolini’schen Sinne reinen und zerstörerischen Konsumismus nicht mitzumachen, war auch für Ruzicka nicht immer einfach durchzuhalten. Es gab die Zeit der Stigmatisierung, als alt

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