Für eine Handvoll Dollar (3sat)

13.12., 22.25-00.02, 3sat

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Mit der sogenannten „Dollar-Trilogie“ stieß der italienische Regisseur Sergio Leone nicht nur das Subgenre des Italo-Westerns an, sondern begründete auch die Karriere von Clint Eastwood, der als unrasierter Pistolero den Prototyp des einsamen Kämpfers verkörperte, der scheinbar für Geld, in Wahrheit aber aus einer Traumatisierung heraus zu töten bereit ist.

3sat erinnert heute mit Für eine Handvoll Dollar (13.12., 22.25-00.02) und morgen mit „Für ein paar Dollar mehr“ (14.12., 22.25-00.30) an die unerwartete Vitalisierung eines seinerzeit recht ausgelaugten Erzählformats, welche mit extremen Nahaufnahmen, schnellen Schnitten und der suggestiven Musik von Ennio Morricone ebenso in Bann zog wie es durch die Amoralität des verschlossenen Antihelden verschreckt, der traditionelle Gut-Böse-Verteilungen mit grimmiger Miene gleich mit über den Haufen schoß.

Wie radikal der Bruch mit den Erzähltraditionen damals empfunden wurde, lässt sich unter anderem  an zeitgenössischen US-Filmkritiken nachvollziehen, die über eine „aufgeblasene Cowboy-Parodie“, „Vergewaltigung eines Mythos“ oder einen billig produzierten „Ersatz-Western“ lamentierte, der anscheinend beweisen wolle, „dass man Menschen durch Abstechen, Verbrennen, Zertrampeln und Zerfetzen umbringen“ könne. Dass „Eine Handvoll Dollar“ im Grunde ein Remake von Akira Kurosawas Drama „Yojimbo – Der Leibwächter“ (1961) war, wurde anfangs kaum wahrgenommen.

Leone und seine Epigonen feierten mit den bald auch selbstironisch überspitzten Western-Persiflagen in den 1960er-Jahren enorme Erfolge. Der stilistische Überschuss, der sich nicht mehr an Themen der US-amerikanischen Geschichte austobte, sondern auf unterhaltende Effekte und neue Erzählweisen kaprizierte, bedingte eine regelrechte Filmschwemme, die erst in den 1970er-Jahren abebbte und auf andere Genres übersprang.

Für Clint Eastwood kann man den Bogen von den staubigen Anfängen in der spanischen Provinz Almeria, wo die Dreharbeiten stattfanden, bis zu seinem Meisterwerk „Erbarmungslos (1992) spannen, das unübersehbar vom Einfluss Leones, aber auch von den Wandlungen des Schauspielers zeugt, der darin seine eigene Werkgeschichte einer Art Revision unterzieht.

"Für ein paar Dollar mehr" läuft am 14.12., 22.25-00.30, 3sat


Foto aus „Für eine Handvoll Dollar“: ZDF/BR/Constantin-Film GmbH/Jolly Film S.r.l. Rom/Ocean Film

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