Kopfüber in die Nacht

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Der Vorwandcharakter dieser Geschichte ist ganz offensichtlich. Ein junger Mann (Jeff Goldblum), unter Schlaflosigkeit und unter der Untreue seiner Frau leidend, wird bei einem ziellosen nächtlichen Streifzug zufällig in eine verwirrende und turbulente Kriminalgeschichte hineingezogen. Er rettet eine geheimnisvolle schöne Frau vor ebenso geheimnisvollen Verfolgern - und wird mit ihr zusammen ebenfalls zum Gejagten. Daß es dabei um kostbare Steine geht, und daß das Ganze trotz düsterer Aussichten und höchst makabrer Geschehnisse happy-endet, ist letztlich unerheblich. Ausschlaggebend ist die nichtendenwollende Folge komisch-gefährlicher Situationen, in die der nachtschwärmende Tagträumer da gerät und die er - wider Erwarten - mit linkischer Eleganz dennoch besteht.

So, als gälte es, um jeden Preis ein veraltetes Handlungsmuster ein letztes Mal wiederzubeleben und zu legitimieren, stürzt John Landis sieh auf die Genre-Details: weitgehend absehbare Slapstick-, Comedy- und Thriller-Elemente sucht er durch neue minimale Wendungen, Brechungen und durch listiges Spiel mit Zuschauererwartungen zu veredeln. Es gelingen ihm auf diese Weise durchaus herrliche satirische, humoristische und parodistische Momente - aber es bleibt eben bei der raschen und geschickten Kompilation gelungener Einzelteile, die er eher kühl unterspielt als klamottenhaft auftrumpfend inszeniert. Das ist insgesamt witzig, schlüssig und kurzweilig; aber der überzeugende bitter-komische Tiefgang etwa von "American Werewolf", in dem gesellschaftskritischer Scharfblick und lustvolle Genre-Spielerei bruchlos und fesselnd vereint sind, will hier nicht ganz gelingen. Dabei fehlt durchaus nicht an hintergründigen und bissigbizarren Seitenhieben - ob nun blutige Handlungsklischees und rassistische Personenmuster des US-Thrillers, Sexbesessenheit, Starkult oder entmenschlichte Arbeitswelt aufs Korn genommen werden -, es bleibt doch letztlich Stückwerk; der satirische Ansatz reduziert sich bei dem doch etwas zu unverbindlich geratenen Handlungskonzept auf ein kabarettistisches Potpourri im Gewand des Spannungsfilms. Man spürt, die Ideen reichen nicht ganz aus und die Story zeigt unversehens brüchige und absehbare, ja manchmal auch "leere" Stellen - kurzum das, was Landis eigentlich gleichzeitig zu entlarven und zu überwinden suchte.

Kann er auch vor den letzten beiden Filmen des Regisseurs nicht ganz bestehen, so ist "Kopfüber in die Nacht" doch allemal noch ein weit überdurchschnittlicher Unterhaltungsfilm, der zudem für den "Insider" die Möglichkeit eines witzigen Personenrätsels bietet, indem er in komischer Konsequenz hochkarätige Laiendarsteller, Regisseure und Popstars - Jack Arnold, David Cronenberg, Roger Vadim, Paul Mazurski, David Bowie oder John Landis selbst - in kleinen aber wesentlichen und vergnüglichen Chargen effektvoll einsetzt.

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