Zum 80. Geburtstag von Joseph Vilsmaier (BR)

19.1., ab 20.15, BR FERNSEHEN

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Mit seinen Regiearbeiten hat sich der am 24.1.1939 geborene Joseph Vilsmaier nicht immer und überall Beifall erworben: Mitunter arg vereinfachte Geschichtsbilder, übermäßige Sentimentalität oder – vor allem bei seinen Dokumentarfilmen – auch Einseitigkeit in der Darstellung, sind durchaus berechtigte Vorwürfe gegen viele seiner Werke. Nicht absprechen lässt sich dagegen ein Auge des gelernten Kameramanns für einprägsame Bilder – und ein Gespür für publikumswirksame Stoffe in unterschiedlichsten Genres vom Historiendrama über diverse Literaturverfilmungen bis zu Kinderfilmen.

Der BR zeigt heute zu dessen 80. Geburtstag zunächst Joseph Vilsmaiers spätes Regiedebüt „Herbstmilch“ (20.15-22.00), mit dem er 1988 aber sofort reüssieren konnte. Mit seiner Ehefrau Dana Vávrová in der Hauptrolle erzählt der Film die Geschichte der jungen Anna aus Niederbayern in den Jahren 1938-1945: Nach dem frühen Tod der Mutter hat sie auf einem kleinen Bauernhof unter armseligen Bedingungen eine große Familie zu versorgen, nach ihrer Heirat muss ihr Mann Albert (Werner Stocker) in den Krieg und sie sich allein um dessen Familie kümmern. Vilsmaier, der die Kamera mit übernahm, gelang damit eine in vielen Details stimmige, unprätentiöse Verfilmung der Lebenserinnerungen einer Bäuerin.

Mit „Rama Dama“ (22.30-00.10) legte Vilsmaier zwei Jahre dann im selben Stil und mit denselben Hauptdarstellern mit einem Film über die Nachkriegszeit nach: Die ausgebombte Friseuse Kati schlägt sich nach 1945 mit zwei Kindern durchs Nachkriegs-München, während ihr Mann noch nicht heimgekehrt ist. So geht sie eine Liebesbeziehung mit einem angeblichen Frontkameraden ihres Mannes ein, bis dieser eines Tages in der Tür steht. Der Film spricht viele Probleme an, ohne sie wirklich zu reflektieren, empfiehlt sich aber immerhin durch seine Detailverliebtheit.

Foto aus „Herbstmilch“: BR/ZDF/Peter von Haller

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