Berlinale - Startschuss für LaCinetek.de

Sonntag, 10.02.2019

Bei der "Berlinale" wurde das neue VoD-Portal für Filmklassiker vorgestellt

Diskussion

So viel Farbe, so viele Filme, könnte sich Bruno Ganz als Engel Damiel in „Himmel über Berlin“ angesichts des neuen VoD-Portals LaCinetek.de wundern, das bei der „Berlinale“ soeben gestartet wurde. Dort präsentieren Filmemacher ihre Lieblingsfilme, die zum Streamen oder Downloaden zur Verfügung stehen. Endlich eine Filmgeschichte für alle, jubelt da nicht nur Wim Wenders.


Wer im Netz schon mal versucht hat, einen Filmklassiker zu sichten, kann oft lange suchen. Manchmal wird man fündig, aber viele Meilensteine der Filmgeschichte sind im Internet schlicht nicht abrufbar. Das soll sich hierzulande aber jetzt ändern. Auf der „Berlinale“ wurde das neue „Video on Demand“-Portal LaCinetek.de gestartet, das Filmklassiker des 20. Jahrhunderts aus aller Welt einem breiten Publikum zugänglich macht. Vorgestellt wurde die Website von Vertretern von der Nonprofit-Organisation La Cinémathèque des Réalisateurs, der Deutschen Kinemathek und EYZ Media.


LaCinetek wurde im November 2015 von den Filmregisseuren Pascale Ferran, Laurent Cantet und Cédric Klapisch ins Leben gerufen, die alle Mitglieder von La Cinémathèque sind. In Berlin nahmen neben Cantet und Klapisch auch die Regisseure Wim Wenders und Christoph Hochhäusler am Start der deutschsprachigen Plattform teil, die ab sofort auch in Österreich erreichbar ist.


250 Film stehen bereits zur Verfügung

Das Besondere an der unabhängigen Website besteht darin, dass die angebotenen Filme von namhaften Regisseuren ausgewählt und kommentiert werden. Bislang haben mehr als 60 Regisseure von Maren Ade über Costa-Gavras Aki Kaurismaki, François Ozon, Park Chan-wook und Christian Petzold bis Agnès Varda mehr als 1000 Filme kuratiert. Davon sind 250 nur über LaCinetek zugänglich. Jeden Monat kommt ein neuer Regisseur oder eine neue Regisseurin hinzu, die eine Liste mit 50 Filmen aus dem 20. Jahrhunderts vorschlagen, die sie inspiriert haben und die für sie eine „ideale Filmbibliothek“ darstellt.

Von Jean-Baptiste Viaud, dem Geschäftsführer der Cinémathèque des Réalisateurs, erfuhr man in Berlin, dass 2018 in Frankreich 30.000 Filme über das Portal abgerufen wurden, gerade auch von jungen internetaffinen Filmliebhabern.

Der künstlerische Direktor der Deutschen Kinemathek, Rainer Rother, sagte, dass man mit der Website zusätzliche Distributionswege für Filmklassiker nutzen können. „Die technischen Möglichkeiten sind da, sie wurden bisher aber kaum in Anspruch genommen. Es gibt einen Bedarf, gute Filme zu sehen, wiederzusehen und zu entdecken.“ Anlässlich des Portalstarts erklärte die Filmemacherin Maren Ade: „Ich kann mir kein interessanteres Geschenk für junge Leute auf der Suche nach Inspiration vorstellen als dieses Archiv. Es ist der pure Ausdruck von Liebe zum Kino.“


Archiv in SH oder HD

Alle Filme des LaCinetek-Katalogs sind ohne Abonnement in SD und HD verfügbar. Man kann einzelne Filme ab 2,99 Euro streamen oder ab 7,99 Euro per Download erwerben. Der Projektleiter von LaCinetek Deutschland und Österreich, Andreas Wildfang, betonte, dass in Frankreich allerdings der Abonnement-Bereich sehr erfolgreich sei. Man wolle das zugrundeliegende Kuratierungsprinzip ebenfalls nach Deutschland bringen, so dass in den nächsten sechs Monaten mit themengebundenen Sammelangeboten wie in Frankreich zu rechnen sei.

Cedric Klapisch erklärte, dass in Frankreich LaCinetek „zwar noch nicht Mainstream, aber mehr als eine Nische“ sei. Durch die internationale Expansion hoffe man, den Lizenzerwerb zu erleichtern und so das Titelangebot rasch zu vergrößern.

Besonders angetan von der Initiative zeigte sich Wenders, der hervorhob: „Damit geht ein Traum in Erfüllung. Jetzt gibt es Filmgeschichte für alle!“ Hoffentlich mache das Portal bald auch in anderen Ländern die Runde. „Man kann so viel lernen vom Kino. Die gesamte Filmgeschichte ist ja wie ein offenes Buch.“ Statt nur 50 Filme hätte er auch 500 aussuchen können.


Beiträge aus der Retrospektive

Zum Start des Portals werden sechs Filme der aktuellen „Berlinale“-Retrospektive parallel auf LaCinetek gezeigt, die auch nach dem Festival verfügbar sind: „Neun Leben hat die Katze“ von Ula Stöckl, Tue recht und scheue niemand“ von Jutta Brückner, „Ich denke oft an Hawaii“ von Elfi Mikesch, „Unter dem Pflaster ist der Strand“ on Helma Sanders-Brahms, „Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann“ von Helke Misselwitz sowie „Die Taube auf dem Dach“ von Iris Gusner.


Foto oben: "Himmel über Berlin". LaCinetek.

Kommentar verfassen

Kommentieren