Berlinale 2019: Preise der Ökumenischen Jury

Sonntag, 17.02.2019

Klare Voten für einen Aufbruch aus verkrusteten Strukturen, Empathie, Nächstenliebe und ein grundsätzliches Überdenken im Umgang mit der Welt

Diskussion

Klares Votum der Ökumenischen Jury bei der "Berlinale": Die Jury würdigte mit "God Exists, Her Name Is Petrunya" von Teona Strugar Mitevska ein Zeichen des Aufbruchs gegen patriarchale Strukturen, hier sogar innerhalb einer religiösen Sphäre, der orthodoxen Kirche. Auch mit den Preisen aus dem Nebenreihen Panorama und Forum ehrt die Jury Filme mit eindeutig politischen Themen.


Die internationalen Filmorganisationen der evangelischen und der katholischen Kirchen, Interfilm und SIGNIS, sind seit 1992 bei der „Berlinale“ vertreten. Die aus sechs Mitgliedern bestehende Ökumenische Jury vergibt ihren Hauptpreis für einen Film aus dem Wettbewerb sowie je einen mit 2 500 Euro dotierten Preis für einen Film aus der Sektion Panorama und aus dem Programm des Forums.

Mit diesen Preisen werden Filmschaffende geehrt, die in ihren Filmen ein menschliches Verhalten oder Zeugnis zum Ausdruck bringen, das mit dem Evangelium in Einklang steht, oder die es in ihren Filmen schaffen, das Publikum für spirituelle, menschliche und soziale Werte zu sensibilisieren.


Preisträger im Wettbewerb 2019



Gospod postoi, imeto i’ e Petrunija“ 

(God Exists, Her Name Is Petrunya) von Teona Strugar Mitevska

„Die Ökumenische Jury verleiht ihren Preis an das zeitgenössische Gleichnis „Gospod postoi, imeto i’ e Petrunija“ für seine wagemutige Schilderung der Verwandlung einer entmachteten jungen Frau in eine unverblümte Verteidigerin der Rechte der Frau. Als Petrunya spontan an einem Ritual der orthodoxen Kirche teilnimmt, im Rahmen dessen junge Männer einem Kreuz hinterherspringen, das von einem Priester in einen Fluss geworfen wird, bricht sie mit sozialen und kirchlichen Traditionen. Ihre anfängliche Weigerung, das Kreuz zurückzugeben, setzt ihre innere Kraft angesichts institutioneller Konventionen frei und offenbart, dass Gott in ihr selbst ist.“


Preisträger aus dem Panorama



"Buoyancy

von Rodd Rathjen

"Der Film "Buoyancy" handelt von moderner Sklaverei und erzählt auf einzigartig erschütternde Weise vom Erwachsenwerden. Der von Regisseur Rodd Rathjen vorzüglich inszenierte Debütspielfilm folgt einem 14-jährigen Jungen aus Kambodscha, der auf dem Lande aufgewachsen ist und der Armut seiner Familie zu entkommen versucht, dabei jedoch auf einem thailändischen Fischerboot versklavt wird. Die erbärmlichen und grausamen Zustände drohen seine Seele zu zerbrechen, doch er findet den Überlebensmut, die Ketten zu sprengen. Indem der Film in seiner dichtmaschigen Erzählung die brutale Wirklichkeit freilegt, beleuchtet er als ein künstlerischer Aufruf zum Handeln die weitgehend übersehenen Menschenrechtsverletzungen im Zentrum unserer globalen Ökonomie.“


Lobende Erwähnung



Midnight Traveler“ 

von Hassan Fazili

„Midnight Traveler“ von Hassan Fazili vermittelt eine einzigartige Darstellung einer Flucht. Der Weg von Fazilis Familie aus Afghanistan heraus wird lediglich durch die Verwendung von Filmmaterial nacherzählt, das mit drei Smartphones aufgezeichnet wurde; das verleiht der Wahrnehmung der weltweiten Migrationskrise eine besondere Dringlichkeit und Unmittelbarkeit. Fazilis raue und gleichermaßen liebevolle Bilder werden durch den entschlossenen Geist seiner Frau und der seiner beiden Töchter vertieft und offenbaren hoffnungsvolle Menschlichkeit und immerwährende Liebe trotz permanenter Flucht."


Preisträger aus dem Forums-Programm



Erde“ 

von Nikolaus Geyrhalter

„Erde“ ist Film über die Beschreibung der Verwüstung unseres Planeten durch menschliches Eingreifen – ein drängendes Thema unserer Zeit. Dieser Dokumentarfilm zeigt brennend scharfe Bilder von der Zerstörung der Topographie der Erde und ebenso offenherzige Gespräche mit Arbeitern, Ingenieuren und Wissenschaftlern. Die Jury hebt besonders das Klagelied einer indigenen Kanadierin für Mutter Erde am Ende des Films hervor, das uns dazu einlädt, unsere Verantwortung zu reflektieren."


Mitglieder der Ökumenischen Jury bei der Berlinale 2019 waren Anna Grebe (Präsidentin), Pamela Aleman, Micah Bucey, Dominique Dipio, Margrit Frölich, Kristine Greenaway.

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