Eine Begegnung mit Regisseur Barry Jenkins

Donnerstag, 07.03.2019

Zum Kinostart von „Beale Street“

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Dank seines introvertierten Kinodramas „Moonlight“, das 2017 mit einem „Oscar“ als bester Film geehrt wurde, wurde Barry Jenkins schlagartig berühmt. Jetzt bringt der afroamerikanische Regisseur seine James-Baldwin-Verfilmung „Beale Street“ in die Kinos. Eine Begegnung mit dem Filmemacher in Berlin.


Ein neunjähriger Junge flüchtet vor brutalen Mitschülern in ein leerstehendes Haus. Die Traumstrände von Miami sind nur wenige Kilometer entfernt – und irgendwie doch Lichtjahre weit weg. Liberty City heißt die heruntergekommene, von Drogendealern beherrschte Gegend. In der leeren, dunklen Wohnung, die dem gemobbten Chiron als Zuflucht dient, haben Junkies ihre Drogenbestecke zurückgelassen. Der gejagte Junge, den alle nur Little nennen, hebt eine gläserne Crack-Pfeife vom Boden auf, hält sie gegen einen Lichtschlitz: In dem Glasröhrchen steckt seine Zukunft.

In dieser Umgebung scheint es nur zwei Optionen zu geben: Junkie oder Dealer, an Drogen kaputtgehen oder damit reich werden. „Moonlight“ fängt an wie eine gedämpfte Version von „Boyz n the Hood“. Doch Gewalt zeigt Barry Jenkins, der mit dem Drama berühmt wurde, sehr klein dosiert. In drei Kapiteln erzählt der Regisseur, wie der schmächtige Junge zum dealenden Muskelprotz mutiert, der seine Zähne mit goldenen „Grills“ panzert. Aber um eine realistische Coming-of-Age-Geschichte ging es Jenkins nicht. Drei Darsteller, die einander kaum ähneln, verkörpern den Neun-, 16- und 26-Jährigen. Trotzdem wirkt die Story glaubhaft, weil Jenkins das Innere seiner Hauptfigur konsequent nach außen kehrt. Chiron ist schwul, kann kaum sexuelle Erfahrungen machen, sehnt sich auch in der Hülle des abgebrühten Macho-Typen noch nach Nähe und Liebe.


"Moonlight"
"Moonlight"

Ein Perspektivwechsel jenseits falscher Romantisierung

Traumverlorene Bilder, ein kontemplativer Erzählrhythmus, dazu die verhaltene Musik von Nicholas Britell. Gewalt, Armut, Drogenkriminalität: Sujets, die sonst das Action-Kino nähren, erscheinen hier in einem veränderten Licht. Ein Perspektivwechsel – jenseits falscher Romantisierung –, der dem Film 2017 drei „Oscars“ einbrachte. Barry Jenkins bekam den Preis f

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