Der „Caligari“-Preisträgerfilm „La Casa Lobo“ im Kino

Dienstag, 09.04.2019

Bei der Kinotour stellt der Regisseur Cristóbal León den Film persönlich vor

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Am 1. April startet der „Caligari“-Preisträgerfilm „La Casa Lobo“ („Das Wolfshaus“) von Cristóbal León und Joaquín Cociña in den deutschen Kinos. Der hochartifizielle Puppenfilm handelt von den Angstträumen einer jungen Frau namens Maria, die verzweifelt versucht, einem unheimlichen Haus zu entkommen. Der Raum wie die Figuren unterliegen einer endlosen Abfolge von Verwandlungen, deren düstere Wucht und Rasanz einen enormen Sog entwickelt.




Ein kurzer Propagandafilm nimmt die Zuschauenden zu Beginn mit in die Gemeinschafft frommer Deutscher im Süden von Chile: Ihr Motto „Helfen macht glücklich“ dringt aus jedem der stimmungsvollen Archivbilder. Der Erzähler ist bemüht, die negativen Gerüchte, die sich um seine Kolonie ranken, zu zerstreuen.

Doch auch ohne expliziten Verweis ist der Bezug auf die 1961 von Paul Schäfer gegründete Sekte „Colonia Dignidad“ offensichtlich. Während der Pinochet-Diktatur war die Colonia Dignidad an Kindesentführungen, Missbrauch, Folter und Morden beteiligt. Die kunstvolle Stop-Motion-Animation ergründet die Traumata, die die Sekte hinterlassen hat. In Form einer albtraumhaften Parabel erzählt „La Casa Lobo“ dann, wie Maria sich aus Furcht vor einer ungerechten Strafe aus der Kolonie in ein verlassenes Haus im Wald flüchtet. Bedroht vom Wolf, der unablässig draußen herumstreift, versucht sie, hier mit ihren Schweinen ein neues Leben aufzubauen.




Der „Caligari“-Tourneeplan von „La Casa Lobo“:


01.04. Filmhaus Nürnberg

02.04. Weitwinkel – Kommunales Kino, Singen

03.04. Wolf Kino, Berlin

08.04. Caligari FilmBühne, Wiesbaden

10.04. Kino des Deutschen Filmmuseums, Frankfurt am Main

11.04. GEGENkino Festival, Leipzig (Special Screening in Anwesenheit von Regisseur Critóbal León)

12.04. City 46, Bremen





Die „Caligari“-Jury begründete ihre Entscheidung bei der „Berlinale“ 2018 wie folgt: „Ein Projekt ins Unbekannte ist immer ein Wagnis und erfordert Mut. Damit verbundene Emotionen bewegen, lassen Träume aufleben und Traumata verarbeiten. Beständigkeit eröffnet immerwährende detailreiche Metamorphosen. Vergänglichkeit vollzieht sich auch im vermeintlichen Innehalten. Abstraktionsebenen beflügeln ein anderes Sehen historischer und politscher Ereignisse. Wiegenlieder, wie „Schlaf, Kindlein, schlaf“, regen zum zusätzlichen Nachsinnen an. Faszination ausgelöst durch eine Abwechslung mit kastilisch- und deutschsprachigen Erzählsträngen, einer (Ver-)mischung von Märchen und 10.000enden von einzelnen Einstellungen in atemberaubendem Stopptrick mit diversen Materialien entwickelt eine Sogwirkung für den Blick in „La Casa Lobo“".


Eine ausführliche Würdigung des Films „La Casa Lobo“ durch die Filmkritikerin Margarete Wach findet sich hier.




Weitere Informationen über den Film finden sich auf der Seite des Verleihers arsenal e.V.

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