Karin Dor (22.2.1936-6.11.2017)

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Als in den 1960er-Jahren die Edgar-Wallace-Welle über das bundesdeutsche Kino hereinbrach, wurde sie mit dem Etikett „Miss Krimi“ versehen. Karin Dor verkörperte in den reißerischen Kriminal- und Gruselfilmen regelmäßig die bedrängte Unschuld, der die ruchlosen Schurken ans Geld, an die Wäsche oder gar ans Leben wollen. So hallten die Entsetzensschreie der dunkelhaarig-adretten Schauspielerin durch Schauergeschichten wie „Die Bande des Schreckens“ (1960), „Der grüne Bogenschütze“ (1961), „Der Teppich des Grauens“ (1962), „Die weiße Spinne“, „Der Würger von Schloss Blackmoor“ (beide 1963), „Der unheimliche Mönch“ (1965) sowie „Die Schlangengrube und das Pendel“ (1967). Herzig, adrett, rehäugig und kreuzbrav schritt sie durch nebelverhangene Schlösser, allzeit bedroht von perfiden Finsterlingen und monströsen Geheimorganisationen, aus deren Klauen sie Filmpartner wie Joachim Fuchsberger rechtzeitig zum Happy End befreiten.

Geboren in Wiesbaden, wurde Karin Dor als 17-Jährige fürs Kino entdeckt. Ihr Mentor und Förderer war der Regisseur Harald Reinl (1908-1986), den sie 1954 heiratete. Er setzte sie nicht nur in den Wallace-Filmen, sondern auch in Wildwest-Abenteuern ein, etwa in „Der Schatz im Silbersee“ (1962) und „Der letzte Mohikaner“ (1965). In „Winnetou II“ (1964) figurierte sie als Häuptlingstochter Ribanna und große Liebe des edlen Apachen. In Reinls grellbunter „Nibelungen“-Adaption (1966) spielte sie die Brunhilde.

Da zeichnete sich bereits eine internationale Karriere ab, die ihr eine Abkehr vom Klischee der heimgesuchten Unschuld ermöglichte: In „Man lebt nur zweimal“ (1966) agierte sie als hinterlistiges Bond-Girl an der Seite von Sean Connery, ehe sie Alfred Hitchcock in seinem Spionagethriller „Topas“ (1969) als kubanische Castro-Gegnerin besetzte. Mit dem Niedergang des deutschen Kommerzkinos wechselte Dor zu Fernsehen und Tourneetheater; in Margarethe von Trottas „Die abhandene Welt“ (2015) war sie letztmalig im Kino zu sehen.

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