Stark, hart, unbeholfen

Donnerstag, 25.04.2019

Interview mit dem Regisseur David Nawrath über die Entstehung und die Intentionen seines Filmdebüts „Atlas“

Diskussion

In seinem Debütfilm „Atlas“ (Kinostart: 25. April) entwirft Regisseur David Nawrath die Figur eines alternden Möbelpackers aus Frankfurt am Main, der nach Jahrzehnten mit seinem Sohn konfrontiert wird und darüber aus einer stumpfen Routine erwacht. Ein Gespräch über antike Mythen, schweigsame Kerle, Gentrifzierung und das Eigenleben fiktiver Geschichten.


Wie sind Sie ins Filmgeschäft geraten?

David Nawrath: Ich bin in Berlin aufgewachsen und wollte schon ganz früh Filme machen. Meine Mutter kommt aus dem Iran, deshalb hat das iranische Kino einen besonderen Reiz auf mich ausgeübt. So bin ich von einem Tag auf den anderen in den Iran geflogen und habe dort als Kameraassistent bei zwei Kinoproduktionen mitgewirkt. Das war eine wichtige Erfahrung. Ich konnte sehen, was die Filmemacher mit wenigen Mitteln zustandebringen. Das iranische Kino ist eine sehr lebendige Kinokultur mit einer durch und durch poetischen Filmsprache. Ich kam damals auf die Idee, einen Dokumentarfilm über die Situation der jungen Iraner zu drehen. Das Land war schon lange vor der grünen Bewegung ein Pulverfass. Gemeinsam mit Florian Schewe habe ich ein Porträt über junge Iraner gedreht. Wir hatten keine Ahnung und drehten einfach drauflos. Das dicke Ende kam dann im Schnitt. Anderthalb Jahre hatten wir damit zu tun. Glücklicherweise konnten wir den Film "Irans junge Wilde" dann an den BR verkaufen. Das war unser Einstieg in die Branche. Für mich war aber immer klar, dass ich Spielfilme machen will. Ich habe an der DFFB studiert und angefangen, Kurzfilme zu drehen. Zehn Jahre später kam „Atlas“.


Sie haben auch am Drehbuch mitgeschrieben. Wie entstand die Idee des Films?

Nawrath: Am Anfang war das Bild eines Menschen im emotionalen Winterschlaf. Ein Mann um die 60, der sein Leben lang hart geschuftet hat, jetzt aber an die Grenzen seiner Physis kommt und begreift, dass er so nicht mehr lange weitermachen kann. Dazu gesellte sich eine Vater-Sohn-Geschichte. Dieses Eltern-Kind-Thema ist etwas, das mich sehr interessiert. Diese emotionale Beziehung ist eine der stärksten zwischenmenschlichen Bindungen überhaupt.

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