Die Stadt ohne Juden

Donnerstag, 23.05.2019

Restaurierte Fassung eines Stummfilms, der den Antisemitismus der 1920er satirisch aufgriff

Diskussion

Restaurierte Fassung der Verfilmung des satirischen Romans von Hugo Bettauer, die sich anhand einer fiktiven Geschichte mit den antisemitischen Tendenzen in Österreich nach dem Ersten Weltkrieg auseinandersetzt. In der Stadt Utopia machen Aufhetzer und nationalistische Politiker (u.a. gespielt von Hans Moser) die Juden für die wirtschaftliche Misere verantwortlich und weisen sie kurzerhand aus. Doch ohne sie verschlechtert sich die Situation noch: Wirtschaft und Kultur brechen zusammen, die anfängliche Euphorie über den Hinauswurf der Sündenböcke verfliegt rasch. Der Jude Leo Strakosch (Johannes Riemann) kehrt derweil aus Liebe zu der Politikertochter Lotte (Anny Miletty) heimlich zurück und startet eine nächtliche Plakataktion gegen das Ausweisungsgesetz.

Mit Blick auf die nur wenige Jahre später einsetzende tatsächliche Judenverfolgung mutet der Stummfilm von Hans Karl Breslauer rückblickend traurig visionär an, angesichts des neuen Antisemitismus stellt er auch für die heutige Zeit ein mahnendes Plädoyer für friedliches Zusammenleben und Rationalität dar. Der pointierte, letztlich optimistische Film war lange nur in gekürzter Fassung zu sehen, die um „provokante“ Szenen eines besonders ungeschönten Antisemitismus beraubt war. Dank einer Privatkopie konnte das Filmarchiv Austria die Szenen wieder einfügen und das Stummfilm-Werk restaurieren. Bei arte gelangt es inklusive neuer Musik von Olga Neuwirth zur Fernsehpremiere, im Herbst erscheint eine DVD-Ausgabe im Verleih absolutMEDIEN. – Ab 14.

Hier geht es zum Film in der arte Mediathek



Foto: FAA/ZDF

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