Keine Antworten auf die Krise

Sonntag, 26.05.2019

Das 72. Festival in Cannes lavierte zwischen Tradition und vorsichtigen Kurskorrekturen. Abschlussbericht und Kommentar zu den Preisen

Diskussion

Heute wählt Europa. Die Bürger entscheiden nicht nur über ein Parlament, sondern über ihr Schicksal. Auch ein Festival wie das in Cannes trifft weitreichende Entscheidungen, die den Status dessen, was man unter Film und Kino versteht, maßgeblich beeinflussen. Im 72. Jahr wusste das Filmfest aber nicht so recht, wofür es optieren soll.


Heute wählt Europa. Nicht nur ein Parlament, sondern seine Zukunft. Diese bewegt auch die 500 Filmemacher, die in Cannes einen Wahlaufruf lancierten. Darin rufen die Regisseure und Regisseurinnen beherzt dazu auf, sich für Gedanken- und Meinungsfreiheit einzusetzen und gegen Extremismus und rückwärtsgewandtes Denken zu kämpfen. Europa sei keineswegs perfekt, so die Filmschaffenden, habe binnen weniger Jahrzehnte aber immerhin 28 Länder in Frieden zu einem Staatenbund vereint.

In ihrem pointiert platzierten Appell schwingt untergründig auch die Sorge um den eigenen Berufsstand mit, der durch die gegenwärtigen Umbrüche der Filmwelt zunehmend unter Druck gerät. Wird es das Kino als Kunstform in zehn Jahren noch geben? Erdrücken Serien und andere Fernsehformate die Kinematografie? Was bleibt nach dem Sieg der globalen Streamingdienste von den lokalen Filmkulturen übrig? Die Antworten auf die gegenwärtige Krise des Filmschaffens fielen beim 72. Festival de Cannes keineswegs befriedigend aus, was sich generell im Festival und auch in der wenig profilierten Preisvergabe widerspiegelt.


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