70 Jahre DFF und Fassbinder Center Frankfurt

Dienstag, 28.05.2019

Beim Festakt zum 70-jährigen Bestehen des Deutschen Filminstituts und Filmmuseums in Frankfurt wurde zugleich das neue DFF Fassbinder Center eröffnet.

Diskussion

Mit einem Festakt und einem hochkarätig besetzten Podium feierte das DFF (Deutsches Filminstitut und Filmmuseum) am 20. Mai sein 70-jähriges Bestehen und machte den deutschen und internationalen Filmwissenschaftlern und -freunden zugleich ein Geschenk: das neue DFF Fassbinder Center in Frankfurt.

Das DFF, hervorgegangen aus dem 1949 in Wiesbaden gegründeten DIF, ist längst nicht mehr nur historisches Archiv, sondern heutzutage ebenso eine wichtige Instanz in Fragen cinematografischer Forschung, Kommunikation und Vermittlung sowie Digitalisierung. Zu den Schwerpunkten des DFF gehört der Neue Deutsche Film mit dem Archiv des StudioCanal-Verleihs und dem Filmverlag der Autoren sowie dem Vorlass etwa von Volker Schlöndorff. Weit mehr als zwei Millionen Fotos zu deutschen und internationalen Produktionen im Bildarchiv in Wiesbaden ergänzen diesen Bestand. Als Mitglied im Kinematheksverbund ist das DFF Garant für den Fortbestand und die Zugänglichmachung unseres filmischen Erbes. Darauf wies Ellen M. Harrington, Direktorin des DFF, während der Feierstunde hin und sprach explizit von einem „Erbe und Schatz“, den sie und ihr Team hüteten. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, betonte insbesondere die große Bedeutung des Films für den Aufbau einer demokratischen Kultur im Nachkriegsdeutschland.

Aktuelles Highlight ist natürlich die Eröffnung des DFF Fassbinder Centers Frankfurt aus Anlass der Übernahme des Nachlasses von Rainer Werner Fassbinder von der RWF Foundation Berlin im September 2018. Das neue Archiv- und Studienzentrum bündelt auf rund 1000 Quadratmetern die Sammlungen des DFF an einem zentralen Ort und macht sie in einem modern ausgestatteten Lesesaal der Forschung zugänglich: Fassbinders Textarchiv, sein in mehr als 180 Boxen verwahrter Schriftgutnachlass (25 Arbeitsdrehbücher, 97 Szenenfolgen, Dialoglisten, Kalkulationen sowie 27 Urkunden), sein Fotoarchiv. Die Präsidentin der Rainer Werner Fassbinder Foundation, Juliane Maria Lorenz-Wehling, vertrat die künstlerischen Weggefährten Fassbinders auf dem Podium, blickte mit den Gästen auf das bewegte Leben und das diesem Leben mit enormem Fleiß abgerungene immense Werk Fassbinders zurück und konstatierte das Naheliegende: „Fassbinder braucht keine Denkmäler. Seine Filme halten die Erinnerung an ihn auf der ganzen Welt wach. Und doch freue ich mich, dass mit diesem Forschungszentrum sein Erbe lebendig gehalten wird. Ich bin schon gespannt auf die Früchte wissenschaftlicher Arbeit, die dieses Haus hervorbringen wird.“

Ein Überraschungsgeschenk

Frankfurts Kulturdezernentin und DFF-Verwaltungsratsvorsitzende Ina Hartwig, die in ihrer Rede auch auf die Internetpräsenz des DFF – filmportal.de – hinwies, überreichte zur Eröffnung ein Überraschungsgeschenk: einen verschollen geglaubten Mitschnitt der Generalprobe von „Der Müll, die Stadt und der Tod“, des RWF-Theaterstücks, dessen Uraufführung 1985 durch eine Bühnenbesetzung verhindert wurde. „Lange hieß es, dass es keine Aufzeichnung des Stücks gebe, aber nach intensiver Recherche machten wir diesen Mitschnitt im Archiv der Städtischen Bühnen ausfindig. Ich hoffe, dass er Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weitergehende Einsichten in Fassbinders Schaffen geben kann.“

Die insgesamt gut organisierte und in aller Einmütigkeit verlaufende Veranstaltung kam mit Gruppenfoto und viel Händeschütteln zu einem befriedigenden Ende; auf der Strecke blieb vielleicht ein wenig die persönliche und künstlerische Querständigkeit des Innovators und Rebellen Fassbinder; alle wollten immer schon Fan, gar Freund gewesen sein, gerade auch die offiziellen Vertreter der Stadt Frankfurt, die RWF im TAT während der Spielzeit 1974/75 ein allzu kurzes, kritisch umstrittenes künstlerisches Basislager gewährte. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DFF standen für Nachfragen zur Verfügung und geleiteten die Gäste, unter ihnen Jan Harlan und Volker Schlöndorff, sachkundig durch die recht verwinkelten Gänge des Hauses zu den wahren Stars der Show – den Memorabilia deutscher Filmregisseure und Darsteller sowie den wertvollen Originalexponaten zu weit mehr als 70 Jahren deutschen Filmschaffens.


Foto: Karsten Essen

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