Das 3. TV Series Festival in Berlin

Dienstag, 18.06.2019

In Berlin fand vom 12. bis 16. Juni das dritte internationale TV Series Festival statt. Den Hauptpreis gewann die belgische Serie „Studio Tarara“ über die Exzesse hinter den Kulissen einer fiktiven Sketchshow

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In Berlin fand vom 12. bis 16. Juni 2019 das dritte internationale TV Series Festival statt. Neben Einblicken in neue Staffeln von Erfolgsserien wie „The Handmaid's Tale“ und „Big Little Lies“ stand ein Wettbewerb mit Teilnehmern aus Israel, Indien, Polen, den Niederlanden, Argentinien und Belgien im Vordergrund. Den Hauptpreis gewann eine Comedy-Serie über die Exzesse hinter den Kulissen einer fiktiven Sketchshow.

Die Jury mit Paul Haggis als Präsident, Nataly Kudiabor (UFA Fiction), Philipp Schulze (Cinema), den Schauspielern Philipp Christopher und Louise Massin, dem "Versailles"-Showrunner Simon Mirron und der Filmkritikerin Hanna Huge konnte beim 3. Internationalen TV Series Festival (12.-16.6.2019) aus einem breiten Spektrum auswählen. Die Produktionen im Wettbewerb kamen aus Israel, Indien, Polen, den Niederlanden, Argentinien und Belgien.

Die in flämischer Sprache gedrehte Serie „Studio Tarara“ erhielt den Hauptpreis, und die israelische Produktion „Magpie“ wurde für das beste Drehbuch ausgezeichnet. In der dritten Kategorie gewann Koen de Graeve aus „Studio Tarara“ den Darsteller-Preis. Tim van Aelst, der Creator von „Studio Tarara“, hat bereits mehrere Emmys für Comedy-Shows ohne festes Script bekommen.

Um Comedy geht es auch in „Studio Tarara“. Es ist der Titel einer fiktiven Comedy-Sketchshow aus dem Jahre 1993, ausgestrahlt im 1989 gegründeten flämischen Privatsender VTM. Im real existierenden Sender VTM ist die Serie seit Februar 2019 zu sehen. Inhaltlich dreht sich viel um das Geschehen hinter den Kulissen der Show, mit jener Art von Sexismus, für den der Name Harvey Weinstein steht; im Detail, so hatte Tim van Aelst bereits während des Serienfestivals von Cannes dem US-Branchenblatt „Variety“ gesagt, erlebe man hier, warum diese Übergriffe so lange unbehelligt geblieben sind.

Andere Serien im Wettbewerb hatten sich kriminalistischen Themen verschrieben: „Magpie“ handelt von einem gerade aus einem türkischen Gefängnis entlassenen Mann, der als Informant für die Polizei arbeitet. Krimi-Geschichten erzählen auch die Serien „Mocro Maffia“ (RTL), die Amsterdam als Dschungel der organisierten Kriminalität inszeniert, „Signs“ (AXN Poland), die von den Ermittlungen zu einem mysteriös-brutalen Mord in der spektakulären polnischen Landschaft der Tafelberge handelt, „Matthew“ (El Mundo de Mateo) über einen traumatisierten Jungen aus Argentinien, der eine Mitschülerin umgebracht haben soll, und das indische Terrorismus-Drama „The Family Man“ (Amazon).

Außer Konkurrenz wurden viele weitere Serien gezeigt, darunter auch die neuen Staffeln von The Handmaid's Tale, Fleabag und Big Little Lies. Ebenfalls in der neuen zweiten Staffel (nach fünf Jahren) lief „Eichwald, MdB“, die aktuell auf zdf_neo zu sehen ist.

Amazon mit Datenproblemen

Nicht gezeigt werden konnte „The Family Man“, weil der Anbieter Amazon fehlerhafte Daten geschickt hatte. Es ist durchaus interessant, welche Probleme die Digitalisierung mit sich bringt. Wie Festivalgründer Mark-Olan Dreesen erklärte, wurde „The Family Man“ deshalb vom Wettbewerb ausgeschlossen. Was durchaus bedauerlich war, denn die ersten Minuten, die im Kino noch zu sehen waren, bevor der Server abstürzte, waren vielversprechend.

Die kulturelle Vielfalt der Serien war sehr wohltuend und ist für das Festival von großer Bedeutung. Vielfältig war aber auch das Gesamtprogramm. An zwei Tagen fanden zahlreiche Talk-Runden mit hochkarätigen Gästen statt. In der ersten Runde mit Kirsten Niehuus (Medienboard Berlin-Brandenburg), Peter Kerckhoff (Deutsche Telekom), Nataly Kubiador (UFA Fiction), Danna Stern (yes Studios) und Carlo Dusi (Red Arrow Studios) wurden mehr und vor allem neue Autor*innen gefordert, um den Herausforderungen des seriellen Erzählens begegnen zu können.

Dazu gehört aber auch ein Markt, der immer unübersichtlicher wird. Neue Plattformen treten auf den Plan; was passiert, wenn Disney+ loslegt, ist nur bedingt vorherzusagen. Einen gelungenen Einblick in die Arbeit an ihrer Serie "Druck" boten der Autor Alexander Lindh und die Regisseurin Pola Beck.

Branchentreff zum Austausch

Weitere Programmpunkte des Serienfestivals waren ein Wettbewerb „Pitch your Pilot“ sowie zwei Master Classes. Beim Skript-Doktor John Truby ging es um das TV-Drama, und Paul Haggis führte ins Handwerk des Regieführens ein. Das Festival versteht sich durchaus auch als Branchentreff, der den Austausch von Serienschaffenden fördert. Der Ansatz, internationalen Serienproduktionen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, sowie das anspruchsvolle Rahmenprogramm machen das TV Series Festival zu einer attraktiven, zukunftsweisenden Veranstaltung.


Foto aus "Studio Tarara": Vlaamse Televisie Maatschappij

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