Aus die Maus. Fernsehen als Museum

Freitag, 19.07.2019

Das Fernsehen hat seinen historischen Auftrag erfüllt, findet Lars Henrik Gass. Es genügt, wenn es in den Mediatheken seine eigene Geschichte am Leben erhält

Diskussion

Der Niedergang des linearen Fernsehens scheint selbst für die Sender ausgemacht zu sein. Entsprechend hektisch kämpfen sie um ihre Fortexistenz als Mediatheken. Aber bitte nur als Museum, fordert Lars Henrik Gass: „Das Fernsehen hat seinen historischen Auftrag erfüllt“. Es genüge, wenn es fortan in den Mediatheken seine eigene Geschichte am Leben erhalte.


Spät abends, der Schlaf kämpfte noch mit Gedanken, sah ich fern, weil ich zum Arbeiten und Lesen schon zu müde war, und geriet in die Wiederholung einer Tagesschau, die berichtete, dass in einem kleinen Privatmuseum in Los Angeles ein von Adolf Hitler unterschriebenes Original der Nürnberger Rassengesetze aufgetaucht sei. Dies war mir neu. Erst Minuten später begriff ich, dass ich die Tagesschau von vor 20 Jahren auf Tagesschau24 sah. Der Spiegel berichtete damals über die Sache.

Schon Wochen zuvor hatte ich auf dem Sender, der auf den schönen Namen „Alpha – der Bildungskanal“ hört, eine Sendung gesehen, die mir auf Anhieb als historisch aufgefallen war, auch dadurch, dass die Stimme, der Ton der Darstellung bedächtig, nüchtern und doch voller tiefer Achtsamkeit gegenüber Orten und Leuten war. Alois Kolb stellte 1983 unter dem Titel „Unter unserem Himmel“ drei norditalienische Gasthäuser vor. Sofort wollte ich die Orte besuchen, die Speisen probieren. Das Ziel meiner Begierde lag jedoch über 35 Jahre zurück, auch wenn, so der Anschein, die Lokale noch heute existieren.

Der Bayerische Rundfunk pflegt seine Traditionen: "Unter unserem Himmel"
Der Bayerische Rundfunk pflegt seine Traditionen: "Unter unserem Himmel"

Auf der Duisburger Filmwoche wurde im November 2018 ein Film ausgezeichnet, der mir nicht seiner intellektuellen Durchdringung des Material wegen auffiel – gute alte Zeit ist ja jetzt wohl wieder in –, sondern des Umstands wegen, dass wir nun offenbar unsere eigene Sozialisation durch das Fernsehen zu betrachten beginnen. Der Dokumentarfilm „Kulenkampffs Schuhe“ von Regina Sc

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