Regisseur Mohammad Rasoulof im Iran verurteilt

Mittwoch, 24.07.2019

Der iranische Filmemacher ist zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt worden

Diskussion

Der international gefeierte Filmemacher Mohammad Rasoulof ist im Iran zu einer einjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das teilte das Filmfest Hamburg mit, bei dem Rasoulof seit 2005 immer wieder zu Gast war.

Bereits im September 2017 hatten die iranischen Behörden Rasoulofs Pass einbehalten, als er vom Telluride Film Festival nach Teheran zurückkehrte. Man warf ihm „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ und „Propaganda gegen die islamische Regierung“ vor. Diese Anschuldigungen führten jetzt zu einer Verurteilung zu einer einjährigen Freiheitsstrafe. Außerdem wurde Rasoulof die Mitgliedschaft in politischen und sozialen Organisationen untersagt. Der Filmemacher darf den Iran überdies zwei Jahre lang nicht verlassen.

Ausschlaggebend für das Urteil war die angeblich kritische Darstellung des Iran in seinen Filmen Auf Wiedersehen“ (2011), „Manuscripts Don’t Burn (2013) und „A Man of Integrity (2017), der jüngst auch in den deutschen Kinos zu sehen war. Darin geht es um ein Ehepaar, das im Norden des Landes mit einer Goldfischfarm ein neues Leben aufbauen will und sich gegen ein örtliches Kartell zur Wehr setzen muss.

Für seine kritische Haltung wurde der 1972 geborene Rasoulof schon öfters verurteilt. Nach der Veröffentlichung seines Films „Manuscripts Don’t Burndurfte Rasoulof neun Monate lang das Land nicht verlassen. Im Jahr 2011 war er zusammen mit dem Regisseur Jafar Panahi zu 20 Jahren Berufsverbot und einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt worden, weil die Filmemacher an einer Dokumentation über die Proteste nach der Präsidentenwahl 2009 gearbeitet hatten. Das Berufsverbot wurde später aufgehoben, die Haftstrafe auf ein Jahr verkürzt und zur Bewährung ausgesetzt.

„Wie so oft ist erneut ein Künstler Opfer einer willkürlichen Rechtsprechung“, erklärt Albert Wiederspiel, der Leiter des Filmfest Hamburg. „Mohammad Rasoulofs Verbrechen bestehen darin, Filme über seine Heimat zu machen. Wir, die in einer freien Welt leben, haben die Pflicht, dagegen zu protestieren.“

Rasoulof ist dem Filmfest Hamburg eng verbunden; seit dem Jahr 2012 lebt er teilweise in der Stadt; auch seine Familie ist hier ansässig. Für „Iron Island“ erhielt Rasouluf 2005 den Preis der Hamburger Filmkritik. Später liefen in Hamburg unter anderem auch „The White Meadows (2009) und als Eröffnungsfilm im Jahr 2011 „Auf Wiedersehen“, der aus dem Iran geschmuggelt werden musste. Nach der Konfiszierung seines Passes konnte Rasoulof 2017 nicht mehr an der Deutschlandpremiere von „A Man of Integrity" in Hamburg teilnehmen. Der Film war zuvor in Cannes mit dem Hauptpreis der Sektion „Un Certain Regard“ ausgezeichnet worden.


Fotos: Filmfest Hamburg

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