Lost Highway (3sat)

Donnerstag, 12.09.2019

20.9., 22.25-00.35, 3sat

Diskussion

Ein von Eifersucht zerfressener Jazz-Saxophonist (Bill Pullman) soll seine Frau (Patricia Arquette) grausam ermordet haben. Er wird verurteilt und ins Gefängnis gesteckt, wo ihn bald unerträgliche Kopfschmerzen plagen. Eines Morgens sitzt plötzlich ein junger Mechaniker (Balthazar Getty) an seiner Stelle in der Zelle. Der wird bald auf freien Fuß gesetzt, beginnt dann aber eine Affäre mit der Geliebten eines Kunden, die der Frau des Jazz-Musikers aufs Haar gleicht.

„Lost Highway“ von David Lynch ist eine verstörende, äußerst komplexe Reise ins Unheimliche, die mit den Mitteln der Verrätselung und des Horrorfilms nachhaltig in Bann schlägt. „Das Panoptikum zeitgenössischer Kontrafrakturen akzentuiert die männliche Perspektive, das sezierende Auge, das trotz extremer Nahaufnahmen doch nie tiefer als bis zur großporigen Oberfläche dringt. Technische Hilfsmittel wie Videokamera oder Bildtelefon verstärken diesen Eindruck. Das Gefängnis der Subjektivität, Lynchs berüchtigte Kopf-Metapher, kann nur zerstört, aber nicht aufgehoben werden. Auch Sex als der Versuch, über den Körper eine Brücke zu schlagen, führt nicht zum Ziel.

Wie unerträglich die Einsamkeit der solitären Existenz auf den Figuren lastet, hat Lynch nie intensiver und bedrängender in Szene gesetzt. Schon die erste Viertelstunde des Films voller undurchdringlicher Schwermut, die in Räume jenseits des Realen verweist, verwandelt die nicht enden wollende, ewig weiter ins Verlorene rasende Meditation in ein filmisches Meisterwerk.


Foto: 3sat

Filmdetails
Kommentar verfassen

Kommentieren