Rechte Tischrunde: Geschäftsführer der HessenFilm wird zum Rücktritt aufgefordert

Dienstag, 17.09.2019

Filmschaffende fordern nach Bekanntwerden eines Treffens von „HessenFilm“-Geschäftsführer Hans Joachim Mendig mit AfD-Politiker Jörg Meuthen Mendigs Rücktritt.

Diskussion

Hans Joachim Mendig, seit 2016 Geschäftsführer der HessenFilm und Medien GmbH und damit verantwortlich für die hessische Filmförderung, wird von zahlreichen deutschen Filmschaffenden zum Rücktritt aufgerufen. In einer auf www.artechock.de erschienenen, von Filmkritiker Rüdiger Suchsland initiierten Erklärung, zu deren Unterzeichnern u.a. Dominik Graf, Iris Berben, Christian Petzold, Christoph Hochhäusler, Nicolette Krebitz und Hans-Christian Schmid gehören, ist davon die Rede, dass Mendig „den Ruf der Hessen Film, der durch seine autoritäre Amts­füh­rung bereits vorher belastet war, weiter schwer beschä­digt“ habe.

Grund dafür ist ein im Juli auf Instagram erschienenes Foto, das Mendig in anscheinend fröhlicher Tischrunde mit Jörg Meuthen, Sprecher der Bundestagsfraktion der AfD, und mit dem PR-Berater Moritz Hunzinger zeigt, der kürzlich durch rassistische Äußerungen auf Facebook von sich reden machte. Meuthen, der das Foto online stellte, kommentierte das Treffen als „sehr ange­regten und konstruk­tiven poli­ti­schen Gedan­ken­aus­tausch“. Die Filmschaffenden zeigten sich davon in der Erklärung alarmiert. Die durch das Foto suggerierte Nähe zu Personen wie Meuthen, der sich als „strammer Gegner liberaler Kulturproduktion“ gezeigt habe, vertrage sich schlecht mit den „hohen Anfor­de­rungen an Über­par­tei­lich­keit, Offenheit für viel­fäl­tige künst­le­ri­sche Posi­tionen, demo­kra­ti­sche Kultur und Trans­pa­renz“, die mit dem Amt als Geschäftsführer der hessischen Filmförderung einhergehe. „Eine weitere Zusam­men­ar­beit mit ihm und der Hessen Film ist für uns“, so die Unterzeichnenden, „unter diesen Bedin­gungen nicht vorstellbar. Wir rufen ihn daher zum Rücktritt auf, um einen Neuanfang zu ermög­li­chen.“

Die deutsche Filmakademie zeigte sich etwas bedächtiger, verlangte in einem offenen Brief vom 13. September von Hans Joachim Mendig aber Aufklärung: „Da Herr Mendig an entscheidender Stelle Verantwortung für das steuerlich finanzierte Filmfördersystem trägt, hat die Öffentlichkeit und insbesondere die Fachöffentlichkeit ein berechtigtes Interesse, über seinen ‚konstruktiven Gedankenaustausch‘ mit einer Partei zu erfahren, die genau dieses Fördersystem radikal ändern möchte. Unserer Meinung nach gehört eine solche Erklärung über den besagten Austausch durch Herrn Mendig zu seiner vorrangigen Aufgabe als Geschäftsführer einer Förderung, deren erste Richtlinie betont, dass ‚die HessenFilm (sich) verpflichtet, nur solche Projekte und Produktionen zu fördern, die die Würde des Menschen achten, die Grundrechte respektieren und die Achtung vor dem Leben fördern‘“.

Ob das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst Konsequenzen aus der Kritik an Mendig ziehen wird, ist noch unklar. Gegenüber der Frankfurter Rundschau äußerte Ministerin Angela Dorn, dass sie die „wachsende Entfremdung zwischen dem Geschäftsführer der Hessen-Film, Hans Joachim Mendig, und vielen Filmschaffenden“ mit „zunehmender Sorge“ beobachte; da diverse Filmschaffende deswegen ihren Rückzug aus Gremien der Filmförderung angekündigt hätten, würde dies auch im Aufsichtsrat der HessenFilm thematisiert werden.



Foto: "HessenFilm"-Geschäftsführer Hans Joachim Mendig, © HessenFilm/ Christoph Rau

Kommentar verfassen

Kommentieren