Abgründe zum Wahnsinn: Werkschau Lynne Ramsay

Donnerstag, 26.09.2019

Das Berliner Kino Arsenal würdigt im Oktober die schottische Regisseurin Lynne Ramsay mit einer Werkschau

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Das Berliner Kino Arsenal zeigt im Oktober eine Werkschau von Lynne Ramsay. Gerade einmal vier Spielfilme umfasst das Oeuvre der Schottin bislang, gleichwohl zählt die 1969 in Glasgow geborene Regisseurin zur ersten Riege der Filmemacherinnen weltweit.

In der Bildstärke ihrer Filme ist stets zu spüren, dass Ramsay zunächst als Fotografin begann. Inhaltlich kreisen sie um dezidiert düstere Themen: Erzählungen über Schuld, Trauer, Gewalt, Mord, Rache werden in schonungsloser Detailgenauigkeit präsentiert. Die Filmsprache ist elliptisch, schwer zu packen, oft von lyrischen Momenten durchdrungen, dabei stets mit Aufmerksamkeit für die Kameraarbeit und den Einsatz von Musik arrangiert.

„Ramsays Figuren scheinen am Abgrund zum Wahnsinn zu balancieren. Die Tiere und Objekte, die ihre Blicke gefangen nehmen, sind die des Verfalls und des Todes“, schrieb Kathrin Häger 2012 in einem FILMDIENST-Porträt (fd 17/2012) zum Start von Lynne Ramsays drittem Spielfilm We Need to Talk About Kevin.

Mit dieser verstörenden Erzählung einer Mutter, deren Sohn ein Massaker verübt und die in Rückblicken zum Schluss kommt, dass dieser schon seit seiner Geburt ein Monster war, drehte Ramsay erstmals in den USA, wo sie auch ihre finstere Rachemär A Beautiful Day („You Were Never Really Here“, 2017) ansiedelte.

Ihre ersten Filme Ratcatcher (1999) und „Morvern Callar“ (2002) hatten noch in ihrer schottischen Heimat gespielt, mit Geschichten über einen zwölfjährigen Mörder beziehungsweise eine Frau, die den Selbstmord ihres Freundes vertuscht, aber in ähnlich dunkle Sphären geführt.

Bei der Reihe im Arsenal kommen neben den vier Spielfilmen auch die Kurzfilme von Lynne Ramsay zur Aufführung kommen. Auch in diesen überwiegend aus den 1990er-Jahren stammenden Werken sind die bevorzugten Stilmittel und Motive der Regisseurin bereits erkennbar und lassen so ihre Entwicklung nachvollziehen.


Alle Termine der Reihe:

12.10., 19.30 Uhr: "Ratcatcher"  (+ Kurzfilm „Gasman“)

13.10., 19.30 Uhr: "Morvern Callar" (+ Kurzfilm „Kill the Day“)

15.10., 20.00 Uhr: "We Need to Talk about Kevin"  (+ Kurzfilm „Small Deaths“)

19.10., 20.00 Uhr: "You Were Never Really Here"  (+ Kurzfilm „Swimmer“)

20.10., 19.30 Uhr: "We Need to Talk about Kevin"  (+ Kurzfilm „Small Deaths“)

22.10., 19.30 Uhr: "Morvern Callar"  (+ Kurzfilm „Kill the Day“)

23.10., 21.00 Uhr: "Ratcatcher"  (+ Kurzfilm „Gasman“)


Weitere Informationen finden sich auf der Website des Kinos Arsenal in Berlin


Foto aus „A Beautiful Day“: Constantin

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