Deutscher Kurzfilmpreis 2019

Donnerstag, 21.11.2019

Am 20.11.2019 wurden in der Hamburger Elbphilharmonie die Deutschen Kurzfilmpreise 2019 vergeben

Diskussion

Der Kurzfilm sei „weit mehr als ein Sprungbrettformat, in dem sich der Filmnachwuchs seine Sporen verdient“: Kulturstaatsministerin Monika Grütters betonte anlässlich der Verleihung der Deutschen Kurzfilmpreise am 20.11.2019 in der Elbphilharmonie Hamburg den Wert des Kurzfilms als eigenständige Kunstform; er verlange „seinen geistigen Schöpfern geradezu einen Tunnelblick für das Wesentliche ab“. Die Werke, die 2019 mit der wichtigsten deutschen Auszeichnung für Kurzfilme geehrt wurden, lieferten dafür eindrucksvolle Beispiele, die zugleich die künstlerische Bandbreite der kurzen Form verdeutlichen.

So etwa „Inside Me“, ein ebenso anrührender wie nachdenklicher dokumentarischer Animationsfilm von Maria Teixeira, der in der Kategorie Animationsfilm bis 30 Minuten mit einer Kurzfilm-„Lola“ geehrt wurde: Der Film kreist ums Reizthema Abtreibung; zu Bildern, die an mit animierten Tuschezeichnungen kombinierte Gebärmutter-Ultraschallfotos erinnern, berichtet eine junge Frau von den widersprüchlichen Gefühlen und ihrem schwierigen Entscheidungsprozess im Zuge einer geplanten Abtreibung. In einem ganz anderen Sinn ums Thema Körper geht es auch in „Der Proband“ von Hannes Schilling, der als bester Spielfilm zwischen 10 und 30 Minuten Laufzeit geehrt wurde: Ein Micro-Drama um einen Arbeitslosen, der sich als Proband für diverse medizinische Tests in einem Labor verdingt, weil er das nötige Geld verdienen will, um am Traum vom gemeinsamen Eigenheim im Grünen mit seiner Freundin festhalten zu können.

Ein im doppelten Sinne zu dem „Tunnelblick fürs Wesentliche“ passender Beitrag wurde mit einer „Lola“ für den besten Spielfilm bis 10 Minuten geehrt: „Die letzten fünf Minuten der Welt“ von Jürgen Heimüller ist ein sardonisch-komischer „Endzeitfilm“, in dem, gefilmt in einer einzigen Plansequenz, auf einer Bank vor einem Haus irgendwo in Österreich ein Mann dem nahenden Ende der Welt entgegensieht und Gesellschaft von diversen anderen Frauen und Männern bekommt, um ein letztes Mal das gemeinsame Beziehungs-Chaos zu ventilieren – bis dann in der letzten Sekunde nur noch bleibt, sich aufs Wesentliche zu besinnen und sich aneinander festzuhalten.

Mit der „Lola“ für den besten Dokumentarfilm bis 30 Minuten wurde „Blue Boy“ von Manuel Abramovich geehrt. Er porträtiert auf ungewöhnliche Weise sieben junge Rumänen, die als Prostituierte in Berlin arbeiten: Die Kamera fängt die Reaktionen der jungen Männer ein, während diese Aufnahmen zuhören, in denen sie über ihre eigenen Erfahrungen im Sex-Gewerbe sprechen.

Weitere Auszeichnungen gingen an „Wir sprechen heute noch Deutsch“ von Clara Winter und Miguel Ferráez in der Kategorie Experimentalfilm bis 30 Minuten – eine Arbeit, die mit Aufnahmen aus einem deutschen Integrationskurs arbeitet und hintersinnig-witzig um das kreist, was als „deutsch“ wahrgenommen wird – sowie an „Fortschritt im Tal der Ahnungslosen“ von Sarah Schreier, Stefan Gieren und Florian Kunert, der mit dem Sonderpreis des Deutschen Kurzfilmpreises geehrt wurde: Das kuriose Porträt einer ostdeutschen Gemeinde, wo einstmals zu DDR-Zeiten das Mähdrescher-Werk „Fortschritt“ für Arbeit sorgte, wo nun syrische Asylbewerber untergebracht sind.

Nominiert waren insgesamt 12 Filme aus 247 Wettbewerbseinreichungen. Mit der Auszeichnung qualifizieren sich die Gewinnerfilme automatisch auch für das Auswahlverfahren zu den „Oscars“. Außerdem kommen sowohl die Preisträgerfilme als auch die Nominierten ins Kino:
Auf der „KURZ.FILM.TOUR - Der Deutsche Kurzfilmpreis. Im Kino.“ sind sie deutschlandweit in Kommunalen Kinos zu sehen.

Weitere Infos:

kurzfilmtournee.de

www.deutscher-kurzfilmpreis.de



Foto: © DKFP2019/AndrePoling.


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