Philippe Rousselot bekommt den 20. Marburger Kamerapreis

Donnerstag, 05.12.2019

Von Éric-Rohmer-Filmen bis zum zeitgenössischen Blockbuster-Kino: Der französische Kameramann wird für sein vielseitiges Schaffen geehrt

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„Es gibt keinen anderen Kameramann, dessen Karriere sich in der Reichweite mit der von Philippe Rousselot vergleichen lässt. Diese spannt sich von der genauen Beobachtung der französischen Alltagswelt in der Nouvelle Vague (bei Éric Rohmer) über das „cinéma du look“ und anspruchsvolle Hollywood-Produktionen bis hin zum zeitgenössischen Special-Effects-Kino. Umso bemerkenswerter ist, dass Rousselot in allen diesen Bereichen Außergewöhnliches geleistet hat“. Mit diesen Worten feiert der Beirat des Marburger Kamerapreises den kommenden Preisträger des Jahres 2020.

Der 1945 in Briey geborene französische Filmkünstler unternahm seine ersten Schritte als Kameraassistent von Néstor Almendros Anfang der 1970er-Jahre, etwa bei „Claires Knie“ von Éric Rohmer. In den folgenden Jahren profilierte er sich zunächst in Frankreich, bald aber auch im internationalen Kino und entwickelte sich zu einem der renommiertesten Kameraleute seiner Generation, dessen Arbeiten eingefleischte Cineasten ebenso ansprechen wie das breite Publikum, zuletzt etwa bei den „Phantastische Tierwesen“-Filmen.

Rousselot gestaltete mehrmals Filme von Guy Ritchie und Neil Jordan, arbeitete mit Robert Redford und Tim Burton, John Boorman und Stephen Frears zusammen. Als seine Spezialität wird die „Pleinair-Fotografie“ gerühmt, etwa in John Boormans „Der Smaragdwald“ oder Jean-Jacques Annauds „Der Bär“. Außerdem habe er sich, so die Preisverleiher, bei diversen „period pieces“ bewährt (etwa Stephen Frears' „Gefährliche Liebschaften“). Dabei gehe es Rousselot „nie um das nostalgische Schwelgen in einer imaginierten Vergangenheit oder um die Imitation einer zeittypischen Ästhetik, sondern stets um die präzise Evokation von visuellen Stimmungen.“ Bemerkenswert, so die Jury, sei nicht zuletzt seine Nutzung von natürlichem Licht, das er mittels Spiegeln und Reflektoren indirekt in „differenzierten, lyrischen Formen der Ausleuchtung der Körper und der Gesichter“ einsetze.

Der von der Philipps-Universität Marburg und der Stadt Marburg ausgelobte Marburger Kamerapreis für herausragende Bildgestaltung wird Philippe Rousselot am 28. März 2020 in Marburg überreicht, im Rahmen der Bild-Kunst Kameragespräche Marburg (26.-28.3.2020).


Weitere Infos zum Marburger Kamerapreis finden sich auf der Website des Marburger Kamerapreises.



Foto: © David Bundy Montgomery

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