© Picture Alliance

Nachruf auf Thomas Elsaesser

Freitag, 06.12.2019

Zum Tod des großen Filmwissenschaftlers Thomas Elsaesser (22.6.1943-4.12.2019)

Diskussion

Der Filmwissenschaftler Thomas Elsaesser (22.6.1943-4.12.2019) war seinem bürgerlichen Habitus zum Trotz ein Provokateur, der sich mit einmal formulierten Gedanken nicht zufriedengeben wollte, sondern sich und andere immer wieder infrage stellte. Als freiwilliger Emigrant und Weltbürger blieb er dennoch dem deutschen Film treu, den er sein Leben lang mit kritischer Aufmerksamkeit begleitete.


Charmant, aber distanziert, äußerlich voll ironischer Zurückhaltung und mit einem altmodisch-konservativen, im klassischen Sinne bürgerlichen Habitus, sah man Thomas Elsaesser die Lust an der Provokation und die Radikalität seiner wissenschaftlichen Positionen auf den ersten Blick nicht an.

Wenn man ihn besser kennenlernte, entdeckte man bald das Warmherzige seines Wesens, aber auch seine Verletzlichkeit. Elsaesser hatte viele Bekannte, aber er konnte auch einsam sein. Darum tat ihm Aufmerksamkeit gut sowie das Gefühl, dass sein Gegenüber wusste, wen es vor sich hatte; darum war er andererseits auch fast immer zugänglich und auch an Gesprächen mit unbekannten Studenten interessiert - ein Solitär, der ständig auf Reisen zu sein schien, persönlich so ruhelos wie geistig, immer im Kino und in Gedankenspielen dem Experimentellen zugeneigt.

Dass Thomas Elsaesser im Alter von 76 Jahren nun ausgerechnet in Peking starb, nur Stunden nach einem Vortrag, den er im Rahmen seiner Gastprofessur dort gehalten hat, und nur wenige Tage, nachdem

Filmdienst Plus

Ich habe noch kein Benutzerkonto
Kommentar verfassen

Kommentieren