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Zwei Mal "Das kalte Herz" (mdr)

Donnerstag, 19.11.2020

28.11. 20.15-23.45, mdr

Diskussion

In dem Märchen „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff ist die Welt in Folge der Industrialisierung Anfang des 19. Jahrhunderts aus dem Gleichgewicht geraten. Der arme Köhler Peter Munk wird sich seiner Armut bewusst, als er die schöne Lisbeth heiraten will. Das Glasmännlein, der gute Geist des Waldes, soll ihm helfen. Doch das reicht dem Köhler nicht, weshalb er sich an den Holländer-Michel wendet, der allen Reichtum der Welt verspricht, wenn Munk sein Herz gegen einen kalten Stein tausche. Der Köhler ist einverstanden und wird reich, aber auch brutal und gemein. Erst als er Lisbeth aus Wut erschlägt, kommt er zur Besinnung. Noch einmal soll ihm das Glasmännlein helfen.

Der mdr zeigt in einem Double-Feature, wie unterschiedlich dieser Stoff verfilmt worden ist. Der allererste Farbfilm der DEFA aus dem Jahr 1950 unter der Regie von Paul Verhoeven (20.15-21.55) polemisiert gegen die Verkürzung des Lebens auf die Suche nach materiellen Dingen; die düstere Geschichte wird durch pompöse Volksszenen und gelungene Tricks aufgeheitert, wobei der humanistische Geist der Vorlage durchaus gewahrt bleibt.

In der Neuverfilmung durch Johannes Naber aus dem Jahr 2016 (21.55-23.45) gewinnen die Fantasy- und Genre-Elemente weiter an Bedeutung, was gut zur Ausdeutung des Märchens und seiner Wendung ins Bedrohliche nimmt. „Menschen…“ Ebenso verächtlich wie verbittert spuckt das Glasmännchen dieses Wort aus. Der uralte Waldgeist, mystischer Beschützer des Schwarzwaldes, spürt seine Kräfte schwinden, weil die Menschen nicht mehr an seinesgleichen glauben. Das Leben im Einklang mit der Natur(magie) ist gestört, der Mensch hat Verstand und Herz gegen Gier und Macht getauscht. Der Wald wird nur noch als Ware betrachtet, der rücksichtslos abholzt werden kann.

Die fulminante Neuverfilmung des Hauff’schen Kunstmärchens nutzt den Stoff für einen bild- und klanggewaltigen Genrefilm, in dem die Vorlage zur sozialkritischen Auseinandersetzung mit aktuellen Zeiterscheinungen dient. Fantasy-Elemente und historisch genaue Beobachtungen verbinden sich zu einem grimmig-düsteren Kinomärchen.


28.11., 20.15-21.55, „Das kalte Herz“ (1950) von Paul Verhoeven

28.11., 21.55-23.45, „Das kalte Herz“ (2016) von Johannes Naber

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