© SWR/Schmidtz Katze Filmkollektiv

Das kalte Herz (arte)

Mittwoch, 08.01.2020

22.1., 20.15-22.05, arte

Diskussion

„Menschen…“ Ebenso verächtlich wie verbittert spuckt das Glasmännchen gleich zu Beginn dieses Wort aus. Der uralte Waldgeist, mystischer Beschützer des Schwarzwaldes, spürt seine Kräfte schwinden, weil die Menschen nicht mehr an ihn und seinesgleichen glauben. Das Leben im Einklang mit der Natur(magie) ist zutiefst gestört, der Mensch hat Verstand und Herz gegen Reichtum, Gier und Macht eingetauscht, stellt sich gegen den Wald, den er nur noch als Ware betrachtet, ihn rücksichtslos abholzt.

Johannes Naber verdeutlicht in seiner fulminanten Neuverfilmung von Wilhelm Hauffs Kunstmärchen, dass in der Welt, die der Film spielt, nichts in Balance ist - am Beginn des 19. Jahrhunderts, als die Ära der Industrialisierung und Ökonomisierung gerade beginnt. Aus der Fabel um einen jungen Köhler im Schwarzwald (Frederick Lau), der unter den Erniedrigungen reicher Bürger sowie einer unerfüllten Liebe leidet und schließlich sein Herz gegen einen Stein verpfändet, macht Naber einen bild- und klanggewaltigen Genrefilm, der die Vorlage von Hauff konsequent zur sozialkritischen Auseinandersetzung mit Zeiterscheinungen wie ungehemmter Profitgier nutzt. Fantasy-Elemente und historisch genaue Beobachtungen verbinden sich zu einem spannenden, grimmig-düsteren Kino-Märchen. - Sehenswert ab 12.


Foto: SWR/Schmidtz Katze Filmkollektiv

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