© Academy of Motion Picture Arts & Sciences

Diversitätsregeln für „Oscar“-Kandidaten

Mittwoch, 09.09.2020

Die US-Filmindustrie hat sich mit den „Academy Aperture 2025“ ein neues Regelwerk verschrieben, um künftig diverser und inklusiver zu werden

Diskussion

Die US-Filmindustrie hat sich mit den „Academy Aperture 2025“ ein neues Regelwerk verschrieben, um künftig diverser und inklusiver zu werden. Wer ab 2024 für den „Oscar“ nominiert werden will, muss mehrere neue Kriterien erfüllen. Das Thema einer größeren Diversität ist inzwischen aber auch bei den europäischen Filmförderern angekommen.


Die US-Filmindustrie und das Menschenbild, das sie in ihren Arbeiten darstellt, sollen vielfältiger werden. Darauf zielt die „Academy of Motion Picture Arts & Sciences“, die mit den „Oscars“ die wichtigsten Filmpreise der USA vergibt, mit ihrer Initiative „Academy Aperture 2025“. Die bereits im Frühjahr 2020 vollzogene Einladung neuer Mitglieder in die nach wie vor von weißen Männern dominierten Reihen war bereits Teil dieser Initiative. Am 8. September 2020 hat die Academy nun neue Regeln für Diversität und Inklusion formuliert, denen Filme ab 2024 entsprechen müssen, um bei den „Oscars“ für die Kategorie „Bester Film“ nominiert werden zu können.


Ein Bündel neuer Regelungen

Künftig soll für Filme, die um den „Oscar“ konkurrieren, ein „Academy Inclusion Standards“ Formular eingereicht werden, in dem erklärt wird, dass der Film mindestens zwei von vier Diversitäts-Anforderungen erfüllt. Drei dieser Anforderungen betreffen die Zusammensetzung der Crew hinter der Kamera und sehen bestimmte Quoten für nicht-weiße, nicht-männliche, nicht-heterosexuelle und/oder behinderte MitarbeiterInnen sowohl für künstlerische und produktionstechnische Leitungspositionen als auch für den Rest des Produktionsteams vor; auch die Ausbildungsstellen im Rahmen von Filmproduktionen sowie die Teams, die Vertrieb und Marketing übernehmen, sollen diverser und inklusiver besetzt werden (die genauen Regeln und Quoten finden sich hier).

Außerdem hat die Academy eine Regel für Diversität und Inklusion vor der Kamera formuliert. Um in dieser Hinsicht „Oscar“-fähig zu werden, müssen Filme in Zukunft entweder mindestens eine Hauptfigur oder eine signifikante Nebenfigur mit einem Darsteller aus einer nicht-weißen Ethnie und/oder 30 Prozent des gesamten Darsteller-Ensembles divers und inklusiv besetzen. Oder sie müssen eine Geschichte erzählen, die um eine bisher unterrepräsentierte Gruppe kreist.


„Diversität“ ist das neue Thema

Die Academy reiht sich damit in die Reihe anderer Filminstitutionen in westlichen Ländern ein, die sich das Thema „Diversity“ auf die Flaggen geschrieben haben; für die britische Filmakademie BAFTA und die von ihr verliehenen Preise gibt es eine ähnliche Initiative; auch in der deutschen Filmförderung ist das Thema „Diversitätsregeln“ angekommen.

Dass die Filmbranche dadurch angehalten wird, das viel zu lange vernachlässigte Thema der Förderung von ethnischer, sexueller und sonstiger Vielfalt aktiv anzugehen, ist begrüßenswert. Über den künstlerischen Sinn der neuen Regeln für die „bester Film“-Kategorie der „Oscars“, die vornehmlich mit Quoten operieren, lässt sich freilich streiten: Die Bewertung von Filmen und des ihnen zugrundeliegenden oder von ihnen intendierten Menschenbildes kann mit Hilfe von Prozentsätzen wohl nur schwerlich bewerkstelligt werden.

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