© 77. Filmfestival Venedig

Venedig 2020: Die Preise

Samstag, 12.09.2020

Die Preise der 77. Filmfestspiele von Venedig: „Goldener Löwe“ geht an „Nomadland“ der Sinoamerikanerin Chloé Zhao

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Die 77. Filmfestspiele von Venedig sind am 12. September mit der Preisverleihung zu Ende gegangen. Das aufgrund der Corona-Pandemie umgestaltete Festival hatte unter speziellen Bedingungen und in ausgedünnter Form stattgefunden. Die internationale Jury unter Vorsitz der Schauspielerin Cate Blanchett zeichnete das Road Movie „Nomadland“ der Sinoamerikanerin Chloé Zhao mit dem „Goldenen Löwen“ aus. Die katholische SIGNIS-Jury ehrte „Quo vadis, Aida?“, eine filmische Annäherung an das Srebenica-Massaker. Eine Übersicht über die Preise der 77. Mostra.


Das erste große Filmfestival des Corona-Jahres ist am 12. September mit der Verleihung der „Löwen“ beendet worden. Trotz aller Abstands-, Hygiene- und Maskenregeln konnte das 77. Internationale Filmfestival von Venedig zu einem standesgemäßen Abschluss gebracht werden, auch wenn viele der Preisträger 2020 ihre Auszeichnungen nicht vor Ort entgegennehmen konnten. Auch wenn die in anderen Jahren vielbeachteten Hollywood-Produktionen diesmal im Wettbewerb fehlten, ging der „Goldene Löwe“ zum dritten Mal in den letzten vier Jahren in die USA: Die sinoamerikanische Filmemacherin Chloé Zhao erhielt von der Jury unter Vorsitz der Schauspielerin Cate Blanchett den Hauptpreis für ihren dritten Film „Nomadland“. Das in einem wirtschaftlich heruntergekommenen Amerika spielende Road Movie zeigt Frances McDormand als moderne Nomadin, die mit ihrem Van durchs Land zieht und auf diverse Schicksalsgenossen trifft; wie in Zhaos vorherigen Werken stehen auch in ihrem bildstarken neuesten Film wieder vor allem Laiendarsteller vor der Kamera.

Mit dem „Großen Preis der Jury“ zeichnete die Jury ebenfalls ein Drama über eine finstere Zukunft im Herkunftsland des Regisseurs aus: „Nuevo orden“ des Mexikaners Michel Franco zeigt, wie aus der Kluft zwischen Reich und Arm ein gewaltsamer Aufstand hervorbricht. Bei den Darstellerpreisen hatten der Italiener Pierfrancesco Favino und die Britin Vanessa Kirby die Nase vorn, Kirby hatte neben ihrer prämierten Rolle in „Pieces of a Woman“ des Ungarn Kornél Mundruczó auch in einem zweiten Wettbewerbsfilm, „The World to come“, brilliert. Ohne Preis blieb hingegen der deutsche Beitrag „Und morgen die ganze Welt“.

Bereits am Nachmittag hatte die Jury des katholischen Weltverbands SIGNIS ihre Gewinner gekürt. Neben einer lobenden Erwähnung für „Nomadland“ ging der SIGNIS-Preis an „Quo vadis, Aida?“, eine Annäherung der bosnischen Regisseurin Jasmila Žbanić an das Massaker von Srebenica. In ihrer Begründung hieß es: „Das Srebenica-Massaker im Juli 1995 ist gut dokumentiert, als erster Völkermord auf europäischem Boden seit der Shoah. Keine Dokumentation jedoch kann einen den schieren Schrecken empfinden lassen, den das Meisterwerk ‚Quo vadis, Aida?‘ der bosnischen Filmemacherin Jasmila Žbanić hervorruft. Der entmenschlichende Horror wird durch die Augen einer Lehrerin, UN-Dolmetscherin und Mutter zweier Söhne erfahrbar, die verzweifelt um das Leben ihrer Familie und anderer Bewohner kämpft. Die berühmten Worte des Apostels Petrus, ‚Quo Vadis‘ werden verdeutlicht in einem überraschenden, hoffnungsvollen Ende, bei dem sie ihre Arbeit als Lehrerin wieder aufnimmt und den Hass zurückweist.“


"Quo vadis, Aida?"
"Quo vadis, Aida?"


Hier die Übersicht über die Hauptpreise im Wettbewerb:

Goldener Löwe für den besten Film: „Nomadland“ von Chloé Zhao

Silberner Löwe – Großer Preis der Jury: „Nuevo orden“ von Michel Franco

Silberner Löwe – Preis für die beste Regie: Kiyoshi Kurosawa für „Spy no tsuma (Wife of a Spy)“

Coppa Volpi für die beste Schauspielerin: Vanessa Kirby für „Pieces of a Woman“

Coppa Volpi für den besten Schauspieler: Pierfrancesco Favino für „Padrenostro“

Preis fürs beste Drehbuch: Chaitanya Tamhane für „The Disciple“

Spezialpreis der Jury: „Dorogie Towarischi!“ von Andrej Kontschalowski

„Marcello Mastroianni“ Preis für ein Nachwuchs-Schauspieltalent: Rouhollah Zamani in „Khorshid (Sun Children)“ von Majid Majidi

„Löwe für die Zukunft“ – Luigi De Laurentiis Award für den besten Debütfilm: „Listen“ von Ana Rocha de Sousa

Goldener Löwe für ein Lebenswerk: Ann Hui, Tilda Swinton


FIPRESCI-Preis Wettbewerb: „The Disciple“ von Chaitanya Tamhane

FIPRESCI-Preis Orizzonti und Parallelsektionen: „Dashte Khamoush (The Wasteland)“ von Ahmad Bahrami


SIGNIS Preis (Preis der World Catholic Association for Communication): „Quo vadis, Aida?“ von Jasmila Žbanić
Lobende Erwähnung: „Nomadland“ von Chloé Zhao


Sämtliche offiziellen Preise des Festivals finden Sie hier.

Die Preise der unabhängigen Jurys finden Sie hier.


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