Selma

13.1., 23.55-01.50, Das Erste (Erstausstrahlung)

Diskussion

Die Geschichte der afro-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung wurde (bislang) noch wenig mit Spielfilmen gewürdigt, was angesichts der noch immer grassierenden „Rassenprobleme“ in der US-Gesellschaft nicht wundert. Der Film „Selma“ der amerikanischen Regisseurin Ava DuVernay gehört deshalb zu den Pioniertaten auf diesem Gebiet und lässt dabei Raum für zukünftige Ergänzungen: DuVernay konzentriert sich auf die Monate Januar bis März 1965 und die Bemühungen der Bürgerrechtler um Martin Luther King (David Oyelowo), die Legitimation ihres Kampfes mit einer gezielten Aktion in der Kleinstadt Selma im Bundesstaat Alabama aufzuzeigen. Dort sorgt die gnadenlos umgesetzte Segregation dafür, dass nur zwei Prozent der Afroamerikaner wählen dürfen, zudem ist der Sheriff für seine Brutalität bekannt. King und seine Mitstreiter setzen deshalb bewusst darauf, dass ihr friedlicher Protest auf gewaltsame Gegenwehr stößt; das Medienecho soll ihnen Sympathie auch unter der weißen Bevölkerung sichern und damit Druck auf US-Präsident Lyndon B. Johnson (Tom Wilkinson) zum Umsetzen der Bürgerrechte ausüben.

DuVernays Ansatz ist ein packendes Historiendrama, das die Geschehnisse der drei Monate eindringlich verlebendigt und dabei anders als Spike Lee bei „Malcolm X“ auf jede Verklärung ihrer Hauptfigur verzichtet. King erscheint als von Selbstzweifeln geplagter Charakter, die Gruppe der Southern Christian Leadership Conference insgesamt sehr ausdifferenziert und in Methoden wie Zielvorstellungen komplex. Die christliche Motivation der Aktivisten vermittelt sich dabei ebenso unaufdringlich wie Kings außergewöhnliche Persönlichkeit und sein Blick für realpolitische Notwendigkeiten. – Sehenswert ab 14.

One wiederholt den Film am Montag, 15. Januar, noch einmal zur zuschauerfreundlichen Sendezeit um 20.15.

Foto: ARD Degeto © MMXIV Paramount Pictures

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